Werder wehrt sich, als es schon zu spät ist

SVW verliert letztes Saisonheimspiel mit 3:5 gegen Hoffenheim

Es war ein gebrauchter Heimabschluss für den SVW. Andrej Kramaric trifft zum 0:2 aus Bremer Sicht (Foto: Nordphoto).
Profis
Samstag, 13.05.2017 // 17:26 Uhr

von Maximilian Hendel

Nichts zu holen im letzten Heimspiel der laufenden Bundesligasaison. Gegen Champions-League-Aspirant 1899 Hoffenheim musste Werder Bremen eine torreiche 3:5 (0:3)-Schlappe hinnehmen. Bereits ein allzu früher Doppelschlag von Adam Szalai (7.) und Andrej Kramaric (11.) hatte den Gästen im ausverkauften Weser-Stadion früh den Weg geebnet. Steven Zubers Treffer wenige Minuten vor der Pause (40.) war der negative Höhepunkt dieser missratenen ersten Hälfte aus Bremer Sicht. Da erneut Kramaric (49.) sowie Ermin Bicakcic (52.) unmittelbar nach Wiederanpfiff den Rückstand noch weiter in die Höhe trieben, drohte ein kompletter Albtraumnachmittag. Doch Werder berappelte sich in der letzten halben Stunde und kam dank der Tore von Theodor Gebre Gelassie (59.), Philipp Bargfrede (86.) und Robert Bauer (90.) immerhin noch zu einem versöhnlichen Ergebnis.

Aufstellung und Formation: Sowohl personell als auch von der taktischen Grundformation her gab es für Cheftrainer Alexander Nouri Veränderungsbedarf. Aufgrund der Gelbsperre von Niklas Moisander begannen die Grün-Weißen mit einer Viererkette in der Defensive, in welcher Milos Veljkovic und Lamine Sané die Innenverteidigung bildeten sowie Robert Bauer (r.) und Theodor Gebre Selassie (l.) auf den Außen agierten. Zentral davor kehrte Maximilian Eggestein in die Startelf zurück. Zusätzlich stärkte Nouri die Offensive mit Serge Gnabry, der vor Kapitän Zlatko Junuzovic und Thomas Delaney das gewohnte Angriffsduo aus Max Kruse und Fin Bartels unterstützen sollte. Florian Grillitsch blieb dafür zunächst auf der Bank. 

Früher Doppelschlag stellt die Weichen für 1899

Denkbar schlechter Beginn: Adam Szalai zielt ganz genau und trifft zur frühen Gästeführung (Foto: Nordphoto).

Die Höhepunkte:

7. Min.: Tor, 1:0 für 1899 Hoffenheim, Adam Szalai.
Arrr, der erste Abschluss der Gäste sitzt gleich. Sané kann an der Strafraumgrenze nicht klären, Uth setzt entscheidend nach, woraufhin sich Szalai den Ball schnappt, kurz die 16-Meter-Linie entlang zieht, ehe er seinen Schuss mit dem linken Innenspann flach im rechten Eck unterbringt.

11. Min.: Tor, 2:0 für 1899 Hoffenheim, Andrej Kramaric. Es wird nicht einfacher. Eggesteins Ballverlust auf Höhe der Mittelinie hat fatale Folgen, umgehend wird Kramaric mit einem langen Diagonalball auf die freie linke Seite bedient, dessen folgend ansatzloser Schuss aus knapp 12 Metern punktgenau im kurzen Eck landet.

17. Min.: Werder legt offensiv zu. Über Umwege springt der Ball im gegnerischen Strafraum vor Junuzovic auf, der es direkt mit einem Seitfallzieher probiert, doch Innenverteidiger Süle stellt sich diesem spektakulären Versuch gerade noch in den Weg.

29. Min.: Es fehlen nur ein paar Zentimeter! Eggestein gewinnt im Mittelfeld das Kopfballduell, Kruse und Bartels verwirren die Hoffenheimer, in dem sie den Ball passieren lassen, was Gnabry in Position bringt, der an Süle vorbeizieht und dann aus 17 Metern mit links nur allzu knapp verfehlt.

37. Min.: Kruse verzögert aus halblinker Position eine Eingabe, bis Gnabry mit Tempo in den Strafraum vordringt, serviert ihm dann butterweich den Ball auf die Stirn, doch beim Kopfball wird Werders Offensivmann energisch bedrängt, weswegen diesem die letzte Genauigkeit fehlt.

40. Min.: Tor, 3:0 für 1899 Hoffenheim, Steven Zuber. Puuuh, die Gäste schlagen noch vor der Pause ein drittes Mal zu. Diesmal wird Zuber über links in den freien Raum geschickt, dann kommt Bauer im Strafraum nicht in den Zweikampf mit dem Hoffenheimer Schützen, dessen anschließender Abschluss flach im gegenüberliegenden Eck landet.

45. + 1 Min.: Halbzeitpfiff. Stille im Weser-Stadion angesichts des eindeutigen Zwischenstandes.

