"Mein Herz ist gebrochen"

NDR dreht Portrait über Ex-Werderaner Naldo

Naldo spielte insgesamt sieben Jahre an der Weser (Foto: nordphoto).
Naldo
Montag, 05.03.2018 // 17:56 Uhr

Von Niklas Behrend

Ronaldo Aparecido Rodrigues, bekannt unter dem Namen Naldo, schnürte insgesamt sieben Jahre für den SVW Werder die Fußballschuhe. Von 2005 bis 2012 hatten alle Bremer viel Freude an dem heute 35-Jährigen, der auf dem Platz Zweikampfstärke, Spielkultur und Torgefährlichkeit in sich vereinte. Heute ist der „Strahlemann“ Abwehrchef beim FC Schalke 04 und gehört weiterhin zu den besten Innenverteidigern der Liga. Der NDR hat den Brasilianer im Rahmen einer Folge „Sportclub-Story“ portraitiert und mit ihm unter anderem auf seine großartige Zeit in Bremen zurückgeblickt.

Einst war Naldo ein Straßenkicker im Süden Brasiliens, rund 10.000 km entfernt vom Osterdeich. „Wenn ich aus der Schule kam, habe ich meine Sachen sofort weggestellt und dann ging es raus auf den Platz. Wir haben gespielt, bis es dunkel wurde“, erzählt der Brasilianer mit seinem charismatischen Lächeln. Eine Zeit, an die sich Naldo gerne zurückerinnert: „Wir hatten nicht so viel Geld, aber ich hatte viel Spaß“, erzählt der Innenverteidiger mit vierfacher Selecao-Erfahrung. Hier spielte Naldo zumeist im Sturm und zeichnete sich schon damals durch einen wuchtigen Schuss und feinste Technik aus.

Gute Freunde: Diego und Naldo (Foto: nordphoto).

Irgendwann in dieser Zeit muss der talentierte Straßenkicker dann beschlossen haben, sein Talent in professionelle Bahnen zu leiten und den Traum so vieler, Fußballprofi zu werden, Realität werden zulassen. Nach anderthalb Jahren Profifußball bei Juventude, wo unter anderem auch Paulinho und Dante ihre Profikarriere begannen, wagte Naldo im Sommer 2005 als 22-Jähriger den großen Schritt vom sonnigen Brasilien in den kühlen Norden, zum SV Werder.

Der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die damals kaum einer erahnte. „Wenn ein Brasilianer kommt, hat man schon gewisse Klischees im Kopf. Sie sind oftmals sehr emotional und das kann auch schwierig sein“, erinnert sich Werders Doubletrainer Thomas Schaaf an die Verpflichtung des damaligen Youngsters. Doch Naldo belehrte alle Skeptiker eines Besseren. „Mir sind beispielsweise Werte wie Pünktlichkeit sehr wichtig“, klärt Naldo auf und auch Thomas Schaaf spürte schon nach wenigen Tagen, dass Naldo nicht nur talentiert, sondern auch hochprofessionell ist. „Er war immer sehr fokussiert, konzentriert, aber auf eine äußerst positive Art“, so Schaaf.

In den ersten fünf Jahren an der Weser ging es für den Brasilianer nur bergauf. Auf Anhieb eroberte Naldo sich einen Stammplatz, bildete mit Per Mertesacker ab 2006 ein perfekt eingespieltes Abwehrduo. Dazu 24 Spiele mit Werder in der Champions-League und der DFB-Pokal-Sieg 2009 mit anschließendem Cabrio-Autokorso durch die Innenstadt. An seiner Seite damals: Kein geringer als Werders Nummer 10, Kumpel und Naldo-Nachbar Diego. Bremen und Naldo das passte. Neben sportlichen Erfolgen, feierte der Familienmensch mit seiner Frau in der Hansestadt auch die Geburt seines mittlerweile 12-jährigen Sohnes.

254 absolvierte Naldo für den SVW (Foto: nordphoto)

Ein Jahr nach dem Pokalsieg dann der Schock. Naldo leidet unter einem hartnäckigen Knochenödem im Knie. 14 Monate Pause. Die Presse titelte damals gar „Naldo hat sein Lachen verloren“. Für viele Experten stand ein Karriereende kurz bevor. „Ich habe daran geglaubt, dass ich es schaffe und darüber gelacht“, blieb Naldo auch in dieser schwierigen Zeit stets positiv. Die Belohnung folgte im September 2011. Das ganze Weser-Stadion erhob sich in Spielminute 86 und feierte die Rückkehr des Publikumslieblings und einen 2:0-Sieg im Nordderby über den HSV. Ein perfekter Tag.

Die Erfolgsgeschichte ging weiter. Diesmal allerdings nur für ein knappes Jahr. Im Sommer 2012 folgte eine Meldung, die viele Fans und auch Naldo tieftraurig machte. „Mein Herz ist gebrochen, es ist schwer für mich, aber ich werde Bremen verlassen“, sagte Naldo damals sichtlich berührt. Der Brasilianer und Werder konnten sich nicht über eine Vertragsverlängerung verständigen. Naldo wechselte nach 254 Werder-Spielen zum VfL Wolfsburg, blieb dort vier Jahre und ist nun auf Schalke der „Papa“ der Mannschaft.

Zwar würden alle Bremer „ihren Na-Na-Na Naldo“ wohl am allerliebsten mit der Raute auf der Brust sehen, doch die meisten werden es mit Thomas Schaaf halten: „Es macht mir immer Spaß, ihn zu sehen. Es ist schön, ihm beim Fußballspielen zuzuschauen.“