"Das war wie im Film"

Theodor Gebre Selassie im Interview

Ist nach kurzem Sommerurlaub im Zillertal in die Vorbereitung eingestiegen: Theodor Gebre Selassie (Foto: W.DE).
Profis
Sonntag, 24.07.2016 // 21:58 Uhr

Das Interview führte Dominik Kupilas

Dieses Kapitel ist endgültig abgehakt. Für Theodor Gebre Selassie gehört die enttäuschende Europameisterschaft, bei der er mit Tschechien in der Vorrunde ausschied, mittlerweile zur Geschichte. Dabei bot sie einige filmreife Momente. Aber in seinen dreiwöchigen Sommerferien hat der Rechtsverteidiger das Turnier verarbeitet - und seine Schlüsse daraus gezogen. Jetzt ist Gebre Selassie wieder bei den Grün-Weißen. Im Zillertal will sich der 28-Jährige körperlich und spielerisch ranpirschen. Zwischen den anstregenden Einheiten fand er Zeit, mit WERDER.DE über das Außergewöhnliche an der EM, seinen tschechischen Landsmann Jaroslav Drobny und die Lehren aus der 1:2-Niederlage gegen München zu sprechen.

WERDER.DE: Bevor wir auf die anstrengende Zeit hier im Zillertal zu sprechen kommen, lass uns auf die Sommerpause zurückblicken. Wie hast du die freie Zeit verbracht?

Theodor Gebre Selassie: „Meine Sommerpause war aufgrund der Europameisterschaft ja nicht so lang, wie bei den anderen Spielern, ich habe sie aber trotzdem sehr gut genutzt. Wir waren die ganze Zeit in Tschechien. Das war zwar nicht der ursprüngliche Plan, aber meine Frau war etwas krank und deswegen haben wir viel Zeit mit der Familie und Freunden verbracht. Das war sehr schön.“

Es war eine enttäuschende EM für Theodor Gebre Selassie und Tschechien (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Stichwort Familie – was bedeutet die für dich?

Theodor Gebre Selassie: „Familie ist für mich das Wichtigste im Leben. Mehr geht nicht. Meine Frau und mein Sohn stehen immer hinter mir und sie unterstützen mich – auch, wenn es mal nicht optimal läuft. Meine Frau hat mir im Saisonendspurt sehr viel Kraft gegeben. Ich bin froh, dass ich in den drei Wochen, die ich frei hatte, jeden Tag mit meinem Sohn, meiner Frau und großen Teilen der Familie zusammen sein konnte. Das tat gut.“

WERDER.DE: Der Urlaub war durch deine Teilnahme an der Europameisterschaft zwar verkürzt, aber es war wahrscheinlich auch eine gute Erfahrung an so einem Turnier teilzunehmen, oder?

Theodor Gebre Selassie: „Es war etwas ganz anderes als die EM vor vier Jahren in Polen. Leider war es ein kurzes Turnier für uns, wir hatten ja nur drei Spiele. Wir haben uns nicht so gut präsentiert, wie wir es uns vorgenommen hatten und auch persönlich war es für mich nicht leicht, da ich nur das erste Spiel gespielt habe. Jetzt hoffe ich, dass die WM-Qualifikation besser wird.“

WERDER.DE: Und was war denn der größte Unterschied zur EM 2012?

Theodor Gebre Selassie: „Das waren definitiv die Sicherheitsbestimmungen. Es waren immer drei Sicherheitsleute bei uns. Sie haben uns auf Schritt und Tritt verfolgt, waren immer bereit und haben sogar mit uns gegessen. Das war wie in einem Film.“

Manchmal fehlt einem dann das Stück Brot zum Salat, keine Frage
Theodor Gebre Selassie

WERDER.DE: War das eher ein gutes Gefühl zu wissen, dass man gut bewacht ist, oder ein komisches, ständig uniformierte Leute um einen herum zu haben?

Theodor Gebre Selassie: „Uniformiert waren sie nicht, sie trugen zivil (lacht). Am Anfang war es schon komisch. Zu Beginn des Turniers gab es auch eine Besprechung, was die Risiken sind und was alles passieren kann. Da hat man schon etwas Angst bekommen. Aber dann im Laufe der Zeit war das kein Problem mehr.“

WERDER.DE: Kann man solch strenge Sicherheitsvorkehrungen mit Anpfiff überhaupt ausblenden?

Theodor Gebre Selassie: „Ja, das war kein Problem. Wenn der Ball rollt, denkt man nicht an solche Sachen. Ich hatte auch keine Angst um uns Spieler oder um die Familien.“

WERDER.DE: Gab es während des Turniers dadurch überhaupt Kontakt zu den Fans?