Versöhnliche Schlussphase nach erneutem Horror-Start

Enge Bewachung: Ermin Bicakcic stört Serge Gnabry bei der Ballannahme (Foto: Nordphoto).

49. Min.: Tor, 4:0 für 1899 Hoffenheim, Andrej Kramaric. Die Gäste machen direkt dort weiter, wo sie im ersten Durchgang aufgehört haben. Kramaric wird auf der linken Seite angespielt, Bauer agiert zu zögerlich, wodurch der kroatische Angreifer im Eins-gegen-Eins-Duell leichtes Spiel hat und sein zweites Tor des Tages erzielt.

52. Min.: Tor, 5:0 für 1899 Hoffenheim, Ermin Bicakcic. Oh man, das sieht nicht gut aus für den SVW. Kein Bremer stört Bicakcic nach einer Hoffenheimer Ecke im Luftzweikampf, der so unhaltbar ins Netz köpfen kann. Unmittelbar zuvor hatte Wiedwald Kramaric’ drittes Tor noch mit jener guten Parade verhindert, die zu diesem Eckball führte.

59. Min.: Junuzovic versucht es aus der zweiten Reihe und zwingt TSG-Keeper Baumann mit einem gefährlich aufsetzenden Ball zu dessen erster Tat am heutigen Nachmittag.

59. Min.: TOR, 1:5 aus Bremer Sicht, Theodor Gebre Selassie. Endlich ein erster Akt der Schadensbegrenzung. Kruse bringt von links eine lang gezogene Flanke auf den zweiten Pfosten, wohin sich Gebre Selassie geschlichen hat und per Flugkopfball einnetzt.

62. Min.: Werder bleibt dran. Jetzt kommt Kruse zum Abschluss, allerdings ist Baumann weiterhin auf dem Posten und pariert glänzend den Flachschuss.

64. Min.: Nun findet auch Bartels seinen Meister im Hoffenheimer Keeper. Scharf fliegt der Abschluss in Richtung langer Pfosten, aber Baumann ist reaktionsschnell unten.

74. Min.: Gute Eckballvariante der Gastgeber. Kruse spielt kurz auf Bauer, der dringt parallel zur Grundlinie von rechts in den Strafraum ein, legt in den Rückraum, wo Veljkovic’ Abschluss aus zehn Metern im allerletzten Moment geblockt wird.

83. Min.: Mit einem langen Ball wird der eingewechselte Ex-Bremer Sandro Wagner über links auf die Reise geschickt, die SVW-Defensive ist weit aufgerückt, doch Wiedwald eilt gedankenschnell aus seinem Strafraum heraus und klärt vor dem heranstürmenden Wagner.

86. Min.: TOR, 2:5 aus Bremer Sicht, Philipp Bargfrede. Bauer bekommt auf der rechten Seite genügend Raum und Zeit für eine zielgenaue Eingabe auf den eingewechselten Philipp Bargfrede, gegen dessen Direktabnahme aus neun Metern es nichts zu halten gibt.

90. Min.: TOR, 3:5 aus Bremer Sicht, Robert Bauer. Noch ein weiteres Mal können die Grün-Weißen verkürzen. Bauer trifft aus Nahdistanz ins linke obere Eck.

90. + 3 Min.: Schluss im Weser-Stadion. Die letzte halbe Stunde gehörte den Bremern, auch wenn die Niederlage nicht mehr abzuwenden war.

 

Fazit: Aufgrund ihrer fatal misslungenen Anfangsphase hatten sich die Grün-Weißen umgehend einen erheblichen Ballast eingebrockt. Ehe sie sich versahen, wusste Hoffenheims kaltschnäuziges Sturmduo Szalai und Kramaric zwei vorangegangene Bremer Unkonzentriertheiten in deren eigener Hälfte zu verwerten. Das alles spielte den selbstbewussten Gästen wenig verwunderlich mustergültig in die Karten. Werder versuchte zwar, sich in der Folgezeit zu befreien, dennoch fehlte es gegen die engmaschige und nun auch tiefer stehende Hoffenheimer Defensive an nachhaltig zündenden Ideen. 1899 hingegen trat genau so auf, wie es Alexander Nouri ihr im Vorfeld bereits attestierte: als echte Spitzenmannschaft. Abstimmung, Laufwege und Angriffszüge stimmten auf beeindruckende Art und Weise. Nichtsdestotrotz machten es passive und zögerliche Bremer ihnen auch viel zu einfach. Im Zuge des abermaligen TSG-Doppelschlages kurz nach Wiederanpfiff wurde es dann richtig bitter. Immerhin bäumten sich die Gastgeber noch einmal auf. Gebre Selassies gelungener Hechtkopfball läutete eine versöhnliche Schlussphase ein, in der Bargfrede und Bauer das Ergebnis noch auf schlussendlich zwei Tore Rückstand verkürzen konnten.