"Ein Sieg für die ganze Stadt"

Stimmen zum Nordderby-Sieg

Pure Freude beim Siegtreffer, pure Freude über den Derbysieg - doch die Werderaner mahnten auch (Foto: nph).
Profis
Samstag, 24.02.2018 // 23:03 Uhr

Von Dominik Kupilas, Yannik Cischinsky und Daniel Gerdes

Dass die 42.100 Zuschauer im Weser-Stadion kein fußballerisches Feuerwerk geboten bekommen hatten, da waren sich alle einig. Doch was nach diesem 108. Nordderby in der Bundesliga zählte, war nur eins – oder besser gesagt drei: die Punkte! Dementsprechend erleichtert zeigten sich Matchwinner Ishak Belfodil, der den Ball über die Linie drückte, und seine Teamkollegen. „Es war ein ganz wichtiger Sieg“, freute sich Abwehrchef Niklas Moisander, der gleichzeitig mahnte: „Wir müssen konzentriert bleiben.“ Zwar ist der Abstand auf einen direkten Abstiegsplatz mit dem 1:0-Sieg auf neun Zähler angewachsen, der Vorsprung auf den gefährlichen Relegationsrang beträgt dennoch nur zwei Pünktchen. „Das war nur einer von vielen wichtigen Schritten“, lautete deshalb der Tenor in den Interviews nach dem Spiel.

WERDER.DE hat bei all der Derbyfreude die wichtigsten Stimmen zur Partie zusammengefasst.

Zum Spielverlauf:

Max Kruse gehörte zu den Aktivposten, wurde aber oft aus dem Spiel genommen (Foto: nph).

Niklas Moisander: „Es war ein schwieriges Spiel. Der HSV hat gut verteidigt, sehr tief und sehr kompakt. Wir haben kaum Räume gefunden, in die wir passen konnten. Aber wir haben immer an den Sieg geglaubt und am Ende verdient gewonnen.“

Max Kruse: „Spielerisch war das sicherlich kein Leckerbissen, aber in einem Derby zählen nur drei Punkte und die bleiben heute in Bremen. Der HSV stand tief, hat wenig zugelassen und wir haben es vermissen lassen, die Räume anzuspielen. Es hat uns in die Karten gespielt, dass der HSV im zweiten Durchgang etwas höher stand.“

Florian Kohfeldt: „Es war ein intensives Spiel mit vielen Zweikämpfen und vielen Aktionen, die nicht zu Ende gebracht wurden. Der HSV hat leidenschaftlich verteidigt, aber im Laufe des Spiels haben wir aber immer mehr Kontrolle gewonnen und auch wenn das Tor zu einem späten Zeitpunkt fällt, insgesamt ist der Sieg verdient. Wir haben uns heute für das belohnt, was wir uns in den vergangenen Wochen aufgebaut haben. Ein Derbysieg ist etwas ganz Besonderes.“

Maximilian Eggestein: „In der ersten Halbzeit war es kein gutes, sondern ein sehr zerfahrenes Spiel. Wir wollten das Tor einfach zu sehr erzwingen. Im Derby ist das immer noch etwas Anderes, etwas Besonderes. In der zweiten Halbzeit haben wir dann unsere Tugenden – die Situationen spielerisch zu lösen – wiedergefunden und hatten zum Spielende genügend Chancen, das Spiel zu entscheiden. Es war wichtig, die Geduld zu bewahren. Wir alle hätten es gerne nicht so spannend gemacht. Es war sehr positiv, wieder ein Erfolgserlebnis zu haben nach dem enttäuschenden Spiel in Freiburg. Das Derby ist immer ein sehr brisantes Spiel, der HSV hat es heute gut gemacht. Schließlich war es ein wichtiger Sieg, aber wir dürfen uns nun keineswegs auf der sicheren Seite wähnen.“

