Die zwei Gesichter

Stimmen zum Darmstadt-Spiel

Trotz eines engagierten Darmstädter Auftrittes bleiben die drei Punkte in Bremen (Foto: nordphoto).
Profis
Samstag, 04.03.2017 // 20:09 Uhr

Von Yannik Cischinsky und David Steinkuhl

Über zwei Jahre hat der SV Werder auf eine solche Serie warten müssen. Mit dem 2:0-Sieg gegen Darmstadt 98 gelang der so wichtige dritte Sieg in Folge. Dabei sah es zuerst nicht so aus. „Zu Beginn hat uns völlig die Leidenschaft gefehlt“, bewertete Doppeltorschütze Max Kruse im Anschluss an die Partie eine verkorkste erste Hälfte, in der sich Grün-Weiß nicht über einen Rückstand hätte beschweren dürfen. Kruse selbst war es, der nach dem Seitenwechsel mit seinen zwei Treffern dann doch für grün-weißen Jubel sorgte. Und so konnte Robert Bauer vor den versammelten Journalisten berichten: „Wir haben zwei Tore erzielt und Darmstadt keines. Am Ende also doch ein verdienter Sieg.“

Zwei vollkommen unterschiedliche Halbzeiten, eine belebende Ansprache und ein Elfmeterpfiff - das waren die bestimmenden Themen in der Mixed Zone nach Spielende. WERDER.DE hat sich unter glücklichen Bremern umgehört und die Stimmen im Folgenden zusammengefasst.

Zum Spielverlauf:

Erst dominierte Darmstadt die Partie, nach der Pause übernahm Werder das Ruder (Foto: nordphoto).

Alexander Nouri: „Für die erste Halbzeit muss ich mich entschuldigen, für die zweite Halbzeit kann ich mich nur bedanken, so ambivalent waren die Durchgänge. Wir haben zu wenig investiert und zu viel zugelassen. In der Halbzeit konnten wir das korrigieren und im zweiten Durchgang ein anderes Gesicht zeigen. Wir hatten drei bis vier hundertprozentige Chancen, haben Moral bewiesen und uns die Punkte deshalb nach der Pause verdient.“

Claudio Pizarro: „Darmstadt hat im ersten Durchgang sehr gut gespielt, aber die Chancen zum Glück nicht reingemacht. Wir wollten Druck ausüben, doch wurden häufig ausgespielt und haben große Lücken offenbart. Diese Fehler haben wir erkannt und unser System geändert. Die zweite Halbzeit war dann viel besser.“

Robert Bauer: „In der ersten Halbzeit war Darmstadt überlegen, hatte viel Ballbesitz und einige Standards. Die erste Ecke war brandgefährlich, da hält 'Wiedi' klasse. Natürlich waren wir mit den ersten 45 Minuten nicht zufrieden, wir hatten nie so richtig Zugriff. In den letzten zehn Minuten haben wir absichtlich tief gestanden, weil wir einfach erstmal ohne Gegentor in die Kabine gehen wollten. In der Halbzeit haben wir uns neu besprochen und uns vorgenommen, das Spiel zu machen. Wir wollten eine Reaktion zeigen und das ist uns dann auch gelungen.“

Maximilian Eggestein: „Die erste Halbzeit war einfach schwach. Wir haben es als Team insgesamt nicht gut gemacht. Im zweiten Durchgang haben wir es dann besser gemacht.“

Zur Halbzeitansprache:

Robert Bauer: „Wir haben klare Worte vom Coach zu hören bekommen. Er hat uns gesagt, dass die Darmstädter fast zehn Kilometer mehr gelaufen sind als wir. Das hat ein Stück weit an unserer Ehre gekratzt, vor allem, weil wir den Fans zeigen wollten, dass wir auch zuhause guten Fußball spielen können. Vielleicht war dieser Druck, den wir uns selber gemacht haben, auch der Grund für die schlechte Leistung vor der Pause.“

Niklas Moisander: „Der Trainer war ein bisschen böse in der Halbzeit, wir alle waren nicht zufrieden. Trotzdem hat er versucht uns aufzubauen und uns gesagt, dass er an uns glaubt.“

Alexander Nouri: „Sicherlich war es laut in der Kabine, wir waren ja alle nicht zufrieden und ich bin dann auch emotional. Wir haben als Mannschaft beschlossen, dass wir alle an einem Strang ziehen und es gemeinsam korrigieren wollen.“

Zum Elfmeterpfiff:

Das Foul zum Elfmeter: Aytac Sulu legt Claudio Pizarro im Sechzehner (Foto: nordphoto).

Claudio Pizarro: "Es war ein klarer Elfmeter. Ich treffe den Ball nicht, dafür trifft er mich unmittelbar danach. Dass der Schiedsrichter so lange mit dem Pfiff gewartet hat, ist mir gar nicht aufgefallen. Für mich war klar, dass es Strafstoß gibt." 

Maximilian Eggestein: „Ich konnte es aus meiner Position nicht genau sehen, ob es ein Elfmeter war. Für mich persönlich war das Foul an Serge deutlicher und ein klarer Elfmeter.“

Zur aktuellen Situation:

Maximilian Eggestein: „Wir sind weiterhin mittendrin im Abstiegskampf. Wir haben uns jetzt in den letzten Spielen eine gute Ausgangsposition geschaffen, aber wir sind noch lange nicht raus. Deshalb fahren wir jetzt auch nach Leverkusen mit dem Ziel, wieder zu gewinnen.“

Alexander Nouri: „Die drei Punkte tun unheimlich gut, aber wir tun gut daran, die Spannung weiter hoch zu halten, weiter zu punkten und uns nicht auszuruhen. Ich bin mir sicher, dass wir nicht anfällig für Hochmut werden.“

Robert Bauer: „Auch wenn wir unsere Lage zuletzt verbessern konnten, wir stehen noch unten drin. Mit 25 Punkten hat noch niemand den Klassenerhalt geschafft. Es fällt uns nach wie vor schwer, dominant zu spielen. Daran müssen wir noch arbeiten. Erstmal geht es jetzt aber darum, dass wir dranbleiben und den Rückenwind mitnehmen.“

Zu den verletzungsbedingten Wechseln:

Alexander Nouri: „Es war natürlich äußerst bitter, schon in der ersten Halbzeit zweimal kurz hintereinander wechseln zu müssen. Clemens Fritz ist mit dem Sprunggelenk umgeknickt, bei Zlatko Junuzovic hat der Rücken plötzlich blockiert und die Muskulatur im Oberschenkel zugemacht. Bei beiden müssen wir die genaue Diagnose abwarten.“