Bank. Startelf. Matchwinner!

Florian Kainz belohnt sich und Werder

Pure Erleichterung: Florian Kainz schnürte gegen den VfL seinen ersten Bundesliga-Doppelpack (Foto: nordphoto).
Profis
Montag, 12.02.2018 // 12:18 Uhr

Von Yannik Cischinsky und Dominik Kupilas

Florian Kainz strahlte. Mit seinem ersten Bundesliga-Doppelpack war der Österreicher Werders Spieler des Wolfsburg-Spiels, ohne Zweifel. Doch wer die Leistung des 25-Jährigen an diesem Sonntagabend einordnen will, der muss ein paar Tage zurückschauen. Genauer gesagt bis zum Schalke-Spiel, wie Florian Kohfeldt mit Nachdruck betont.

Dabei spielte Kainz beim Last-Minute-Erfolg in Gelsenkirchen keine Sekunde. Zum allerersten Mal in dieser Saison hatte er die kompletten 90 Minuten auf der Bank verbracht beziehungsweise sich für einen möglichen Einsatz aufgewärmt. Dabei blieb es. „Doch gegen Leverkusen unter der Woche war er bereit, heute war er bereit. Das ist die Mentalität, die wir brauchen. Das gefällt mir sehr“, lobte Werders Coach den Matchwinner. Kainz steht stellvertretend für eine Riege von Spielern, die sich in den letzten Spielen ohne Wenn und Aber dem Kollektiv unterordneten. Jerome Gondorf, Thomas Delaney und Zlatko Junuzovic zählt Kohfeldt exemplarisch dazu: „Keiner von ihnen ist beleidigt oder wird unruhig, wenn er zunächst auf der Bank sitzt.“

Pure Freude für den Kollegen: Aron Jóhannsson freut sich mit Florian Kainz (Foto: nordphoto).

Auf Schalke konnte der Cheftrainer Zlatko Junuzovic frisch ins Spiel werfen. Der Kapitän zahlte es mit einem Treffer in letzter Sekunde zurück. Gegen Wolfsburg kam Thomas Delaney von der Bank, spulte fünf Kilometer ab, brachte 80 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler und ackerte aufopferungsvoll im Mittelfeld. Überstrahlt werden diese Leistungen von Florian Kainz‘ Glanzpunkten: ein Schlenzer, für den er „noch einen ausgeben muss“, wie Landsmann Junuzovic forderte, ein eiskalter Abschluss „mitten in der wichtigsten Phase der Partie“. „Ich bin sehr stolz auf ihn“, sagte Abwehrchef Niklas Moisander: „Er hat sehr viel dafür getan, in der Startelf zu stehen. Das waren wirklich tolle Tore, das hat er stark gemacht. Er hat heute gezeigt, über was für eine Qualität er verfügt.“

Ausnahmslos große Freude herrschte unter den Mitspielern. „Er arbeitet unglaublich hart und gibt nie auf. Heute hat er sich mit zwei Toren für eine sehr starke Leistung belohnt“, konstatierte Ludwig Augustinsson. „Ich freue mich sehr für ihn“, gaben Max Kruse, Zlatko Junuzovic und Geschäftsführer Fußball, Frank Baumann, wie aus einem Mund zu Protokoll. Es war zu spüren, dass die Grün-Weißen ihrem akribischen Arbeiter und Doppeltorschützen den Erfolg gönnten.

Doch Florian Kainz ist niemand, der sich nach gerne im eigenen Erfolg sonnt. Fast ein wenig unangenehm schien die Aufmerksamkeit dem zurückhaltenden Grazer. „Es war ein guter Tag für uns“, erklärte Kollektivspieler Kainz. „Der Sieg ist sehr viel wichtiger“, lautete ein weiteres Zitat. „Wenn es mal nicht so gut läuft, hat man in der Woche darauf eine neue Chance, sich zu beweisen.“ Und diese Chance hat Kainz genutzt. Zumindest ein kleines Lächeln dürfte dem Österreicher darüber dann doch noch über die Lippen gehuscht sein.