"Die optimale Konstellation"

Frank Baumann im Gespräch

Frank Baumann hatte am letzten Tag der Transferperiode viel zu tun (Foto: nordphoto).
Interview
Freitag, 01.09.2017 // 16:32 Uhr

Das Interview führten Peter Hettler und Yannik Cischinsky

Das Telefon stand nicht still am Deadline-Day. Werders Geschäftsführer Sport, Frank Baumann, hat einen anstregenden und zugleich ereignisreichen letzten Tag der Transferphase hinter sich. Mit Ishak Belfodil kam noch der gesuchte Stürmer, mit Sambou Yatabaré, Levent Aycicek und Thanos Petsos am Vortag wurde drei Akteure abgegeben. 

Im Interview mit WERDER.DE spricht Baumann über die letzten Stunden am Donnerstagnachmittag, die Entwicklung der Transfersummen und zieht ein Fazit zur abgelaufenen Transferperiode.

WERDER.DE: Hast du dich schon ein bisschen erholt? Der Deadline-Day war bestimmt ganz schön anstrengend oder?

Frank Baumann: „Ich bin noch dabei mein Schlafdefizit der letzten Tage aufzuholen (lacht). Gestern wurde es natürlich nochmal hektisch, aber viel entscheidender sind die Tage zuvor. Da versucht man die Transfers mit den Spielern, die bei einem auf der Liste stehen, zu konkretisieren. Wichtig ist, dass man zu jeder Zeit einen kühlen Kopf bewahrt und dann die Entscheidungen trifft. Ich denke, dass wir jetzt eine sehr gute sportliche und finanziell machbare Lösung gefunden haben.“

Frank Baumann sieht Ishak Belfodil als sportlich optimale Lösung (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Du sprichst von Ishak Belfodil. War er denn Plan A oder eine Notlösung?

Frank Baumann: „Ishak Belfodil ist jemand, von dem wir sportlich absolut überzeugt sind. Es gab mehrere Spieler, die in unser Profil gepasst haben. Da kann man nicht sagen, dass jemand Plan A und Plan B ist. Man muss immer mehrere Eisen im Feuer haben."

WERDER.DE: Wie zufrieden bist du denn mit dem Deadline-Day und der gesamten Transferphase?

Frank Baumann: „Ich denke, dass wir mit der Transferperrode insgesamt zufrieden sein können. Die Positionen, auf denen wir uns verstärken wollten und bei denen wir neue Elemente einbringen wollten, haben wir sehr gut besetzt. Natürlich hätten wir den Stürmer gerne schon früher im Team gehabt, aber das hat sich leider nicht ergeben. Man muss in diesem Fall einfach Geduld beweisen. Insgesamt haben wir jetzt einen sehr gut besetzten Kader, indem viele Spieler sehr flexibel agieren können.“

WERDER.DE: Kann man sagen, dass sich der Kader verbessert hat?

Frank Baumann: „Quervergleiche anzustellen, ist nicht so einfach. Dennoch finde ich, dass wir unser Team auf wichtigen Positionen sehr gut besetzt haben. Man darf nicht vergessen, dass die Spieler, die bereits letztes Jahr im Kader waren, sich verbessert haben. Wenn man bedenkt, wie abgeklärt ein Milos Veljkovic inzwischen spielt, was für einen Schritt ein Maxi Eggestein nach vorne gemacht hat. Auch Florian Kainz wird in den nächsten Wochen noch mehr Einsatzzeit sammeln. Insgesamt stimmt die Mischung bei uns im Kader. Vom Alter, von den Spielertypen und von den Charakteren passt das.“

Niemand verkauft uns einen Spieler für drei Millionen solange er anderswo 18 Millionen dafür bekommen kann
Frank Baumann

WERDER.DE: Dennoch gibt es Spieler, die aktuell einen schweren Stand haben. Wie ist die Situation bei Aron Johannsson und Ousman Manneh?

Frank Baumann: „Wir haben im Sturm jetzt ein Überangebot. Für Aron hätten wir gerne eine Lösung gefunden, er hat den Anspruch mehr zu spielen. Nun ist er weiterhin Bestandteil des Kaders und kann sich natürlich anbieten. Beim Ous ist die Situation etwas anders. Er ist ein junger Spieler, der viel Spielpraxis braucht. Die bekommt er selbstverständlich auch bei uns in der U 23, ideal wäre aber ein Zwischenschritt in Form einer Ausleihe gewesen. Doch da war weder für ihn noch für uns etwas passendes dabei.“

Frank Baumann und Alexander Nouri haben einen "schlagfertigen Kader" zusammengestellt (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Man könnte kritisieren, dass Ishak Belfodil beispielsweise Johannes Eggestein oder Yuning Zhang direkt vor die Nase gesetzt wurde. Was würdest du erwidern?

Frank Baumann: „Wir brauchen einfach verschiedene Optionen, um in einem Spiel nachlegen zu können. Mit Fin, Max und Ishak haben wir drei gestandene Spieler und dazu mit Johannes und Yuning haben wir zwei junge Akteure in der Hinterhand. Das ist für uns eine optimale Konstellation. Wir haben mit der U 23 zwei Profi-Mannschaften, da wird jeder seine Spielpraxis bekommen."

WERDER.DE: In der zurückliegenden Transferperiode sind die Summen förmlich explodiert. Wie stehst du dazu?

Frank Baumann: „Durch die Transfers von Neymar und Dembele hat der Markt sicherlich eine neue Dimension erreicht. Man darf aber nicht vergessen, dass schon vor vielen Jahren Spieler wie Zinedine Zidane für sehr viel Geld gewechselt sind. Durch die Summen, die jetzt in den Markt beziehungsweise Fußballgeschäft geworfen worden sind, konnten natürlich weitere Transfers vollzogen worden. Das war eine richtige Welle."

WERDER.DE: Welche Gefahren birgt diese Entwicklung?

Frank Baumann: "Wenn man einen größeren Transfer anstrebt besteht die Gefahr, dass man für einen Spieler mehr zahlt, als er grundsätzlich Wert ist. Wenn Geld da ist, ist man teilweise gewillter, jenes auch schnell wieder auszugeben. Für uns ist es wichtig, dass wir den Wert des Spielers für uns definieren und mit dieser Maßgabe versuchen, den Transfer zu realisieren. Natürlich klappt das nicht immer, zum Beispiel weil andere Vereine zu diesem Zeitpunkt noch über zu viele Mittel verfügen. Niemand verkauft uns einen Spieler für drei Millionen solange er anderswo 18 Millionen dafür bekommen kann. Das muss man akzeptieren und für sich einen Weg finden, wie man trotzdem einen schlagfertigen Kader zusammenzustellen."

WERDER.DE: Es wird immer wieder diskutiert, das Transferfenster früher zu schließen. Was hältst du davon?

Frank Baumann: „Ich finde, das ist ein guter Vorschlag. Es macht Sinn, dass keine Transfer mehr möglich sind, wenn die Saison losgeht. Dann wissen die Fans, die Teamkollegen und vor allem die Verantwortlichen, mit was für einem Kader sie planen können. Ich würde den Vorschlag unterstützen, das Fenster nach vorne zu verschieben, allerdings sollte es nicht verkürzt werden. Es könnte beispielsweise bereits im Juni geöffnet sein.“