"Eine ganz andere Körpersprache"

Der Kapitän im Interview

Ist froh wieder dabei zu sein und blickt zuversichtlich in die Zukunft: Zlatko Junuzovic (Foto: nordphoto).
Interview
Donnerstag, 12.10.2017 // 17:49 Uhr

Das Interview führte Dominik Kupilas

Gegen den Hamburger SV feierte Zlatko Junuzovic nach langwieriger Fußverletzung sein Comeback, kam zu seinem ersten Saisoneinsatz. Die Länderspielpause nutzte der Kapitän nun, um sich weiter fit zu machen. Gemeinsam mit den Teamkollegen möchte der 30-Jährige schnellstmöglich wichtige Punkte sammeln - und damit direkt am Sonntag beginnen. WERDER.DE traf sich mit dem Mittelfeldmotor, sprach über die aktuelle Situation, seinen Fitnesszustand und darüber, was besser werden muss.

WERDER.DE: Nach der Länderspielpause geht es am Wochenende endlich mit der Bundesliga weiter. Nach deinem Comeback gegen Hamburg konntest du in den vergangenen beiden Wochen weiter an deiner Fitness arbeiten. Wie geht es dir?

Zlatko Junuzovic: „Die Länderspielpause war für mich dazu da, dass ich weiter an der Stabilität des Fußes arbeiten kann. Das habe ich gemacht. Zudem hatten wir ein Freundschaftsspiel, das ich gut verkraftet habe. Deshalb bin ich sehr zuversichtlich, was das Spiel gegen Gladbach angeht. Aber natürlich muss man schauen, wie das Spiel laufen wird und wie der Trainer entscheidet.“

"Die Stimmung ist positiv", sagt Zlatko Junuzovic (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Länderspielpausen sind häufig nicht sehr beliebt, weil man aus dem Rhythmus geholt wird. Für dich kam diese Pause aber genau richtig, oder?

Zlatko Junuzovic: „Da war Zeit da, dass ich mich nach dem ersten Spiel gegen Hamburg weiter herantaste und sehe, wie es mit der Belastung aussieht, wie es der Fuß verkraftet und ob es möglicherweise negative Reaktionen gibt. Das war zum Glück nicht der Fall. Natürlich hat es hier und da ein bisschen gezwickt, aber das war nicht schlimm und das haben wir durch gute Trainingssteuerung auch in den Griff bekommen. Deshalb war die Pause optimal. Zumal ich gegen Meppen auch etwas Spielpraxis sammeln konnte. Es läuft also alles ganz gut.“

WERDER.DE: Was nicht so gut läuft, ist die Saison. Mit vier Punkten aus sieben Spielen könnt ihr nicht zufrieden sein. Wie ist denn die Stimmung in der Mannschaft?

Zlatko Junuzovic: „Die Stimmung intern ist trotz alledem positiv. Natürlich ist niemand zufrieden und überglücklich mit der Situation. Aber wenn man die Spiele Revue passieren lässt, dann war in jedem Spiel mehr drin. Wir hatten Chancen, die wir nicht genutzt haben. Da hat die Effektivität gefehlt. Aber trotzdem haben wir ordentliche Spiele abgeliefert. Umso bitterer ist es, dass wir so wenig Punkte haben.“

Die Effektivität war in den letzten Spielen das Kernproblem
Zlatko Junuzovic

WERDER.DE: Und ihr so von Anfang an wieder unter Druck seid …

Zlatko Junuzovic: „Der Druck ist normal in dem Geschäft, aber wenn du liefern musst, ist das großer Druck. Natürlich ist das eine Situation, die wir kennen und mit der wir umgehen können. Das stimmt mich positiv. Aber natürlich hätten wir gerne eine andere Ausgangssituation. Dafür müssen wir punkten. Das ist das einzige, was zählt.“

WERDER.DE: Wie du eben schon gesagt hast, hat zuletzt häufig die nötige Effektivität gefehlt. Ist das alles, was ihr ändern müsst? Oder an welchen Schrauben müsst ihr drehen, um am Sonntag erfolgreich sein zu können?

Zlatko Junuzovic: "Die Effektivität war in den letzten Spielen sicher das Kernproblem. Aber natürlich ist darüber hinaus nicht alles perfekt, niemand sagt, dass wir überragende Spiele gemacht haben und nur das Tor gefehlt hat. Wir haben Dinge identifiziert, die wir besser oder anders machen können und daran arbeiten wir tagtäglich. Zum Beispiel fehlte uns oft die Konstanz. Wir hatten phasenweise die Kontrolle, dann mal wieder nicht. Und auch die Balance zwischen Defensive und Offensive muss noch besser werden. Das analysieren wir, sprechen es an und versuchen es zu verbessern. Aber das machen wir intern.“

Zlatko Junuzovic feierte im Nordderby sein Comeback (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Gegen Gladbach habt ihr zuletzt im Weser-Stadion oft gut ausgesehen und gute Ergebnisse erzielt. Das letzte Heimspiel ging in einer ähnlichen Situation allerdings knapp verloren. Was hat man da eher im Hinterkopf?

Zlatko Junuzovic: „So wie es damals war, ist es momentan nicht. Wir haben vom Auftreten her eine ganz andere Körpersprache. Letzte Saison kam das Spiel nach der bitteren Niederlage in Augsburg, wo wir das ganze Spiel dominiert haben, 2:1 geführt haben und dann kurz vor Schluss zwei Tore kassieren. Und dann verlierst du so ein wichtiges Spiel. Ich kann mich noch erinnern, dass die Stimmung und das Selbstvertrauen danach im Keller waren. Und dann spielst du gegen Gladbach, willst unbedingt, kannst aber nicht. Nach dem Spiel konnten wir uns alle nicht erklären, was da passiert ist. Aber das wird am Sonntag auf keinen Fall so sein, weil wir einen klaren Plan und eine gute Struktur haben.“

WERDER.DE: Das letzte Mal, dass ihr nach einer Länderspielpause gegen Gladbach gewonnen habt, war am 8. Spieltag der Saison 2012/13. Und du hast ein Tor erzielt …

Zlatko Junuzovic: „Da haben wir 4:0 gewonnen. Aber so Statistiken sind im Prinzip egal. Aber man weiß, gegen welchen Gegner man gespielt hat und natürlich denkt man mal darüber nach, wie man gegen den Gegner in der Vergangenheit gespielt hat. Und an dieses Spiel erinnere ich mich gerne, das ist noch sehr präsent. Da haben wir richtig stark gespielt, hätten schon zur Halbzeit viel höher als 2:0 führen müssen. So ein Spiel würde ich mir am Sonntag auch wünschen.“

WERDER.DE: Darüber würde Jannik Vestergaard sich vermutlich sehr ärgern. Er kehrt am Sonntag mit Gladbach ins Weser-Stadion zurück (siehe Interview). Freust du dich auf das Wiedersehen?

Zlatko Junuzovic: „Ja, sicher. Wir haben uns sehr gut verstanden. Er war hier eine starke Persönlichkeit, hat seinen Teil dazu beigetragen und sich seinen Wechsel zu Gladbach damals verdient. Ich hoffe allerdings, dass er sich am Sonntag zurückhält und bei den Standardsituationen nicht nach vorne marschiert wie ein Wahnsinniger. Ein paar Duelle gegen ihn haben wir ja schon gehabt und ich hoffe, dass er am Sonntag den Kürzeren zieht.“

Das hoffen wir alle, Zladdi. Vielen Dank für das Interview