Ein anderer Weg, ein gutes Gefühl

Ehrenspielführer absolviert zweijähriges Traineeprogramm

Zurück im Weser-Stadion: Clemens Fritz (Foto: WERDER.DE)
Saison 2017/2018
Donnerstag, 01.03.2018 // 17:31 Uhr

von Dominik Kupilas

Vom Rasen an den Schreibtisch. Nicht zur Mannschaftsbesprechung in die Kabine, sondern zu Meetings mit Mitarbeitern. Kein Trikot mit der Raute auf der Brust, sondern im Business-Casual-Outfit. Clemens Fritz wechselt nach seinem Karriereende die Seiten und kehrt gleichzeitig zurück zum SVW. Für mindestens zwei Jahre absolviert Fritz ein Management-Traineeprogramm auf der Geschäftsstelle am Osterdeich und durchläuft unter anderem die Abteilungen Scouting, Marketing, Vertrieb und Kommunikation. WERDER.DE hat sich mit dem „neuen alten Kollegen“ an seinem ersten Tag unterhalten.

WERDER.DE: Hallo Clemens, willkommen zurück bei Werder. Was für ein Gefühl war es für dich heute Morgen am Stadion anzukommen und nicht in die Kabine zu gehen?

Clemens Fritz: „Es war ein anderer Weg, aber ein schönes Gefühl. Ich habe die letzten Monate mit meiner Frau und meiner Tochter genossen und jetzt freue ich mich drauf, dass es wieder losgeht.“

Die ersten Momente am neuen Arbeitsplatz für den Ehrenspielführer (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Hast du dich in irgendeiner Form auf den Start des Trainee-Programms vorbereitet?

Clemens Fritz: „Ich habe nachdem ich aufgehört habe beziehungsweise aufhören musste und viel Reha gemacht habe, einen klaren Cut gemacht. Da habe ich mich erst einmal ganz bewusst zurückgezogen. Aber natürlich habe ich einige Spiele geschaut und auch die eine oder andere Trainingseinheit beobachtet und so ist man immer drin und beschäftigt sich mit Werder. Aber seit Anfang des Jahres habe ich mich auch mental auf diese Aufgabe vorbereitet.“

WERDER.DE: Du startest zunächst im sportlichen Bereich. Kannst du insbesondere in diesem Bereich Erfahrungen oder Kontakte aus deiner aktiven Zeit mitbringen?

Clemens Fritz: „Ich starte bei Frank Baumann im sportlichen Bereich, also im Scouting und im Leistungszentrum. Da werde ich viele Termine rund um die Umstrukturierung des sportlichen Bereichs wahrnehmen. Aber ich möchte auch einen Mehrwert haben für Werder. Es ist nicht so, dass ich hierher komme und meine Zeit absitze. Ich werde versuchen meine Stärken einzubringen. Und wenn beispielsweise meine Erfahrungen aus Sicht eines Ex-Profis oder mein Netzwerk gefragt ist, werde ich das natürlich mit einbringen.“

WERDER.DE: Der Job im Management und somit im Büro ist sicher komplett anders als das Profi-Dasein. Wo siehst du die größten Unterschiede?

Clemens Fritz: „Es ist klar, dass das eine Umstellung wird. Aber ich hatte genug Zeit mich darauf einzustellen in den letzten Monaten. Und ich war ja auch immer jemand, der sich mit ein paar anderen Sachen neben dem Fußball beschäftigt hat. Von daher überrascht es mich nicht, dass es anders ist. Wie schon gesagt bin ich jetzt erstmal im sportlichen Bereich bei Frank Baumann und da werden sich die Arbeitszeiten auch mal verschieben, da wird man auch mal am Wochenende arbeiten. Das ist in den ersten Monaten sicherlich nicht so, dass ich nur von Montag bis Freitag und dann von 9 Uhr bis 17 Uhr da bin. Das Wochenende gehört insbesondere im sportlichen Bereich dazu.“

WERDER.DE: Das Trainee-Programm ist festgeschrieben auf zwei Jahre und deckt viele Bereiche bei Werder ab. Gibt es eine Abteilung auf die du dich besonders freust?

Clemens Fritz: „Das kann ich so nicht sagen, weil es viele Bereiche sind und ich mich freue, in so viele Bereiche reinschnuppern zu können und alles kennenzulernen. Ich bin zu Beginn bei Frank Baumann im sportlichen Bereich und freue mich auf den Start. Aber es wird einiges auf mich zukommen. Es ist eine tolle Möglichkeit, die kompletten Strukturen kennenzulernen und die andere Seite zu beleuchten. Denn als Spieler ist man was das angeht doch relativ weit weg und hat andere Aufgaben. Und jetzt sehe ich mal die andere Seite. Das ist eine tolle Möglichkeit.“

Der größte Erfolg: Der DFB-Pokalsieg 2009 mit Werder (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Schauen wir kurz gemeinsam in die Glaskugel: Glaubst du es wird am Ende der zwei Jahre irgendetwas geben, dass du dir ganz anders vorgestellt hast oder von dem du vorher aus Sicht des Fußball-Profis keine Kenntnis hattest?

Clemens Fritz: „Da wird mit Sicherheit einiges kommen. Wenn wir beispielsweise über Medien und Kommunikation reden. Da habe ich immer nur erlebt vor der Kamera zu stehen. Jetzt sehe ich auch mal die Abläufe im Hintergrund und wie es alles aufbereitet wird und funktioniert. Die ganzen kleinen Details, die als Fußballer an dir vorbeigehen, die kann ich jetzt miterleben. Das finde ich sehr spannend.“

WERDER.DE: Gibt es etwas, wovor du Respekt oder bisher wenig Kenntnisse hast?

Clemens Fritz: „Das kann ich so nicht sagen. Aber klar ist, dass es eine große Umstellung wird, nach der aktiven Karriere, aber vor allem auch nach den letzten Monaten in denen ich mir die Auszeit gegönnt habe. Diese Regelmäßigkeit, die jetzt wieder eintritt, ist was Neues. Aber ich würde nicht sagen, dass ich besonders viel Respekt davor habe, weil ich mich da gut drauf vorbereitet habe. Und wenn man die komplette Vereinsstruktur kennenlernt, dann geht es natürlich auch um Finanzen und Bilanzen. Da habe ich nicht viel Ahnung von (lacht).“

WERDER.DE: Nils Petersen hat vor einigen Wochen ein Interview gegeben, in dem er gesagt hat, dass Fußballer oft verblöden. Du gehörtest zu den Spielern, die neben dem Fußball ein Studium absolviert haben. Wie viel aus dem Studium wirst du hier wiedererkennen bzw. erleichtert dir dieses Studium den Einstieg?

Clemens Fritz: „Das gute bei mir war, dass es auf den Fußball bezogen war. Da wird es einige Schnittstellen geben. Insofern fühle ich mich auch in diesem Punkt gut vorbereitet. Aber wie gesagt: Ich bin der Überzeugung, dass die Arbeit in der Praxis am hilfreichsten ist. Du kannst so viel studieren wie du willst. Die Abläufe im Alltag sind entscheidend. Daher war es sicher eine gute Grundlage, aber mehr auch nicht.“