"Gute Niederlagen gibt es nicht"

Stimmen zum Spiel in Leipzig

Harte Landung in Leipzig: Izet Hajrovic und Co. waren im Duell mit RB unterlegen (Foto: nordphoto).
Profis
Sonntag, 23.10.2016 // 19:31 Uhr

Zusammengetragen von Yannik Cischinsky und David Steinkuhl

Werder hatte die Begegnung bis zur letzten Sekunde offen gehalten, einen formstarken Gegner vor Probleme gestellt, defensiv eine lange Zeit ansprechende Leistung gezeigt. Es gab einiges, was die Grün-Weißen am Sonntagabend hätten herausheben können. Das Attribut „gut“ wollte nach der 1:3-Niederlage gegen den Tabellenzweiten RB Leipzig aber keiner in den Mund nehmen. „Gute Niederlagen gibt es eigentlich nicht. Das wäre ja ein Widerspruch in sich, das gilt auch für heute“, erwiderte Frank Baumann, Geschäftsführer Sport, auf entsprechende Nachfrage. Auch Fin Bartels wollte sich nicht von einer „guten Leistung“ überzeugen lassen. „Wenn man verloren hat, kann man nie von gut sprechen“, sagte der 28-Jährige. Am Ende fehlten dem SVW in den entscheidenden Situation Kleinigkeiten.

Je länger die Niederlage mit dem dritten, entscheidenden RB-Treffer unmittelbar vor dem Schlusspfiff verstrichen war, desto präsenter wurden bei vielen Akteuren auch die positiven Aspekte des Nachmittags. „Wir haben in vielerlei Hinsicht an die letzten Leistungen anknüpfen können“, sagte Baumann. Cheftrainer Alexander Nouri lobte die „kompakte, disziplinierte und organisierte Defensive“.

In der Mixed Zone zogen die Protagonisten ein gemischtes Resümee der Premieren-Partie in Leipzig mit unterschiedlichen Facetten. WERDER.DE fasst die wichtigsten Stimmen zusammen.

Zum Spielverlauf:

Die Defensive um Santiago García stand über weite Strecken gut, drei Gegentore gab es dennoch (Foto: nordphoto).

Alexander Nouri: „Wir wussten, was auf uns zukommt. Leipzig ist ein Team mit unheimlich viel Selbstvertrauen und Rückenwind, ein super Gegner mit enormer Qualität in der Offensive, der sehr variabel agiert. Dennoch haben wir eine ordentliche Leistung gezeigt. Wir standen kompakt, organisiert und haben diszipliniert agiert. Viele Angriffe der Leipziger sind im Aus gelandet oder in Schüssen aus der Distanz geendet. In den entscheidenden Aktionen waren wir defensiv aber nicht energisch genug. Das 0:1 fällt zu einfach. Ich bin mir sicher, dass man das besser verteidigen kann. Nach eigenem Ballgewinn hätte ich mir gerade in der ersten Halbzeit mehr Vertrauen ins Spiel gewünscht. Das haben wir im zweiten Durchgang besser gemacht und die Partie wieder offen gestaltet. Direkt nach der Pause hätten wir auch ausgleichen können, das war Pech. Dennoch hätte ich mir in manchen Situationen mehr Mut erhofft. Damit bin ich nicht zufrieden.“

Theodor Gebre Selassie: „Wir hatten uns mehr erhofft und sind enttäuscht, dass wir nicht mal einen Punkt mitgenommen haben. RB hat sehr aggressiv gespielt und war am Ende einen Tick besser.“

Clemens Fritz: „Wir haben ein intensives Spiel. Das erste Tor ist überaus unglücklich. Ihm springt der Ball noch ans Bein. Das zweite Tor darf uns so nicht passieren. Aber wir haben uns engagiert zurückgekämpft und zum Schluss alles nach vorne geworfen.“

Fin Bartels: „Wir haben kaum Räume angeboten und bis zum Gegentor wenige Chancen zugelassen. In der Situation gewinnen wir eigentlich den Ball, doch wie beim Billard springt er ihm wieder vor die Füße. Es gab einige positive Aspekte heute, aber wir ärgern uns primär, dass wir nichts mitgenommen haben.“

Zlatko Junuzovic: „In der ersten Hälfte haben wir nur eine Chance zugelassen und vieles richtig gemacht. Beim Gegentor haben wir den Ball eigentlich schon sicher, aber Keitas individuelle Klasse hat dann dafür gesorgt, dass der reingeht. Der Spagat zwischen defensiver Kompaktheit und offensiven Aktionen war heute schwer für uns, das hat nicht immer funktioniert. Leipzig ist einfach ein sehr ballsicheres Team, insbesondere im zentralen Mittelfeld. Mit mehr Glück hätten wir hier heute was mitnehmen können, denn wir waren immer dran und haben die Hoffnung nie aufgegeben. Vielleicht standen wir in der ersten Halbzeit etwas zu tief, auch wenn wir sehr kompakt standen, aber das ist eben dieser Spagat, von dem ich schon sprach. In der zweiten Hälfte haben wir dann etwas aufgemacht und sind zu mehr Chancen gekommen.“

Frank Baumann: „Wir haben am Anfang ein paar Minuten gebraucht, bis wir ins Spiel gekommen sind. Dann haben wir aber über weite Strecken gut gestanden, waren nur bei den Gegentoren meist zu weit weg von den Leipzigern.“

Zur Mentalität des Teams:

Ex-Bremer Davie Selke jubelte nach dem Abpfiff mit seinem Coach (Foto: nordphoto).

