"Gegen die Niederlage gestemmt"

Die Stimmen zum Dortmund-Spiel

Fin Bartels und Co. wehrten sich mit Kräften gegen den BVB und die Niederlage (Foto: nordphoto).
Profis
Samstag, 21.01.2017 // 20:45 Uhr

Von Yannik Cischinsky und David Steinkuhl

Eine Niederlage bleibt eine Niederlage. Wie sie zustande gekommen ist, wie knapp sie am Ende unter Umständen war oder wie positiv die Leistung der Unterlegenen auch zu bewerten sei, all das spielt unter dem Strich bekanntlich keine Rolle mehr. Diese Erfahrung mussten auch die Grün-Weißen einmal mehr machen. Trotz Unterzahl und Rückstands kämpften sich Bartels, Delaney und Co. zurück ins Spiel, schafften den Ausgleich, mussten aber am Ende doch eine 1:2-Auftaktniederlage hinnehmen. „Das Ergebnis ist bitter, aber aus dem Spiel können wir viele gewinnbringende Erkenntnisse ziehen. Wir haben den BVB in Unterzahl phasenweise vor einige Probleme gestellt und uns gegen die Niederlage gestemmt“, resümierte Werder-Coach Alexander Nouri nach Spielende.

Vor allem der Spielverlauf mit einer gebrauchten ersten Halbzeit machte vielen Werder-Akteuren nach dem Schlusspfiff Mut für die zweite schwere Aufgabe innerhalb einer Woche. „Wir haben gezeigt, dass wir mit einer absoluten Top-Mannschaft wie Dortmund mithalten können. Das stimmt mich optimistisch für kommenden Samstag“, sagte Lamine Sané.

WERDER.DE hat sich unter den Werderanern umgehört und fasst wie gewohnt die wichtigsten Stimmen des Abends zusammen.

Zum Spielverlauf:

Frühes Gegentor: Bereits nach fünf Minuten lag Werder zurück (Foto: nordphoto).

Alexander Nouri: „Wir haben zu viel Zeit gebraucht, um ins Spiel zu finden. Bei den Gegentoren laden wir die Dortmunder ein, zu treffen. Grundsätzlich ist heute einfach vieles gegen uns gelaufen: das frühe Gegentor, die Auswechslung von Serge Gnabry, die rote Karte, das Pech beim Lattenschuss von Clemens Fritz. Das mussten wir verarbeiten. Aber ich muss der Mannschaft für die große Leidenschaft und das große Herz ein Kompliment machen.“

Frank Baumann: „Ich finde, es war ein rassiges Duell. Natürlich hatten die Dortmunder mehr Spielanteile, gerade nach der roten Karte. Wir haben am Anfang ein wenig gebraucht und waren nicht mutig genug im Spiel gegen den Ball. Nach der roten Karte hatten wir jedoch viele gute Aktionen und Torchancen. Wir haben nicht unverdient den Ausgleich erzielt. Beim erneuten Rückstand waren wir nicht konsequent genug. Ein Punkt wäre drin gewesen. Ich finde, dass wir auf unserer Leistung ab der 20. Minute aufbauen können.“

Max Kruse: „Die Gegentore waren unnötig und resultierten aus eigenen Fehlern. Natürlich ärgert man sich darüber besonders. Aber wir haben bis zum letzten Meter gekämpft. Schon nach dem 0:1, als wir noch zu elft auf dem Platz waren, haben wir uns gute Chancen erarbeitet. Ärgerlich, dass es nicht für Zählbares gereicht hat.“

Clemens Fritz: „Wir haben das Spiel verloren, zufrieden kann man da nie sein. Die ersten zehn bis 15 Minuten waren wir nicht drin, hatten vielleicht zu großen Respekt und haben die Zweikämpfe nicht angenommen. Danach waren wir besser im Spiel, waren griffiger, haben als Team gearbeitet und selbst in Unterzahl die Räume weitestgehend gut besetzt sowie eigene Chancen erarbeitet. Die kämpferische Leistung war gut.“

Fin Bartels: „Wir haben uns nach anfänglichen Schwierigkeiten reingefuchst. Nach dem frühen Gegentor mussten wir uns erstmal sammeln, aber ab der 30. Minute waren wir voll da. Wir haben eine couragierte Partie gezeigt, gekratzt, gebissen und sind gelaufen, bis es nicht mehr ging. Es ist klar, dass wir in Unterzahl extreme Wege machen mussten, die taten am Ende echt weh. Aber positiv ist, dass wir auch in Unterzahl mithalten konnten, negativ dagegen, dass wir uns für den Einsatz nicht belohnt haben.“

