Zuhause bei Familie Kruse

Sandro Wagner im Interview

Ex-Werderaner Sandro Wagner spielt seit Januar beim FC Bayern, am Sonntag trifft er auf den SVW (Foto: nph).
Interview
Donnerstag, 18.01.2018 // 17:39 Uhr

Für Sandro Wagner liegt seine Zeit an der Weser schon länger zurück. Vor sechs Jahren, sechs ereignisreichen Jahren, lief der mittlerweile 30-Jährige im Werder-Trikot auf. Seitdem hat sich vieles verändert. Der Stürmer kickte für Kaiserslautern, Hertha, Darmstadt und Hoffenheim, sammelte Erfahrungen in Liga zwei, im Europapokal, in der Bundesliga und wurde zum Nationalspieler. Doch seit Anfang Januar ist Wagner zurück bei seinem Jugendklub, dem FC Bayern, und am Sonntag trifft er mit seinem Herzensverein auf die Grün-Weißen.

Vor dem Wiedersehen hat der Münchner Stürmer mit WERDER.DE über Gänsehautmomente am Osterdeich und den "verrückten Italiener" gesprochen - und auch darüber, welches besondere Erlebnis er seit seinem zwölften Lebensjahr mit der Familie von Max Kruse verbindet. 

Zwei Jahre spielte Sandro Wagner für Werder - unter anderem mit Philipp Bargfrede (Foto: nph).

WERDER.DE: Sandro, du bist nach vielen Jahren zu deinem Jugendverein und in deine Heimatstadt zurückgekehrt. Inwiefern schließt sich für dich ein Kreis?

Sandro Wagner: „Der Kreis schließt sich definitiv. Ich habe hier angefangen, war zwölf Jahre lang jeden Tag an der Säbener Straße und bin zudem in München geboren. Meine Familie und Freunde sind alle hier. Für mich ist es einfach toll, dass ich wieder zu Hause bin. Es erfüllt mich mit Stolz.“

WERDER.DE: Du bist jetzt wieder dauerhaft in der Nähe deiner Familie. Wie ist das für dich?

Sandro Wagner: „Für mich ist das super. Ich hoffe, dass es für meine Frau auch super ist (lacht). Natürlich ist das eine Umstellung, aber eine super positive. Ich kann meine Kinder wieder jeden Tag sehen und habe viel mehr von meinem Privatleben. Die letzten zweieinhalb bis drei Jahre waren sehr anstrengend, denn ich habe jeden freien Tag mehr oder weniger auf der Autobahn verbracht. Das fällt jetzt weg. Eine Erleichterung, über die ich mich sehr freue.“

WERDER.DE: Am Sonntag triffst du auf fünf ehemalige Gefährten, drei aus Bremen, zwei aus deiner Darmstadt-Zeit. Erinnerst du dich?

Sandro Wagner: „Natürlich erinnere ich mich an jeden! In Bremen habe ich mit Philipp Bargfrede zusammengespielt, in Darmstadt mit Luca Caldirola und Jerome Gondorf. Das waren alles sehr, sehr nette Kollegen, mit denen ich eine gute Zeit hatte. Aber ich kenne darüber hinaus auch noch alle Physiotherapeuten im Verein und viele, die um die Mannschaft herum tätig sind. Und auch Max Kruse kenne ich schon ewig, schon fast 20 Jahre. Als ich damals ein Jugendturnier mit den Bayern hatte, war ich bei Gasteltern untergebracht – und zwar bei der Familie von Max. Das war ein lustiger Zufall. Und natürlich kenne ich auch ‚Boro‘ noch aus seiner aktiven Zeit. Also ich kenne schon noch den einen oder anderen und freue mich deshalb auf das Spiel am Sonntag.“

Ich erwarte mutige Bremer
Sandro Wagner

WERDER.DE: Zum wem von all deinen ehemaligen Weggefährten hast du noch am meisten Kontakt?

Sandro Wagner: „Mit Luca Caldirola, dem verrückten Italiener, schreibe ich ab und zu. Aber viel Kontakt habe ich nicht mehr. Das ist ja immer so – man schreibt ab und zu, aber viel mehr auch nicht.“

WERDER.DE: Was für ein Spiel erwartest du am Sonntag?

Sandro Wagner: „Ich erwarte mutige Bremer. Das eine oder andere Interview habe ich schon gelesen. Sie sagen, sie hätten nichts zu verlieren. Das ist zwar bei den meisten Mannschaften so, die in München spielen, aber ich erwarte, dass sie vorne draufgehen, dass sie mutig spielen. Werder wird sich nicht hinten reinstellen. Die Mannschaft hat in den letzten Wochen gute Ergebnisse und guten Fußball gezeigt. Sie sind konterstark, vorne haben sie schnelle Leute. Das wird es nicht einfach machen, gerade wenn wir viel im Bremer Drittel spielen, müssen wir auf die Konter achten. Ich denke, es wird ein gutes Spiel - auch für die Fans.“

Zehnmal traf Sandro Wagner schon auf Werder, er holte fünf Siege, drei Remis und musste zwei Pleiten einstecken (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Werder steht trotz der letzten Ergebnisse auf dem Relegationsplatz. Wie schätzt die Situation ein?

Sandro Wagner: „Ich denke, dass sie da unten wieder rauskommen werden, die nötige Qualität dazu haben sie. Der Verein hat ein ruhiges Umfeld und das größte Plus sind die Fans in Bremen. Die gehören zu den besten Fans der Bundesliga, das muss man ganz klar so sagen. Ich denke, ohne die Fans wäre Werder in den letzten Jahren bestimmt einmal abgestiegen. Die haben einen unglaublich guten Spirit. Allein wenn du mit dem Gästebus den Deich herunterfährst und die 'grüne Welle' siehst, ist das ein Gänsehautmoment.“

WERDER.DE: Du bist schon mehrfach in deiner Karriere im Winter gewechselt. Was unterscheidet einen Vereinswechsel im Winter von einem Transfer im Sommer?

Sandro Wagner: „Dass es ein bisschen kälter ist während der ersten Trainingstage (lacht). Allerdings war ich dieses Mal in Katar, das war angenehm. Im Sommer hast du etwas mehr Zeit, dich zu integrieren, im Winter dagegen einfach weniger Tage, um in der Mannschaft anzukommen. Die Integrationszeit ist kurz, das ist der größte Unterschied. Aber der Fakt ist reiner Zufall.“

WERDER.DE: Blicken wir in die Zukunft. Im Sommer wartet mit der WM ein Highlight auf alle Nationalspieler. Was würde es dir bedeuten, bei diesem Turnier dabei zu sein?

Sandro Wagner: „Es ist für jeden Fußballer das größte, für sein Land zu spielen. Für mich ganz besonders. Für Deutschland zu spielen, ist eine Riesenehre und keine Selbstverständlichkeit. Es ist immer ein Ereignis, da dabei zu sein und ich habe das letzte Jahr gute Werbung gemacht, gute Leistungen gezeigt und die meisten WM-Qualifikationstore geschossen. Von daher bin ich zuversichtlich, dass ich meine Chance in Russland bekomme und es wäre eine Riesenehre, dabei zu sein. Aber die Rückrunde ist noch lang. Wir haben viele sehr gute Offensivspieler in Deutschland und ich bin gespannt, wer sich am Ende durchsetzt. Ich bin bereit, werde alles geben und kann mir nichts vorwerfen lassen – egal in welche Richtung.“