Fin Bartels: „Rückschläge wird es immer geben. Diese Niederlage darf und wird uns nicht umwerfen. Wir haben in der Vergangenheit oft gezeigt, dass wir weiter an uns glauben und auch heute nach dem 0:2-Rückstand bis zum Schluss alles reingeworfen.“

Zlatko Junuzovic: „Wir werden jetzt alles aufarbeiten, diskutieren und den Blick dann wieder nach vorne richten. Ich bin sehr optimistisch, dass wir den Spagat hinbekommen. Jeder ist aggressiv und will seinem Mitspieler helfen. Ich denke, dass auch unsere zahlreichen Fans gesehen haben, wie wir gekämpft haben und wie bissig wir waren. Zwar sind wir erstmal enttäuscht, aber ein Rückschlag war das aus meiner Sicht nicht.“

Frank Baumann: „Auch wenn es ein anderes Spiel war, die Mentalität war ähnlich gut wie gegen Leverkusen. Vor allem nach dem 0:2 hat man das gesehen. Die Mannschaft hat nicht aufgegeben.“

Zu den kommenden Aufgaben:

Theodor Gebre Selassie: „Wir spielen zuhause, wo wir zuletzt zweimal gewonnen haben, gegen einen weiteren Aufsteiger. Unser Ziel ist es ganz klar, die nächsten Punkte zu holen. Dafür werden wir in den nächsten Tagen arbeiten.“

Alexander Nouri: „Wir müssen die Situationen rund um die Gegentore klar sezieren. Auch ich muss mir das nochmal ganz genau anschauen. Dann wird unsere defensive Kompaktheit auch in den kommenden Wochen ein großes Thema sein. Ich finde, man kann schon eine Struktur erkennen, aber an den entscheidenden Situationen müssen wir arbeiten.“

Zlatko Junuzovic: „Wir sind noch lange nicht da, wo wir sein wollen. Wir dürfen nicht aufstecken und müssen einfach weiter so hart arbeiten, wie bislang. Ich bin der Meinung, dass wir mit unserer kompakten Defensive jeden Gegner auffangen können, auch wenn er Dortmund oder Bayern heißt. Das müssen wir auch gegen Freiburg wieder zeigen. Die Freiburger sind gut drauf im Moment. Vielleicht lassen sie für unsere Offensive etwas mehr zu. Ich bin überzeugt, dass wir ein gutes Spiel machen werden.“

Frank Baumann: „Die Leistung heute macht trotz des Ausgangs auf jeden Fall Mut für die nächsten Wochen, dann müssen wir aber wieder eine Schippe drauflegen.“

Zu Davie Selkes Leistung:

Zlatko Junuzovic: „Ich wusste gar nicht, dass Davie so gute Flanken mit links spielen kann, wie vor dem 0:2. Er ist ein gutes Beispiel dafür, welch große individuelle Klasse und welche Qualität Leipzig im Kader hat - auch von der Bank. Das war für mich heute ein entscheidender Faktor.“

Frank Baumann: „Persönlich hat es mich natürlich für Davie gefreut, noch mehr hätte es mich aber gefreut, wenn er nichts zu feiern gehabt hätte. Dass er nach seinem Treffer nicht gejubelt hat, zeigt mir, dass er bei uns eine schöne Zeit hatte. Ich denke, das gehört dazu.“

Zur Leistung von Felix Wiedwald:

Zlatko Junuzovic: „Für Felix war das keine leichte Situation. Erst wurde er degradiert und jetzt muss er wieder voll da sein, das ist schwer für den Kopf. Heute und gegen Leverkusen hat er in meinen Augen gute Leistungen gezeigt. Mit seiner Rettung gegen Poulsen hat Felix verhindert, dass wir früh in Rückstand geraten sind, das war ganz wichtig für uns. Wir brauchen diesen Rückhalt und können uns da immer auf Felix verlassen.“

Frank Baumann: „Dass Felix heute und in der letzten Wochen so gut gehalten hat, wundert mich in keinster Weise. Schon in der letzten Saison hat man gesehen, dass man sich in schwierigen Situationen voll auf ihn verlassen kann.“