Thomas Delaney: „Das Ergebnis ist natürlich enttäuschend, aber wir sind uns auch der Sache bewusst, dass wir auf ein sehr gutes Team getroffen sind. Ich selber hatte eine große Chance, wo der Keeper gut pariert und Clemens hat es mit seinem fantastischen Versuch auch nicht ganz fertig gebracht auszugleichen. Wirklich schade, dass wir nicht mehr geholt haben. Auch wenn wir lange in Unterzahl waren, irgendwie hatten wir immer das Gefühl, dass doch noch etwas geht.“

Zur roten Karte von Drobny:

Nach einer Notbremse musste Jaroslav Drobny runter (Foto: nordphoto).

Frank Baumann: „Wir verlieren unnötigerweise den Ball und laufen in einen gefährlichen Konter. Jaro hat sich fürs Rauskommen entschieden und will den Ball spielen. Wir wollen einen Torwart, der mitspielt. Leider kommt er einen Moment zu spät. Wir machen ihm aber keinen Vorwurf. Es war vermutlich eine ganz knappe Abseitsentscheidung. Ich habe den Linienrichter gefragt, ob er sich beim Abseits sicher war. Er war es nicht. Ich möchte aber keine Kritik an den Schiedsrichtern äußern.“

Thomas Delaney: „Ich habe es nicht ganz genau gesehen, aber es war sicher nicht Drobnys Fehler. Er musste rauskommen, weil wir es vorher als Team nicht geschafft haben, den Konter zu unterbinden. Zudem gab es wohl die Diskussion, ob Reus vorher im Abseits gestanden hat, aber das kann ich nicht beurteilen.“

Alexander Nouri: „Wir haben uns für eine Auswechselung von Claudio Pizarro entschieden, da wir wussten, dass läuferisch extrem viel Arbeit auf uns zukommt und Max Kruse vorne sehr viel investieren kann.“

Zum erneuten Torwartwechsel:

Serge Gnabry wurde bereits in der 27. Minute ausgewechselt (Foto: nordphoto).

Fin Bartels: „Felix hat sich super eingebracht und zweimal, dreimal gut gehalten. Wir haben absolutes Vertrauen in ihn.“

Frank Baumann: „Wir haben keine Torwart-Diskussion. Wir haben drei sehr gute Torhüter. Felix hat es nach seiner Einwechslung gut gemacht. Er wurde ins kalte Wasser geworfen und eine ordentliche Leistung gezeigt. Er ist kalt in die Partie gekommen und hat ein gutes Spiel gezeigt. Wir sind entspannt, was diese Position betrifft. Felix wird gegen Bayern im Tor stehen, er ist absolut bereit. Wir haben vollstes Vertrauen in unsere Torhüter.“

Alexander Nouri: „Ich hatte im Spiel nicht das Gefühl, dass ihn die letzten Wochen verunsichert haben. Er hat einen guten Job gemacht. Wir haben mit ihm immer offen und ehrlich kommuniziert. Eine Konkurrenzsituation zu haben, ist ja nicht negativ. Damit muss er umgehen können. Mit Michael Zetterer haben wir einen weiteren Torhüter, der bei der U 23 und im Training gute Leistungen gezeigt hat. Wir wollten auch ihm einen Weg aufzeigen, haben aber nie gesagt, dass wir die Hierarchie infrage stellen.“

Zur Auswechselung von Serge Gnabry:

Alexander Nouri: „Ihm war übel, deshalb musste er raus. Ich habe die Info erst während des Spiels nach 25 Minuten bekommen und weiß nicht, ob es gegebenenfalls schon vorher so war.“

Zum Rückrundenauftakt gegen Bayern München:

Fin Bartels: „Wir freuen uns auf das Heimspiel gegen die Bayern so, wie wir uns auch auf heute gefreut haben. Wir wollen die Chance nutzen, auch wenn sie klein ist. Freiburg hat gezeigt, dass man mit großem Engagement mithalten kann. Wir wollen so mutig auftreten, wie heute ab der 30. Minute.“

Frank Baumann: „Nächste Woche kommt ein absoluter Top-Gegner. Wir wollen uns von Anfang an wehren.“