"Ein verrücktes Jahr"

Interview mit Josh Sargent

Josh Sargent besuchte am Wochenende gemeinsam mit seiner Familie sein neues Zuhause (Foto: WERDER.DE).
Profis
Dienstag, 21.11.2017 // 16:59 Uhr

Das Interview führte Felix Ilemann

Am vergangenen Wochenende besuchte Josh Sargent sein neues Zuhause. Gemeinsam mit seiner Familie sowie seiner Freundin verschaffte sich der 17-jährige US-Nationalspieler einen frischen Eindruck von den Grün-Weißen. Von Freitag bis Sonntag schaute er sich das Internat an, das er im Januar beziehen wird, besuchte das Abschlusstraining der Werder-Profis, erkundete die Hansestadt und war Zeuge des 4:0-Sieges gegen Hannover 96. "Ich habe gefühlt, dass ich hierher gehöre", sagt Sargent, der im Februar seinen Profivertrag an der Weser unterschreiben wird, im Interview mit WERDER.DE und WERDER.TV. 

WERDER.DE: Herzlich Willkommen beim SV Werder! Du hast dich trotz zahlreicher anderer Angebote für Werder entschieden. Was hat den Ausschlag gegeben?

Josh Sargent: "Ich habe einige Klubs besucht und sie waren alle super. Aber es gab eine Sache, die Bremen von all den anderen unterschieden hat: Ich habe mich direkt wie zuhause gefühlt als ich das erste Mal hier war. Ich hatte das Gefühl, dass ich hierher gehöre. Das war der Grund dafür, warum ich mich für Werder entschieden habe. Und jetzt bin ich gespannt, was alles auf mich zukommt."

Von Daniel Mentzel bekam Sargent das Internat gezeigt - WERDER.TV war dabei (Foto: W.DE).

WERDER.DE: Was weißt du denn schon alles über Werder?

Josh Sargent: "Ich habe gehört, dass die Fans großartig sind. Die Werder-Fans stehen immer hinter der Mannschaft, ob es gut oder schlecht läuft und das bedeutet mir sehr viel. Dazu kenne ich noch Wynton Rufer als ehemaligen Spieler oder auch Serge Gnabry und Kevin De Bruyne, die sich hier super entwickelt haben. Ich würde gerne den gleichen Weg gehen wie sie."

WERDER.DE: Dein Wechsel steht schon seit einigen Wochen fest. Hast du dir in der Zwischenzeit schon deutsche Wörter angeeignet?

Josh Sargent: "Nur so Dinge wie ,Guten Morgen‘ oder ,Gute Nacht‘, aber noch nicht sehr viel. Ich möchte aber gerne Deutsch lernen sobald ich hier bin und mich auch vorher noch ein bisschen besser vorbereiten."

WERDER.DE: Wenn du im Februar deinen 18. Geburtstag feierst, wirst du den ersten Profi-Vertrag deiner Karriere unterschreiben. Ein besonderer Tag für dich?

Josh Sargent: "Definitiv. Ich freue mich einfach unheimlich darauf. Es wird eine super Zeit und ich bin voller Vorfreude darauf, die ersten Schritte meiner Profi-Karriere bei diesem tollen Verein gehen zu dürfen."

WERDER.DE: Vor einigen Wochen warst du bei der U17-Weltmeisterschaft in Indien und hast dort unter anderem auch Luca Plogmann und Pascal Hackethal getroffen. Wie war es dort?

Josh Sargent: "Es war eine super Erfahrung. Ein großes Turnier zu spielen ist in jedem Jahrgang etwas Besonderes. Und ich habe mich auch gefreut, die beiden Jungs kennenzulernen. Wir waren zu der Zeit im selben Hotel untergebracht und haben uns auf dem Flur getroffen. Wir haben uns da aber nur sehr kurz unterhalten, weil es schon recht spät war. Wir haben ein bisschen geredet und die Beiden haben mich bei Werder willkommen geheißen."

Man kennt sich von der U 17-Weltmeisterschaft in Indien.

WERDER.DE: Und dann wurdest du das erste Mal für die A-Nationalmannschaft der USA nominiert. Was ging in dir vor, als du davon erfahren hast?

