Na endlich! Kruse und Bartels beenden Werders Leidenszeit

SVW gelingt 4:0-Heimsieg über Hannover 96

Die Erleichterung! Thomas Delaney und Maximilian Eggestein jubeln im Kreise der beiden Bremer Matchwinner Max Kruse und Fin Bartels (Foto: nordphoto).
Profis
Sonntag, 19.11.2017 // 19:57 Uhr

von Maximilian Hendel

Na endlich! Nach quälend langen Monaten des Wartens schoss sich der SV Werder am 12. Spieltag ganz viel angestauten Frust von der Seele. Vor gut 41.500 Zuschauern im Weser-Stadion besiegten die Grün-Weißen den bestens aus den Startlöchern gekommenen Aufsteiger Hannover 96 glatt mit 4:0 (1:0) und fuhren damit ihren ersten Bundesligasieg seit April ein. Fin Bartels’ herrlicher Lupfer wenige Minuten vor der Pause setzte das so wichtige Ausrufezeichen (39.). Nachdem Jiri Pavlenkas Glanztat gegen Martin Harnik unmittelbar nach Wiederanpfiff einen möglichen Ausgleich verhinderte, spielten sich die Gastgeber in einen Rausch. Max Kruses lupenreiner Hattrick (55., 59., 78.) brachte die drei Punkte unter Dach und Fach.

Aufstellung und Formation: Auch bei seinem Heimspieldebüt vertraute Werders neuer Cheftrainer Florian Kohfeldt genau jenen elf Spielern in der identischen Formation, die er bereits vor der Länderspielpause in Frankfurt zu Spielbeginn aufgeboten hatte. Jiri Pavlenka wusste die hintere Reihe aus Theodor Gebre Selassie, Milos Veljkovic, Niklas Moisander und Ludwig Augustinsson (v.r.n.l.) vor sich. Philipp Bargfrede gab den zentraldefensiven Part im Mittelfeld, um Thomas Delaney und Maximilian Eggestein auf den Halbpositionen den Rücken freizuhalten. In vorderster Reihe sollten Zlatko Junuzovic, Fin Bartels und Max Kruse mit entsprechender Positionsflexibilität und Kreativität den Gästeverteidigern das Leben möglichst schwer machen.

Pausenführung: Kruse steckt durch, Bartels lupft perfekt

Nach Max Kruses Zuspiel lässt Fin Bartels 96-Keeper Michael Esser keine Chance (Foto: nordphoto).

Die Höhepunkte:

4. Min.: Hannovers Mittelfeldmann Sebastian Maier probiert es aus 17 Metern, doch Jiri Pavlenka löst diese erste kleine Prüfung des Abends souverän.

10. Min.: Gebre Selassie sichert sich einen ungenau aus dem Gästestrafraum abgewehrten Kopfball, setzt umgehend Kruse in Szene, dessen 16 Meter-Schlenzer aus der Drehung einen knappen Meter links vorbei dreht.

20. Min.: Größte Bremer Gelegenheit! Ein schöner Doppelpass mit Bartels bereitet Gebre Selassie den Weg in den gegnerischen Strafraum, ehe der Rechtsverteidiger 96-Keeper Esser aus spitzem Winkel zu einer guten Parade zwingt – Eggestein bekommt den zweiten Ball, wird jedoch nahe des Elfmeterpunkts im letzten Moment geblockt.

23. Min.: Erneut ist Michael Esser zur Stelle. Junuzovic bringt einen angeschnittenen Freistoß von halblinks mit vollem Risiko auf den zweiten Pfosten, Freund und Feind verpassen haarscharf, bevor Esser mit schnellem Reflex den Ball abwehrt.

30. Min.: Puuuuuuuuuh, um ein Haar wäre Veljkovic ein denkbar bitteres Eigentor unterlaufen, als er seinen Fuß unglücklich in Oliver Sorgs scharfen Ball von rechts stellte. Augenblicke später verzieht Pirmin Schwegler nach gutem Zuspiel von Bakalorz um einen Meter über den Bremer Querbalken.

32. Min.: Junuzovic nutzt Albornoz’ Stellungsfehler zur halbhohen Hereingabe von der Grundlinie aus an den Fünfmeterraum, wo Bartels zum unbedrängten Flugkopfball ansetzt, aber dabei die Präzision vermissen lässt.

