Wiedervereint!

Martin Harnik im Interview

Martin Harnik spricht im Interview über Max Kruse und seine Rückkehr zu Werder (Foto: WERDER.DE).
Interview
Samstag, 26.05.2018 // 09:48 Uhr

Das Interview führte Felix Ilemann

Mit seiner Frau auf dem Beifahrersitz und seinen zwei Kindern auf der Rückbank kommt Martin Harnik mit einem breiten Grinsen und strahlenden Augen den Osterdeich hinunter zum Weser-Stadion gefahren. Endlich wieder da! Nach neun Jahren ist Harnik zurück beim SV Werder. Sein Lächeln im Gesicht verliert er den ganzen Tag über nicht. „Ich weiß, dass ich mich hier wohlfühle. Es ist, als ob man nach Hause kommt“, freut sich der 30-Jährige, der bei den Grün-Weißen viele alte Bekannte wiedertrifft und herzlich empfangen wird. Trotz straffen Terminplans hat sich der Wieder-Werderaner Zeit genommen, um mit WERDER.DE und WERDER.TV zurückzuschauen, den Blick in die Zukunft zu richten und über die Erfüllung seines Traums mit Kumpel Max Kruse zu sprechen.

WERDER.DE: Herzlich willkommen zurück bei Werder. Mit welchen Gefühlen bist du heute Morgen aus Hannover nach Bremen gefahren?

Martin Harnik: „Ich war voller Vorfreude. Es ist, als ob man nach Hause kommt. Der Kontakt ist nie abgerissen nach Bremen. Freunde von uns wohnen hier, mein Trauzeuge wohnt hier, meine Frau und ich haben hier gemeinsam gelebt, ehemalige Teamkollegen sind mittlerweile im Trainerteam oder sogar Sportdirektor. Es hat sich wenig verändert und doch ganz viel. Ich bin auf sehr viele bekannte Gesichter gestoßen, hatte schon viel Spaß. Aber als ich gerade durch den Kabinentrakt gelaufen bin und gesehen habe, wie sich vieles weiterentwickelt hat, wie es vorangegangen ist, ist bei mir die Freude hochgekommen, wieder für Werder die Fußballschuhe schnüren zu dürfen. Ich freue mich auf die neue Saison.“

WERDER.DE: Wir waren dabei, wie du auf viele alte Bekannte getroffen bist. War das ein Grund für dich, zu Werder zurückzukehren?

Martin Harnik: „Es war definitiv auch ein Grund. Ich weiß, wer und was mich hier erwartet. Ich weiß, dass ich mich hier wohlfühle und das war in meiner Karriere immer einer der wichtigsten Faktoren, um Leistung bringen zu können. Meine Frau und ich hatten ein Schmunzeln im Gesicht als wir in Hemelingen abgefahren sind, weil die Strecke so bekannt war. Das sind natürlich alles Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass ich nicht lange nachdenken musste.“

Kennt das Weser-Stadion als Gegner und als sein 2. Zuhause: Martin Harnik (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Einen ersten Kontakt gab es nicht erst jetzt...

Martin Harnik: „Der Kontakt zu Max ist nie abgerissen. Wir haben uns immer unterstützt, uns im Urlaub regelmäßig getroffen, wenn es die Zeit zugelassen hat. Im Winter gab es dann den ersten Kontakt zu Werder, da gab es eine Anfrage und Max hat sich direkt eingeschaltet. Ich habe damals gesagt, wie reizvoll das ist und das ich es gerne machen würde. Ich habe allerdings auch immer betont, genau wie jetzt, dass ich die Entscheidung Hannovers total respektiere und einen Vertrag einhalte, wenn es gewünscht ist. Das war alles in Ordnung. Ich habe mich trotz der Sehnsucht nach Bremen auch in Hannover immer wohlgefühlt.“

WERDER.DE: Bei Werder sind Tim Borowski als Co-Trainer oder Frank Baumann als Geschäftsführer nicht die einzigen alten Weggefährten. Auch mit dem Cheftrainer verbinden dich besondere Erinnerungen…

Martin Harnik: „Ja, definitiv. Er ist der erste Trainer, den ich Duzen muss (lacht). Flo und ich haben bei den Amateuren zusammengespielt. Er war dritter Torwart, hat häufig bei uns mittrainiert. Wir haben uns damals schon super verstanden. Dass er allerdings so eine Karriere nimmt, hätte ich nie erwartet und ich wusste auch lange nicht, dass er dieses Trainergen in sich trägt. Ich habe mich riesig gefreut, dass Flo die Chance bekommen hat. Schon zu seiner Co-Trainer-Zeit habe ich nur gute Dinge gehört und als er als Trainer so erfolgreich gestartet ist, leider auch mit dem Heimspiel gegen Hannover, habe ich gedacht, dass ist eine coole Geschichte.“

WERDER.DE: Florian Kohfeldt war also ein weiterer Grund für dich, wieder bei Werder spielen zu wollen?