Josh Sargent: "Es war wirklich ein verrücktes Jahr für mich. Ich bin der erste Spieler, der in einem Jahr für drei Nationalteams nominiert wurde. Ich war bei der U 17 – und U 20-Weltmeisterschaft und jetzt auch noch beim A-Team. Es ist alles sehr schnell gegangen. Aber es war alles für sich genommen eine super Erfahrung und ich hoffe, dass es so weiter geht."

WERDER.DE: Nach der verpassten WM-Qualifikation findet bei der Nationalmannschaft nun ein Umbruch statt. Wie verfolgst du das?

Josh Sargent: "Ich denke, jetzt bekommen viele junge Spieler die Chance. Es ist vielleicht Zeit für eine neue Generation. Das ist natürlich auch eine Möglichkeit für mich. Bei der Nationalmannschaft habe ich auch mit Weston McKennie von Schalke über Deutschland gequatscht. Er hat mir gesagt, ich solle jeden Tag zeigen, dass ich es hier schaffen will und dann auf meine Chance warten."

WERDER.DE: Kannst du nach diesen turbulenten letzten Monaten das mediale Interesse an deiner Person verstehen?

Josh Sargent: "Ich erfahre definitiv eine größere öffentliche Aufmerksamkeit und spüre die Erwartungen der Leute, dass ich der aufsteigende Star bin. Aber ich versuche mich auf den Fußball zu fokussieren, hart zu arbeiten und mein Spiel zu spielen. Meinen Eltern war es immer sehr wichtig, dass ich nicht abhebe. Sie haben jeden Tag darauf geachtet, dass ich auf dem Boden bleibe. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar."

WERDER.DE: Im amerikanischen Sport herrscht im Allgemeinen eine „Wenn du hart arbeitest, kannst du alles erreichen“ Mentalität. Kannst auch du dich damit identifizieren?

Josh Sargent: „Ja, ich liebe es wirklich, jeden Tag alles zu geben. Ich denke, das hat dann auch eine positive Auswirkung auf die Mitspieler, wenn sie sehen, dass du Vollgas gibst, um der Mannschaft besser helfen zu können. Außerdem bin ich ein ganz schlechter Verlierer, selbst beim Tischtennis in der Freizeit, hasse ich es zu verlieren.“

Blick aus dem "neuen Zuhause": Sargent wird im Januar ins Internat einziehen (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Welche Vorbilder hast du auf und außerhalb des Platzes?

Josh Sargent: "Definitiv Robert Lewandowski. Er ist für mich der beste Stürmer der Welt und mein Lieblingsspieler. Ich bewundere ihn sehr. Abgesehen vom Fußball ist mein Vater mein großes Vorbild. Er hat mich sehr geprägt, ich liebe ihn sehr und deswegen ist er auch eine Art Idol für mich."

WERDER.DE: Du hast schon mit drei Jahren gesagt, du möchtest Fußballprofi werden, das ist schon ziemlich früh und in den USA steht Fußball noch im Schatten von anderen Sportarten. Wie kam es dazu?

Josh Sargent: "Tatsächlich ist es so, dass in den USA nicht so viele Kinder Fußball spielen, aber ich mochte von Anfang an jede Sportart, die mit einem Ball zu tun hat. Und dann habe ich oft meinen Cousin gefragt, ob er mit mir Fußball spielen möchte oder ich bin auch alleine auf den Rasen gegangen. Dann habe ich recht schnell gemerkt, dass ich das gut kann. Das haben meine Eltern, die selber auf dem College Fußball gespielt haben, auch direkt ernst genommen und so stand es für mich schnell fest."

WERDER.DE: Apropos Stellenwert: In Europa ist Fußball die klare Nummer eins. War das auch ein Grund für dich, den Schritt hierher zu wagen?

Josh Sargent: "Auf jeden Fall. Ich wollte schon immer an einen Ort, wo sich die Leute den ganzen Tag mit Fußball beschäftigen. Hier in Europa atmen die Menschen den Sport förmlich. Außerdem haben mit Christian Pulisic und Weston McKennie zuletzt zwei Talente aus den Staaten, direkt viel Vertrauen und Spielzeit in der Bundesliga bekommen. Deswegen reizt mich Deutschland speziell. Für mich zählt die Bundesliga zu den Top-Ligen der Welt."