Zlatko Junuzovic: „Wir wussten, dass es ein schweres Spiel wird wegen der Anspannung und der Tabellensituation. Die Derby-Stimmung war die ganze Woche zu spüren, im Spiel war es dann etwas zerfahren. Wir sind nicht gut reingekommen, waren nicht griffig. Das war heute mit Sicherheit nicht die beste Leistung von uns, aber wir haben es geschafft, dagegen zu halten und haben uns den Lucky Punch erarbeitet. Wir haben unser Ziel erreicht und gewonnen. Und Derbysiege sind sehr besonders.“

Frank Baumann: „Das Spiel war wie erwartet. Wir wussten, dass der HSV defensiv gut steht, das haben sie gegen den BVB und gegen Leipzig gezeigt. Das war heute nicht unsere beste spielerische Leistung, aber ein verdienter Sieg. Wir sind in der zweiten Halbzeit angerannt, haben Druck erzeugt und in der Situation die Chance genutzt. Das Spiel war vergleichbar mit dem in Freiburg, der HSV hat das defensiv ähnlich gut gemacht. Wir haben nach vorne die Lösungen nicht gefunden, sind aber ruhig geblieben, haben nicht verkrampft und in Ruhe weitergemacht.“

Zur Tabellensituation:

Ein wichtiger Schritt ist gegangen, aber es war nur ein Schritt auf einem langen Weg (Foto: nph).

Niklas Moisander: „Das waren sehr wichtige drei Punkte, aber wir bleiben realistisch. Wir sind noch lange nicht am Ziel. Die Emotionen nach so einem Spiel sind groß, die dürfen wir auch noch ein, zwei Tage genießen, aber dann müssen wir uns wieder konzentrieren. Freitag ist das nächste wichtige Spiel, da wollen wir weitere Punkte einsacken.“

Frank Baumann: „Es war ein wichtiger Schritt von ganz vielen, aber die Punkteanzahl wird nicht reichen, um den Klassenerhalt zu schaffen. Es müssen weitere Siege folgen und wir haben überhaupt nichts zu verschenken. Wir werden Freitag wieder gefordert sein, müssen in Gladbach kämpfen.“

Zlatko Junuzovic: „Das war ein wichtiger Schritt, aber es geht weiter. Wir haben Punkte gut gemacht und den Vorsprung auf den HSV ausgebaut, aber wir wollen weiter klettern.“

Florian Kohfeldt: „Das war heute ein guter Schritt, aber es gibt keinen Grund sich auszuruhen. Wir haben den Abstand auf die direkten Abstiegsplätze vergrößert und den Anschluss hergestellt, aber wir müssen weitermachen und konstant punkten. Dann erreichen wir unser großes Ziel.“

Maximilian Eggestein: „Der Sieg sollte uns nicht zu viel Sicherheit geben, denn wenn wir nächste Woche verlieren und Wolfsburg und die Mainzer gewinnen, dann stehen wir auf dem Relegationsplatz.“

Zum Siegtor:

Durchsetzungsvermögen: Ishak Belfodil drückt den Ball über die Linie (Foto: nordphoto).

Max Kruse: „In der Aktion waren wir einfach nur froh, dass der Ball irgendwie über die Linie gegangen ist. Wir haben nachgesetzt, vielleicht war es abseits, aber das Tor wurde gegeben und wir konnten uns einfach nur freuen.“

Frank Baumann: „Das war eine sehr enge Geschichte, die ich im Spiel nicht gesehen habe, weil vor mir einer direkt aufgesprungen ist und auch im TV sieht man es in meinen Augen nicht eindeutig. Ich denke, es war kein Foul. Die Hamburger Enttäuschung kann ich dennoch vollkommen verstehen. Es ist sehr bitter, so in der Schlussphase zu verlieren.“

Zlatko Junuzovic: „Da bin ich innerlich explodiert. Aber es waren noch einige Minuten zu spielen und wir wussten, dass wir konzentriert bleiben müssen.“