Martin Harnik: „Die Trainerposition ist für einen Spieler dich wichtigste Position. Wenn da keine Sympathie bestünde oder man sich nicht einig wäre, macht das wenig Sinn. In den Gesprächen war er mir wie früher sehr sympathisch, seine Ideen klingen gut und seine Philosophie gefällt mir. Davon möchte ich ein Teil sein.“

WERDER.DE: Du hast Werder mit 21 Jahren verlassen, um einen anderen Weg zu gehen. Jetzt kehrst du als erfahrener Bundesligaspieler zurück. War es immer ein Ziel von dir, es hier noch mal allen zu zeigen?

Martin Harnik: „Ich habe nicht das Bedürfnis, es allen zeigen zu müssen. Ich war zu einer Phase bei Werder, als wir eine saustarke Mannschaft hatten, in der wir international gespielt haben und es für einen jungen Spieler nicht viele Chancen gab. Das war bei Max Kruse ja ähnlich. Deshalb habe ich mich nie als gescheitert betrachtet. Ich musste einfach Spielpraxis sammeln. Das habe ich bei Düsseldorf getan und beim VfB Stuttgart die Chance ergriffen. Aber Werder habe ich nie aus dem Fokus verloren. Ich bin gerne als Gegner ins Weser-Stadion gereist, die Leute waren immer herzlich. Dementsprechend freue ich mich, zurückzukehren.“

Kumpels wieder vereint: Martin Harnik und Max Kruse (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Wie groß ist die Vorfreude, wenn du an die vollen Ränge hier im Stadion denkst?

Martin Harnik: „Werder und die Fans, das war immer eine besondere Beziehung. Ich habe als Spieler gute Zeiten erlebt. Wir haben in der Champions League und dem UEFA-Cup gespielt. Als Gegner bin ich hier hergekommen als es für Werder gegen den Abstieg ging, wo hier alle eng zusammengerückt sind und den Verein bis zum letzten Spieltag unterstützt haben. Werder hat es immer geschafft, die Fans waren sicherlich auch ein Grund dafür.

WERDER.DE: Aber jetzt mal Butter bei die Fische. Auf was freust du dich am meisten?

Martin Harnik: „In erster Linie darauf, mit Max zusammen zu spielen. Es war immer unser Traum, irgendwann in der Bundesliga zusammen auf dem Platz zu stehen. Ich weiß gar nicht, ob ich je mit Max gemeinsam für Werder aufgelaufen bin…“

WERDER.DE: Im Weser-Stadion ja, in der Bundesliga allerdings nicht.

Martin Harnik: „Stimmt. Das war gegen St. Pauli im DFB-Pokal. Das war auch ein cooles Spiel (lacht).“

WERDER.DE: Ganz genau.

Martin Harnik: „Mit Max zusammen zu spielen, wäre einfach etwas sehr besonderes. Wir kommen beide aus einem kleinen Dorfverein, habe beide eine passable Karriere auf den Weg gebracht und können jetzt voraussichtlich gemeinsam auflaufen. Dass das noch einmal möglich sein wird, habe ich nicht mehr für möglich gehalten.“

WERDER.DE: Auch mit Per Mertesacker hast du gequatscht?

Martin Harnik: „Ich war Anfang der Woche bei seiner Buchvorstellung in Hannover. Danach haben wir uns zum Essen getroffen und ich habe durchsickern lassen, dass ich mit Werder in Kontakt stehe. Da hat er sich sehr für mich gefreut. Er hat ja ebenfalls eine persönliche Beziehung zu beiden Vereinen, zu Hannover und Bremen.“

WERDER.DE: Stichwort: Werder-Familie. Davon wird häufig in der Öffentlichkeit gesprochen. Gibt es die tatsächlich oder bilden wir uns das nur ein?

Martin Harnik: „Die gibt es definitiv. Ich bin zehn Jahre weggewesen, komme wieder ins Weser-Stadion und treffe so gut wie niemanden, den ich nicht kenne. Clemens Fritz ist jetzt Trainee, ihr von WERDER.TV seid die gleichen Jungs, Florian Lauerer ist noch immer Physio, mit Jens Beulke habe ic schon damals Rehatraining gemacht. Das ist echt verrückt. Ich glaube nicht, dass ich lange brauche, um mich einzuleben. Irgendwie bin schon wieder komplett zuhause.“