39. Min.: TOOOOOOOOOOOOOR, 1:0 für den SVW, Fin Bartels. Endlich, zum ersten Mal seit der Schalke-Partie gehen die Bremer daheim mal wieder in Führung. Bartels luchst Schwegler am Mittelkreis den Ball ab, legt den Ball sofort in den Lauf von Kruse, der folgend traumhaft für den durchgestarteten Angriffspartner durchsteckt, woraufhin Bartels im perfekten Moment aus acht Metern über den herauseilenden Esser hinweg ins Netz lupft.

45. + 1 Min.: Den wohlwollenden Applaus von den Rängen haben sich die Grün-Weißen redlich verdient. Mit Bartels’ Führungstor geht es in die Pause.

Immer wieder Kruse: Lupenreiner Hattrick des Angreifers

Antreiber aus dem Halbfeld: Maximilian Eggestein lieferte eine genauso überzeugende Leistung wie alle Grün-Weißen (Foto: nordphoto).

46. Min.: PAVLENKA! Wie schon etliche Male zuvor in dieser nicht mehr ganz so jungen Saison rettet Werders Schlussmann seine Vorderleute. Die erste grobe Unkonzentriertheit in der Bremer Defensive bringt Martin Harnik nur Momente nach Wiederbeginn die hundertprozentige Ausgleichschance, doch Pavlenka macht sich ganz groß und verhindert Schlimmeres.

50. Min.: Nächste gute Gelegenheit der Gäste. Nach einer Ecke darf Salif Sané allein zum Kopfball hochsteigen, Pavlenka muss jedoch nicht eingreifen.

55. Min.: TOOOOOOOOOOOOOOOOR, 2:0 für den SVW, Max Kruse. Eiskalt nutzen die Bremer eine katastrophale Spieleröffnung der Gäste – Bargfrede setzt Maier entscheidend unter Druck, gewinnt den Ball, hat dann alle Zeit der Welt, um den mitgelaufenen Kruse zu bedienen, der Esser keine Chance lässt.

59. Min.: TOOOOOOOOOOOOOOOOOOR, 3:0 für den SVW, Max Kruse. Jetzt läuft’s! Wieder kann 96 einen Bremer Konter nicht unterbinden, diesmal wird Kruse von Bartels freigespielt, lässt dann Sané mit dem linken Außenrist aussteigen und überwindet Esser aus neun Metern.

64. Min.: Der eingewechselte Bebou kann eine Nachlässigkeit der Bremer nicht nutzen, da ihm Pavlenka gerade noch rechtzeitig den Weg versperrt.

67. Min.: Kruse legt auf rechts zu Bartels, der sieht und findet den einlaufenden Eggestein, doch dessen Flugkopfball aus sechs Metern rutscht am linken Pfosten vorbei.

78. Min.: TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR, 4:0 für den SVW, Max Kruse. Das fühlt sich schon fast so an wie die vergangene Rückrunde. Wieder legt Bartels in den freien Raum für Kruse, der Esser zum dritten Mal an diesem Abend überwindet und nun einen lupenreinen Hattrick geschnürt hat.

87. Min.: Felix Klaus darf aus bester Position, 18 Meter zentral vor dem Bremer Kasten, zum Freistoß antreten, schaufelt den Ball jedoch meterweit über den Kasten.

90. + 1 Min.: Nahezu  pünktlich beendet Schiri Cortus die Partie. Werder hat den ersten Saisonsieg eingefahren.



Fazit:
Die Grün-Weißen wussten auch diesmal an die schon in Frankfurt gezeigten positiven Eindrücke anzuknüpfen, indem sie gegen die bis dato drittbeste Abwehr der Bundesliga von Beginn an mutig ihre Wege nach vorne suchten. Wiederholt trieben dabei Junuzovic, Bartels und Eggestein unter kräftiger Unterstützung der stetig aufrückenden Gebre Selassie und Augustinsson Werders Offensivspiel an. Zwar sprang gegen selbstbewusste und clevere Gäste bis zur Pause noch nicht wieder die Vielzahl an hochkarätigen Strafraumszenen wie noch zwei Wochen zuvor heraus. Dennoch belohnten sich die Bremer durch die tolle Koproduktion von Kruse und Bartels für ihr geduldiges, schnörkelloses Offensivspiel. Nach Wiederanpfiff brauchte es jedoch zunächst Pavlenkas Großtat gegen Harnik, damit die Bremer ihre kleine Halbzeitmüdigkeit abschüttelten und direkt anschließend mit zwei eiskalt ausgespielten Kontern die Partie endgültig an sich rissen. Hannover hatte den nun wie befreit aufspielenden Gastgebern überhaupt nichts mehr entgegenzusetzen.