Erfüllung, Traum, Begeisterung

Ludwig Augustinsson über die WM in Russland

Glücklich, wieder im Weser-Stadion zu sein: Ludwig Augustinsson freut sich auf die neue Saison (Foto: W.DE).
Profis
Montag, 06.08.2018 // 16:55 Uhr

Das Interview führte Yannik Cischinsky

Was für ein Turnier: Torschütze. Gruppensieger. Achtelfinale. Und erst im Viertelfinale gegen England war Schluss. Ludwig Augustinsson und die schwedische Nationalmannschaft haben ein großartiges Turnier bei der Weltmeisterschaft in Russland gespielt. Beim 3:0-Sieg am zweiten Spieltag gegen Mexiko brachte der Linksverteidiger des SV Werder, der unlängst seinen Vertrag vorzeitig verlängert hat (siehe Extrameldung), die Skandinavier in Führung und öffnete somit die Tür fürs Weiterkommen. Nach seiner Rückkehr aus seinem verlängerten WM-Urlaub hat 'Ludde', wie er bei den Grün-Weißen genannt wird, Zeit gefunden, um mit WERDER.DE über die Weltmeisterschaft, seinen Treffer und seinen neuen schwedischen Teamkollegen zu sprechen.

WERDER.DE: Es waren ereignisreiche Wochen für dich. Kannst du deinen Sommer in einem einzigen Satz zusammenfassen?

Ludwig Augustinsson: „Es war einfach eine tolle Zeit. Ich glaube, das trifft es am besten. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, überhaupt an der WM teilgenommen zu haben – und dann sind wir auch noch so weit gekommen. Das Tor zu schießen war einfach unfassbar.“

Erst im Viertelfinale war Schluss: Ludwig Augustinsson hat eine sehr gute WM gespielt (Foto: imago).

WERDER.DE: War das der eine Moment, an den du dich bis ans Lebensende erinnern wirst?

Ludwig Augustinsson: „Vermutlich ja. Diese Sekunde als ich den Ball über die Linie fliegen sah. Ich werde mich ewig an diesen Glücksmoment, an das Feiern mit den Teamkollegen erinnern. Es war so ein wichtiges Spiel für uns, wir durften nicht verlieren. Ja, das war mein WM-Moment.“

WERDER.DE: Nach dem Spiel ist dein Smartphone vermutlich wegen der vielen Nachrichten explodiert…

Ludwig Augustinsson: „Definitiv. Ich habe noch immer nicht allen geantwortet. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen entschuldigen, denen ich nicht zurückgeschrieben habe (lacht). Es waren einfach zu viele. Aber natürlich habe ich mich über diesen Support gefreut.“

WERDER.DE: Im Viertelfinale war eure Reise zu Ende. Was überwiegt: der Stolz, soweit gekommen zu sein, oder Enttäuschung, es gegen England nicht geschafft zu haben?

Ludwig Augustinsson: „Die ersten zwei, drei Tage danach waren wir alle total enttäuscht. Wir wissen, dass wir viel besser spielen können als wir es gegen England gezeigt haben. Aber mittlerweile überwiegt der Stolz. Mit der schwedischen Nationalmannschaft im Viertelfinale der Weltmeisterschaft zu stehen, darüber kann man nur glücklich sein. Es war die erste Turnierteilnahme für Schweden seit zwölf Jahren. Da möchte man das Ganze am liebsten gleich wieder von vorne beginnen (lacht).“

Das Tor zu schießen war einfach unfassbar.
Ludwig Augustinsson

WERDER.DE: Wie haben es die Leute in deinem Heimatland aufgenommen?

Ludwig Augustinsson: „Ich denke, die Nationalmannschaft hat ihnen den Sommer versüßt. Schweden stand während der Spiele quasi still, weil alle vor dem Fernseher saßen. Es herrschte ein echtes WM-Fieber. Das konnte man vor allem nach unserer Rückkehr spüren. Das ganze Land war und ist stolz auf uns. Plötzlich wollte jeder in der Innenstadt mit dir reden, ein Foto oder ein Autogramm haben.“

WERDER.DE: Hattest du Kontakt zu deinen Werder-Kollegen während des Turniers?

Ludwig Augustinsson: „Natürlich ist man während eines solchen Turniers extrem fokussiert, aber ich hatte zu ganz vielen Leuten bei Werder Kontakt. Zu den Teamkollegen, zum Staff, zu den Coaches und auch aus dem Umfeld. Es war schön, ihre Unterstützung zu bekommen.“

Felix Beijmo und Ludwig Augustinsson sind die Schweden-Fraktion beim SVW (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Jetzt bist du zurück in Bremen und nicht mehr der einzige Schwede im Team. Wie ist dein Verhältnis zu Felix?

Ludwig Augustinsson: „Wir kommen aus dem gleichen Verein. Ich glaube, er besitzt die gleiche Mentalität wie ich. Er liebt es, zu trainieren und ist sehr professionell. Felix hat mit meinem kleinen Bruder zusammengespielt, er als Rechtsverteidiger, Jonathan als Linksverteidiger. Ich habe ihn deshalb schon ein paar Mal getroffen und kenne ihn. Er ist ein guter Typ. Ich bin froh, dass er diesen Schritt gegangen ist. Es war die richtige Entscheidung. Natürlich ist es schön, einen weiteren Schweden im Team zu haben, aber ich glaube, es ist gut für ihn, dass ich hier bin und helfen kann.“

WERDER.DE: Hast du mit ihm vor seinem Wechsel gesprochen?

Ludwig Augustinsson: „Wir hatten bei WhatsApp Kontakt. Und natürlich haben wir vor seinem Wechsel gesprochen. Ich habe ihm ein paar Dinge über den Verein erzählt. Jetzt wird sich die Gelegenheit auch abseits des Platzes ergeben, um in Ruhe zu quatschen.“

WERDER.DE: Durch die WM hast du große Teile der Vorbereitung verpasst. Ist es trotzdem möglich, dass du zum Saisonstart schon spielst?

Ludwig Augustinsson: „Ich denke schon. Ich bin in guter Verfassung, aber natürlich einige Wochen hinterher. Sie haben echt hart trainiert und viele Testspiele absolviert. Ich hoffe, dass ich im Pokalspiel auf dem Feld stehen kann, aber die Belastungssteuerung läuft sehr professionell ab und es wird entschieden, was das Beste für mich und für das Team ist.“