Rückhalt für den Rückhalt

Michael Zetterer ist zurück in Bremen

Darf momentan nur zuschauen: Werders verletzter Keeper Michael Zetterer (Foto: nordphoto).
Profis
Mittwoch, 17.01.2018 // 12:13 Uhr

Von Niklas Behrend und Peter Hettler

Michael Zetterer ist zurück an der Weser. Nachdem der 22-Jährige im Herbst des letzten Jahres vermehrt über Schmerzen im Handgelenk klagte, stellten die Ärzte eine für den ambitionierten Schlussmann bittere Diagnose: Pseudoarthrose im Kahnbein, also die ausbleibende Heilung des Bruches, und eine damit verbundene längerfristige Pause. Bereits zum dritten Mal musste Zetterer in seiner noch jungen Karriere am linken Handgelenk operiert werden. Zwei Monate und einen Jahreswechsel später hat sich WERDER.TV mit dem gebürtigen Münchner zum Interview getroffen und mit ihm über die Reha, "blöde Gedanken" und große Unterstützung gesprochen.

So kennt man ihn. Michael Zetterer erscheint mit breitem Grinsen zum Interviewtermin in den Katakomben des Weser-Stadions. Der junge Keeper kommt frisch vom Friseur, trägt das neongrüne Werder-Trainingsoutfit, das durch Badelatschen mit seiner Rückennummer 30 abgerundet wird. Im ersten Moment scheint alles wie immer zu sein, doch das ist es nicht. Ein dicker, fast armlanger Gips gibt verräterisch Aufschluss über den Gesundheitszustand des Torwarts. "Mit dem Teil habe ich zumindest keine Schmerzen“, berichtet "Zetti" mit einem Augenzwinkern.

Freut sich über die Unterstützung: Michael Zetterer mit Florian Kohfeldt (Foto: nordphoto).

Zum Zwinkern zumute war dem stets gut aufgelegten U 21-Nationaltorhüter an dem einen Tag Anfang November sicher nicht. An jenem Tag, als die Schmerzen im Handgelenk so schlimm wurden, dass sich Zetterer zu einer Röntgenuntersuchung entschied und ihm die Mediziner die bittere Diagnose mitteilten: „So ganz genau kann man nicht sagen, wie es dazu gekommen ist. Ich gehe davon aus, dass ich nach dem Bruch im Kahnbein vielleicht etwas zu ungeduldig war, trainiert habe wie ein Wahnsinniger, obwohl es zu diesem Zeitpunkt dafür noch zu früh war“, mutmaßt der Schlussmann. „Jedenfalls hatte ich tierische Schmerzen und wusste spätestens da, irgendwas ist nicht in Ordnung.“ Damals bezeichnete Zetterer die Einschätzung der Ärzte auf seinem eigenen Instagram-Account gar als einen „Schlag ins Gesicht.“

Die anschließende Operation verlief gut, dennoch waren die ersten Wochen in keinem Fall eine einfache Zeit für den Vertreter von Jiri Pavlenka im Werder-Tor: „Es ist jetzt das dritte Mal das Handgelenk gewesen. Natürlich hatte ich zu Beginn 'blöde Gedanken', aber ich habe durch meine Familie, Freunde und die gesamte Werder-Familie extrem viel Rückhalt bekommen, das hat mir sehr geholfen. Auch gerade die Zeit bei meinen Eltern war sehr wichtig, um neue Kraft zu tanken“, so Zetterer rückblickend.

Seit dem 12. Januar ist der Torhüter nun zurück aus dem elterlichen Holzkirchen in Oberbayern und freut sich, wieder im Kreis seiner Teamkollegen zu sein, von denen er „alle gleichermaßen vermisst“ habe. Eine Prognose, wann der Schlussmann wieder zwischen den Pfosten stehen kann ist indes noch nicht möglich. „Momentan kann ich leider noch nicht viel machen, auch keine Ausdauerübungen, da mein Blutdruck gering gehalten werden muss. Den Gips muss ich noch circa vier Wochen tragen, dann wird man sehen können, wie gut alles bis jetzt verheilt ist und dann hoffe ich, dass die nächsten Schritte kommen“, beschreibt Zetterer den Status quo.

Kann trotz seiner Zwangspause lachen: Werder-Keeper Michael Zetterer.

Der Status quo seiner Teamkollegen stimmt den Schnapper unterdessen äußerst positiv: „Ich bin bei den Heimspielen ja immer im Stadion, um die Daumen zu drücken. Ich finde, wir haben uns zuletzt enorm verbessert. Da kann man endlich wieder hinschauen“, witzelt Werders Nummer 30 und schiebt grinsend nach: „Mit dem Blutdruck ist das auch so eine Sache, aber wenigstens kann ich auf der Tribüne keine Gelbe Karte bekommen.“ Auf den Zuschauerrängen wird „Zetti“ selbst beim anstehenden Spiel in München Platz nehmen. Der Torhüter wird die Mannschaft von Cheftrainer Florian Kohfeldt, mit dem er nach seiner Operation regelmäßig telefoniert hat, zum Auswärtsspiel gegen die Bayern begleiten. Dieses Mal als Zuschauer, beim nächsten Mal hoffentlich wieder mit zwei Torwarthandschuhen an den Händen.