Ishak Belfodil: „Es ist völlig egal, wer den Ball letztlich über die Linie gedrückt hat, wichtig sind die drei Punkte und ich freue mich, dass ich zu diesem wichtigen Sieg beitragen konnte. Das war ein Gefühl von ganz, ganz großer Freude. Diesen Sieg hat sich die ganze Mannschaft erarbeitet. Es war ein Sieg für die ganze Stadt.“

Maximilian Eggestein: „Ich konnte die Situation nicht genau sehen. Mein Gefühl sagt, dass es kein Abseits war. Am Ende war es auf der Linie ein 50:50-Ding. Der Schiedsrichter hat sich noch ans Ohr gefasst und das überprüft. Dann wird es wohl regulär gewesen sein.“

Felix Zwayer: „Wir haben uns die Situation nach dem Spiel noch einmal angesehen und man erkennt klar, dass sich der Spieler nicht in einer Abseitsposition befand. Deswegen war es in meinen Augen ein reguläres Tor.“

Zu den Spielunterbrechungen:

Immer wieder flogen Raketen aus dem Gästeblock - und einmal auch aufs Feld (Foto: nph).

Niklas Moisander: „Natürlich sind die ganzen Unterbrechungen nicht schön, da du komplett aus dem Rhythmus kommst. Aber damit hatten beide Mannschaften zu kämpfen. Ich verstehe die Emotionalität, aber Pyro verstehe ich nicht. Für mich stand das Spiel nicht kurz vor dem Abbruch. Der Schiedsrichter hätte uns auch noch in die Kabine schicken können.“

Maximilian Eggestein: „So etwas bringt den ganzen Rhythmus durcheinander. Diese Pyroaktionen waren absoluter Schwachsinn und haben niemandem im Stadion etwas gebracht. Dadurch wurden die Spieler des HSV nicht unterstützt. Ein Geschoss hat auch fast die Spieler getroffen. Aus meiner Sicht muss man das einfach unterlassen. Im Block darunter befinden sich noch andere Menschen, die sich das Fußballspiel anschauen möchten. Durch solche Situationen gefährdet man Unbeteiligte.“

Max Kruse: „Das sind ein paar Chaoten, aber das ist nicht meine Baustelle. Es ist nicht das erste Mal in der Bundesliga und ich beschäftige mich da nicht mit.“

Florian Kohfeldt: „Ich hatte vor allem Sorge um die Leute, die unterhalb des Gästeblocks saßen. Da sitzen Familien und es wurden gezielt Raketen in den Block geschossen. So etwas gehört nicht ins Stadion. Felix Zwayer hat das sehr souverän gemacht."

Zlatko Junuzovic: „Das war schon sehr störend, weil es immer wieder Unterbrechungen gab und wir überhaupt keinen Rhythmus gefunden haben. Wir hatten einen guten Austausch mit dem Schiedsrichter und wussten, dass er nochmal unterbrechen würde, wenn es brenzlig werden würde.“

Frank Baumann: „Das war keine schöne erste Halbzeit. Man muss an dieser Stelle Felix Zwayer und seinem Team ein Kompliment aussprechen, die das sehr souverän und gut gemacht haben. Im zweiten Durchgang war es dann dankenswerter Weise etwas ruhiger.“

Felix Zwayer: „Wir als Spielleiter haben die Möglichkeit, das Spiel in bestimmten Situationen zu unterbrechen um die Gemüter zu beruhigen. Das hat heute funktioniert. Das Spiel war noch weit davon weg, abgebrochen zu werden. Die ordnungsgemäße Durchführung war zu jeder Zeit gewährleistet und es hätte ja noch mehr Möglichkeiten gegeben, die Lage zu beruhigen. Natürlich hätte man auch in der 88. Minute beim erneuten Raketenflug reagieren können, aber alle Beteiligten waren sichtbar daran interessiert, das Spiel zu beenden.“