Gute Leistung, aber keine Punkte

Werder verliert mit 2:4 in München - Müller und Lewandowski treffen doppelt

Thomas Delaney und Co. traten mutig auf, fahren aber mit leeren Händen nach Hause (Foto: nordphoto).
Profis
Sonntag, 21.01.2018 // 17:33 Uhr

Von David Steinkuhl

Lob wird es für diesen Auftritt des SV Werder Bremen sicher geben, davon kaufen können sich die Grün-Weißen aber am Ende nichts. Mit 2:4 (1:1) verliert Werder beim Rekordmeister FC Bayern München und bleibt damit auf Tabellenplatz 16 in der Fußball-Bundesliga. Mutig auftretende Werderaner gingen durch Jerome Gondorf (25.) verdient in Führung, Thomas Müller (41.) gelang kurz vor der Pause aber noch der Ausgleich. Robert Lewandowski (63., 76.) und erneut Müller (84.) trafen nach dem Seitenwechsel für die 'Roten'. Niklas Süles Eigentor (74.) sorgte zwischenzeitlich leider nur kurz dafür, dass man sich bei Werder noch berechtigte Hoffnungen auf Punkte machen konnte.

Aufstellung und Formation: Erwartungsgemäß geht es Florian Kohfeldt beim Rekordmeister etwas defensiver an als noch in der Vorwoche gegen Hoffenheim. In einer Fünferkette vor Pavlenka wird die zentrale Dreierreihe um Veljkovic, Bargfrede und Moisander auf den Außen von Bauer und Augustinsson unterstützt. Davor baut sich ein kompaktes Mittelfeld auf. Mit dem wiedergenesenen Thomas Delaney sowie Gondorf, Eggestein und Junuzovic soll die Zentrale dicht gemacht werden, einzig Max Kruse hält sich nominell noch davor auf.

Mut wird belohnt - Müller eiskalt

Jerome jubelt! Werders Achter besorgte nach 25 Minuten das Führungstor (Foto: nordphoto).

7. Minute: Werder beginnt richtig mutig, von Respekt kaum eine Spur, und stört sehr früh. Augustinsson mit einer gefühlvollen Hereingabe auf Kruse, der viel Platz zum Köpfen hat und die Kugel an den Außenpfosten bugsiert. Der Stürmer fordert Ecke, weil Bernat wohl noch dran gewesen sein soll, Schiedsrichter Kampka entscheidet aber auf Abstoß.

12. Minute: Ribery schnappt sich das Spielgerät im Mittelfeld, spielt einen Doppelpass mit Kollege Müller und zieht dann aus der zweiten Reihe ab. Der Ball setzt vor Pavlenka einmal auf, der Tscheche hat die Kugel aber im Nachfassen sicher.

20. Minute: Der Gastgeber versucht, dem SVW immer wieder das eigene Spiel aufzuzwängen, schafft es aber nie, Werder ernsthaft hinten einzuschnüren. Im Gegenteil, wenn Junuzovic und Co. dann mal den Ball gewinnen, geht es geordnet und zielgerichtet nach vorne.

25. Minute: TOOOR für Werder, 0:1, Jerome Gondorf! Der SVW geht hier in Führung - und das sogar verdient! Kruse spielt einen super Pass in die Gasse, wo Gondorf dann alleine vor dem herausstürzenden Ulreich steht und dem Schlussmann die Kugel im Fallen durch die Beine ins lange Eck spitzelt. Klasse, wie Grün-Weiß hier auftritt!

26. Minute: Und auch die nächste Szene wenige Momente nach der Führung gehört den Bremern. Delaney testet Ulreich mit einem Flachschuss aus der Distanz, diesmal ist der FCB-Keeper aber zur Stelle.

33. Minute: Gleich drei Rote kommen im Bremer Sechzehner zum Abschluss, aber immer ist ein Körperteil eines grün-weiß gekleideten Akteurs dazwischen. Am Ende des Dauerfeuers landet der Ball im Toraus und Pavlenka darf abstoßen.

41. Minute: Tor für Bayern, 1:1, Thomas Müller. Boateng spielt einen Diagonalball in den Werder-Strafraum. Veljkovic verschätzt sich etwas und kommt an die Flanke nicht heran, dahinter lauert Müller schon. Der nimmt den Ball mit der Brust an und lässt Pavlenka aus sechs Metern keine Chance.

45. Minute: Pause in München. Sehr erfreulich, wie mutig und couragiert die Werderaner hier auftreten. Nach 25 Minuten beschenkte sich das Team von Florian Kohfeldt das erste Mal für diese bemerkenswerte Performance und ging durch Jerome Gondorf in Front. Auch in der Folge versteckte sich der SVW keineswegs und probierte es immer wieder in Richtung Bayern-Tor. Der Ausgleich kurz vor der Pause war allerdings ein Warnschuss, wie schnell man in München für kleine Unaufmerksamkeiten bestraft wird.

