Ein Bremer für Werder

Käuper über sein erstes Bundesliga-Spiel

Ole Käuper ist nach seinem Debüt gegen Bayer Leverkusen der erste gebürtige Bremer, der seit Björn Schierenbeck (2000) in der Bundesliga für Werder auflief (Foto: nordphoto).
Profis
Donnerstag, 14.12.2017 // 17:26 Uhr

Von Niklas Behrend und Peter Hettler

Dieser Spaziergang wird dem Werder-Youngster sicher sehr lange im Gedächtnis bleiben. Circa drei Stunden vor dem Spiel am Mittwoch gegen Bayer 04 Leverkusen drehten die Grün-Weißen noch ihre obligatorische Runde an der frischen Luft in der Nähe des Mannschaftshotels. Zum ersten Mal mit dabei: das Werder-Eigengewächs Ole Käuper, der nur einen Tag vorher von seiner Nominierung in den Bundesliga-Kader erfahren hatte. Wahrscheinlich hoffte Käuper nur in seinen kühnsten Träumen auf das, was ihm Cheftrainer Florian Kohfeldt auf dem Weg vorbei an Bäumen und Teichen mitteilte. Kohfeldt nahm den Youngster beiseite und sprach die Worte, die den Kindheitstraum zur Wirklichkeit werden ließen: „Ole komm mal kurz her, du spielst heute Abend von Anfang an", könnten der Werder-Coach gesagt haben. Wie der Ur-Bremer sein anschließendes Debüt erlebte und was die Mitspieler nach der Partie über den Jungspund sagten, haben WERDER.DE und WERDER.TV eingefangen. 

Erfüllte sich mit seinem Bundesliga-Debüt einen Kindheitstraum: Ole Käuper (Foto: WERDER.DE).

„Als der Trainer es mir gesagt hat, war das ein großer Moment. Natürlich habe ich direkt ein bisschen Nervosität gespürt, aber genau auf diese Situation habe ich jahrelang hingearbeitet. Da überwog eindeutig die Freude“, erinnert sich Käuper mit strahlenden Augen an den beinahe "schicksalhaften Moment". Auf dem Weg zum Stadion dann legte der 20-Jährige den Fokus ganz auf die Partie. „Ich habe mir in erster Linie vorgenommen, der Mannschaft zu helfen und dachte nur, du musst kämpfen, kämpfen, kämpfen.“

Schließlich folgte das Aufwärmen in einem Bundesligastadion bei einem Gegner, der mit hochklassigen Spielern gespickt ist. Auf einmal war der Habenhausener mittendrin in der Beletage des deutschen Fußballs. Das kann natürlich auch einschüchternd wirken, weswegen Käupers Mannschaftskollegen Feingefühl zeigten und ihrem Mitspieler Mut zu sprachen. „Alle aus dem Team kamen zu mir und haben mir gesagt, dass ich einfach alles geben soll. Es sei nicht schlimm, wenn ich mal einen Fehler mache, solange ich danach auch wieder mit für die Defensive arbeite“, so Käuper.

Auch Coach Kohfeldt, der Käuper schon einige Jahre durch sein Fußballerleben begleitet, sprach seinem Schützling noch einmal Mut zu und schenkte ihm vor allem eines: Vertrauen. „Als die Entscheidung für Oles Einsatz gefallen ist, hatte ich überhaupt keine Bauschmerzen. Ich bin absolut überzeugt von ihm und mir sicher, dass er sich in der Bundesliga etablieren wird“, erklärte Kohfeldt in der Mixed Zone im Anschluss an die Partie.

Ich dachte nur, du musst kämpfen, kämpfen, kämpfen
Ole Käuper
Bis auf das Ergebnis war der Youngster mit seiner Erstligapremiere zufrieden (Foto: WERDER.DE).

Nach zwölf Jahren Werder, 57 Spielen in der 3. Liga und insgesamt 18 Spielen für diverse Nachwuchsmannschaften mit dem Adler auf der Brust, lief Käuper zu seinem Bundesliga-Debüt in die BayArena ein. „Das war schon ziemlich cool. Die Atmosphäre eines Erstligaspiels, so viele Fans, ein geiles Gefühl“, beschrieb das Eigengewächs seine Gefühlslage. 74 Minuten schnupperte Käuper gegen die Werkself die süße Bundesligaluft, musste aber auch feststellen, wie gewaltig der Sprung zwischen dritter und erster Liga ist. „Du musst im Kopf viel schneller sein, hast kaum Zeit nachzudenken und es gilt, mit deutlich weniger Kontakten auszukommen. Das ist schon eine große Umstellung.“ Trotzdem konnte Käuper insgesamt ein positives Fazit des gestrigen Abends ziehen. "Hundertprozentig zufrieden kann ich aufgrund des Ergebnisses nicht sein. Für mich persönlich war es ein ordentliches Debüt. Dennoch habe ich in einigen Situation gemerkt, dass ich noch an einigen Dingen arbeiten muss. Das werde ich tun.“

Auch Käupers Kollegen sahen in der Perfomance ihres Debütanten einen guten Anfang. „Ich denke, Ole hat es heute gut gemacht. Er hat in einigen Momenten Ruhe am Ball ausgestrahlt und sich voll reingehauen. Dass ihm hin und wieder die fehlende Erfahrung anzumerken war, ist völlig logisch“, bilanzierte Max Kruse. Thomas Delaney sah Käupers Leistung ähnlich positiv und fügte an: „Es gibt auch einfachere Partien für ein Debüt. Wir erfahrenen Spieler haben heute nicht unseren besten Tag gehabt, das machte es für Ole nochmal etwas schwieriger.“ Auch Maximilian Eggestein schätzt die Qualitäten seines ehemaligen Mannschaftskameraden aus der U 23, er fand sie beim 0:1 gegen die Werkself auf dem Platz wieder. „Er hat eine große Ruhe am Ball und eine starke Übersicht, das hat er heute immer wieder aufblitzen lassen“, so Eggestein. Cheftrainer Florian Kohfeldt stellte dem Mittelfeldspieler ein positives Zeugnis aus: „Er hat es heute im besten Sinne solide gemacht, darauf lässt sich aufbauen.“

Wo Ole Käuper am kommenden Wochenende zum Einsatz kommen wird, weiß das Talent noch nicht. „Klar, hoffe ich darauf, gegen Mainz wieder dabei zu sein, aber wir haben am Wochenende auch ein ganz wichtiges Spiel mit der U 23 gegen Unterhachingen vor der Brust und wenn nicht da auflaufe, werde ich auch dort alles geben.“ Da darf man sich bei dem bodenständigen Hanseaten sicher sein. Nicht ganz sicher, aber relativ wahrscheinlich, scheint Käupers erstes Bundesligatrikot noch den Besitzer zu wechseln. „Ich denke, das wäre ein schönes Weihnachtsgeschenk für meinen kleinen Bruder.“ Dieser wird gestern, genau wie die ganze Werder-Familie, mächtig stolz auf den bodenständigen Bremer gewesen sein.