Theodor Gebre Selassie: „Es gab schon Berührungspunkte, aber für die Fans war es sicher nicht so einfach an die Mannschaft heranzukommen, wie gewöhnlich. Es gab sehr, sehr viele Sicherheitskontrollen.“

Zimmerkollegen auch im Zillertal: Zlatko Junuzovic und Theodor Gebre Selassie (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Mit welchen Gefühlen bist du denn aus Frankreich zurückgekehrt? Enttäuschung oder Motivation?

Theodor Gebre Selassie: „Definitiv mit Motivation. Wir haben bei der Nationalmannschaft jetzt einen neuen Trainer, ich möchte am Anfang seiner Ära gerne dabei sein. Ich weiß zwar nicht, wo ich unter dem neuen Trainer stehe und deshalb auch nicht, ob ich weiter berücksichtigt werde, aber ich würde gerne weiter dabei sein.“

WERDER.DE: Lass uns das Thema wechseln und über Werder sprechen. Du bist seit circa einer Woche wieder hier. Wie geht es dir und deinem Körper nach den vielen intensiven Einheiten?

Theodor Gebre Selassie: „Mein körperlicher Zustand ist in Ordnung, aber man konnte bei dem Testspiel gegen 1860 sehen, dass es mit dem Ball noch nicht optimal läuft.“

WERDER.DE: Du meinst damit die 1:2-Niederlage vom Samstag. Kannst du das Spiel und die Niederlage für uns einordnen?

Theodor Gebre Selassie: „Wir müssen mitnehmen, dass wir noch sehr viel Arbeit vor uns haben und immer alles geben müssen. Wir wissen, dass es kein gutes Spiel von uns war – insbesondere in der ersten Halbzeit. Aber wir dürfen jetzt nicht das gesamte Trainingslager über dieses eine Testspiel nachdenken und nur darüber reden, wie schlecht wir gespielt haben. Wir sind hier, um uns zu verbessern und gut zu trainieren.“

WERDER.DE: Das Spiel war auch die erste gemeinsame Partie mit den Neuzugängen. Wie ist dein Eindruck von den Neuen?

Theodor Gebre Selassie: „Bis jetzt ist der Eindruck sehr positiv. Im Training sind sie sehr gut unterwegs. Aber ich habe erst ein einziges Spiel mit den Jungs gespielt und nur wenig trainiert. Je häufiger wir miteinander spielen, desto besser werden die Abläufe funktionieren.“

Theodor Gebre Selassie ist nicht zufrieden mit der Leistung beim Testspiel (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Mit Jaroslav Drobny gibt es jetzt einen weiteren Tschechen in der Mannschaft. Was ist ,Drobo’ denn für ein Typ?

Theodor Gebre Selassie: „Er ist ein positiv verrückter, ein guter Typ. Er bringt einerseits gute Stimmung in die Mannschaft, ist andererseits aber auch sehr professionell, arbeitet enorm viel an sich. Er wird den jungen Spielern und uns allen helfen.“

WERDER.DE: Aber dein Zimmerpartner ist weiterhin Zlatko Junuzovic oder hast du mittlerweile ein Einzelzimmer?

Theodor Gebre Selassie: „Nein, wir wollten im Trainingslager gerne zusammen in einem Zimmer sein. Hier haben wir jeder ein Schlafzimmer und einen Gemeinschaftsraum, in dem man sich aufhalten kann, wenn man möchte. Das ist das Beste.“

WERDER.DE: Und was wird dann gemacht, wenn ihr aufeinander hockt?

Theodor Gebre Selassie: „Wir sitzen zusammen und unterhalten uns. Manchmal kommen auch andere Spieler vorbei, Drobo zum Beispiel. Gestern waren aber auch Uli Garcia und Milos Veljkovic da. Wir haben PlayStation gespielt.“

WERDER.DE: Und natürlich einen Sieg des eingespielten Duos Junuzovic/Gebre Selassie eingefahren?

Theodor Gebre Selassie: „Gestern haben wir leider verloren, aber wir waren nicht schlecht (lacht).“

WERDER.DE: Eine letzte Frage habe ich noch: Die Ernährung ist bei euch momentan ein großes Thema. Wie findest du die Umstellung und was genau ist überhaupt anders als vorher?

Theodor Gebre Selassie: „Daran muss man sich erst gewöhnen. Es gibt Tage, an denen wir keine Kohlenhydrate essen dürfen. Manchmal fehlt einem dann das Stück Brot zum Salat, keine Frage. Aber auch das ist alles Gewohnheitssache. Und wenn es uns hilft, dann macht es jeder von uns gerne.“

 

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