Lewandowskis Kopfbälle machen Hoffnungen zunichte

Die Kopfballstärke von Lewandowski war einer der entscheidenden Faktoren (Foto: nordphoto).

56. Minute: Kruse legt den Ball per Kopf auf Gondorf ab, der viel Platz bekommt, den Kopf hebt und erkennt, dass Ulreich einen Schritt zu weit vor seinem Tor steht. Mit einem Schlenzer visiert der Schütze des 1:0 das lange Eck an, Süle fälscht gerade noch ab. Das wäre richtig gefährlich geworden, Glück für Ulreich und seine Vorderleute!

62. Minute: Bargfrede lässt eine Ecke der Münchener nur unzureichend über seinen Scheitel rutschen und bringt so den eingewechselten Vidal ins Spiel. Der Chilene zieht aus spitzem Winkel ab und zwingt Pavlenka zu einer Glanzparade.

63. Minute: Tor für Bayern, 2:1, Robert Lewandowski. Die Gastgeber drehen die Angelegenheit. Im Anschluss an eine James-Ecke steigt Lewandowski im Zentrum höher als Delaney und wuchtet den Ball per Kopf in die Maschen.

65. Minute: Direkt im Anschluss haben Kruse und Gebre Selassie gute Chancen, die schnelle Antwort auf den Rückstand zu liefern. Kruses Lupfer wird von Ulreich entschärft, der Kopfball von Gebre Selassie geht einen halben Meter über die Querlatte.

69. Minute: Pavlenka und Moisander verhindern gegen Ribéry und Lewandowski die womöglich vorzeitige Entscheidung. Man merkt dem SVW langsam an, wie kräftezehrend der hohe läuferische Aufwand hier ist.

74. Minute: TOOOR für Werder, 2:2, Eigentor von Niklas Süle! Von wegen vorzeitige Entscheidung, jetzt ist Werder wieder da! Kruse bringt eine Ecke mit richtig Feuer in den Strafraum. Dort steigt Delaney zwar hoch, berührt den Ball aber nicht. Das erledigt dafür Niklas Süle, der den scharf getretenen Eckball an die Hüfte bekommt und seinem eigenen Torwart nichts zu halten lässt.

76. Minute: Tor für Bayern, 3:2, Robert Lewandowski. Zwei Minuten nach Werders Ausgleich heißt die bayrische Antwort einmal mehr „Robert Lewandowski“. Wieder geht dem Treffer ein hoher Ball voraus, den Müller punktgenau in die Mitte bringt, wo Lewandowski hochsteigt und versenkt.

80. Minute: Es geht rauf und runter in der Allianz-Arena. Junuzovic fasst sich ein Herz und zieht aus zwanzig Metern ab, zum erneuten Ausgleich fehlen vielleicht dreißig Zentimeter. Zehn Minuten vor dem Ende hat Werder noch alle Chancen, einen Punkt zu entführen.

84. Minute: Tor für Bayern, 4:2, Thomas Müller. Jetzt ist die Partie wohl doch durch. Der Rekordmeister zeigt seine ganze Klasse. James chippt den Ball über alle Bremer Verteidiger hinweg genau in den Fuß des startenden Müller, der sich die Kugel mit dem Fuß aus der Luft angelt und dann einschiebt.

90. Minute: Schluss in München. Werder unterliegt dem FC Bayern mit 2:4 (1:1).

Fazit: Trotz der Niederlage hat dieser Auftritt des SV Werder viel Applaus verdient! In der ersten Hälfte agierte die Mannschaft von Florian Kohfeldt mindestens auf Augenhöhe mit dem favorisierten FCB. Fast folgerichtig traf Gondorf zur Werder-Führung, das Offensivengagement ging im Anschluss aber alles andere als verloren. Mit Kombinationen am Boden kamen die Bayern nie richtig durch, ein langer Ball von Boateng eröffnete dem Gastgeber dann aber die große Chance zum Ausgleich, die Thomas Müller nutzen konnte. Auch nach dem Seitenwechsel spielte Werder weiter stark mit und sorgte trotz größer werdenden Drucks immer wieder für Entlastung und kam nach Lewandowski Tor zum 2:1 sogar nochmal zurück. Zum Ende hin ließen die Kräfte etwas nach, sodass sich die Klasse des FCB unter dem Strich dann doch durchsetzte. Das couragierte Auftreten gilt es nun mit ins kommende Wochenende zu nehmen und die Punkte dann eben im Heimspiel gegen Hertha BSC einzufahren.