Punktgewinn der Moral

Gnabry sichert SVW spätes 1:1 in Hoffenheim

Später Jubel - Serge Gnabrys siebtes Saisontor brachte Werder einen Punkt gegen Hoffenheim (Foto: Nordphoto).
Profis
Mittwoch, 21.12.2016 // 21:59 Uhr

von Maximilian Hendel

Punktgewinn der Moral! Im letzten Bundesligaspiel vor dem Jahreswechsel gelang Werder Bremen auswärts vor gut 29.000 Zuschauern in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena gegen die weiterhin ungeschlagene TSG 1899 Hoffenheim ein spätes 1:1 (0:1)-Unentschieden nach zwischenzeitlichem Halbzeitrückstand. Einmal mehr war es Nationalspieler Serge Gnabry, der sein Team nach Vorarbeit von Santiago Garcia jubeln ließ (87.). Beim Hoffenheimer Führungstreffer vor dem Seitenwechsel hatte der ehemalige Bremer Angreifer Sandro Wagner von Demirbays tückischer Eingabe profitiert und spitzelte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie (26.). Nach dem nunmehr fünften Spiel in Serie ohne Niederlage überwintern die Grün-Weißen mit 16 Punkten auf Tabellenplatz 15.

 

 

 

 

 



Aufstellung und Formation: Alexander Nouri hatte es zuletzt schon angedeutet, in Sinsheim nun ließ Werders Cheftrainer die Veränderung der defensiven Grundformation auf eine Dreierkette zumindest im ersten Durchgang umsetzen. Milos Veljkovic komplettierte die Reihe gemeinsam mit den Stammkräften Moisander und Sané. Robert Bauer rückte vor auf die rechte Außenbahn, wodurch Fin Bartels zunächst auf die Bank rutschte. Gegenüber auf links postierte sich Santiago Garcia. Derweil wurde Clemens Fritz (Rückenprobleme) nicht rechtzeitig fit, Zlatko Junuzovic übernahm sowohl dessen Part neben Bargfrede zentral vor der Defensivkette als auch die Kapitänsbinde. Das Offensivdreieck um Kruse, Gnabry und Pizarro dagegen blieb unangetastet.

Wagner mit der Fußspitze vor Drobny am Ball

Plötzlicher Rückstand: TSG-Torschütze Wagner dreht zum Jubeln ab (Foto: Nordphoto).

Die Höhepunkte:

13. Min.: Ein deftiger Querschläger von TSG-Angreifer Uth verursacht urplötzlich die erste Tormöglichkeit an diesem bislang durchweg ausgeglichenen Abend. Sein Klärungsversuch von der eigenen Grundlinie aus rutscht ihm derart über den Außenrist, dass der Ball zum Glück für die Gastgeber senkrecht auf die Oberkante der Latte tropft. Augenblicke darauf bringt Bauer im Strafraum per Kopf Pizarro in Abschlussposition, aber der Peruaner verzieht mit links aus zwölf Metern halblinks.

20. Min.: Alles in allem sind aus dieser doch sehr ausgeglichenen Anfangsphase weder für die eine noch andere Seite Vorteile deutlich geworden.

26. Min.: Tor, 1:0 für Hoffenheim, Sandro Wagner. Das kommt aus dem Nichts. Eine zunächst abgewehrte Ecke der Gastgeber wird den Bremern trotzdem zum Verhängnis, weil sich Demirbay auf rechts den Abpraller sichert, dann nicht angegriffen wird, eine scharfe und aufsetzende Eingabe in den Fünfmeterraum schlagen kann und derweil Wagner sich im Rücken von Sané davongestohlen hat, um seine Fußspitze entscheidend vor Drobny an den Ball zu bringen.

29. Min.: Haarscharf düst Gnabrys satter Fernschuss links am Gebälk vorbei. Der Nationalspieler hatte sich mit links aus der zweiten Reihe ein Herz gefasst. Guter Versuch.

34. Min.: Klassetat von Jaroslav Drobny! Demirbay erspäht aus der Bedrängnis heraus den freien Raum, bedient den aufgerückten Süle, gegen dessen humorlosen Volleyschuss Werders Schlussmann reaktionsschnell die Hände hochbekommt.

39. Min.: Vogt bekommt den Ball nicht aus dem Strafraum, daraufhin probiert es Pizarro direkt aus schwieriger Position, aber TSG-Keeper Baumann ist rechtzeitig unten.

45. + 1 Min.: Nahezu pünktlich pfeift Schiri Cortus zum Pausentee.

Werder kommt spät auf, aber dafür wirkungsvoll

Robert Bauer ist einen Schritt vor TSG-Verteidiger Benjamin Hübner am Ball (Foto: Nordphoto).

46. Min.: Mit Fin Bartels soll Werder von nun an offensiver werden. Der angeschlagene Philipp Bargfrede bleibt in der Kabine. Die Grün-Weißen agieren zudem jetzt wieder im 4-4-2.

58. Min.: Gute Chance. Bartels lauert im Rückraum, dorthin kommt auch der Ball, den Werders Offensivspieler aus 18 Metern halbhoch ins rechte Eck schlenzen will; aber Baumann ist auf dem Posten.

65. Min.: Wie schon im ersten Durchgang gegen Süle bewahrt nun Drobnys tolle Parade gegen den energisch in den freien Raum geschlüpften Jeremy Toljan die Grün-Weißen vor einem höheren Rückstand. Nur Augenblicke darauf köpft Amiri Kaderabeks Flanke knapp über den Querbalken.

75. Min.: Amiri gewinnt viel Raum über die rechte Seite, bringt daraufhin eine Bogen-Eingabe in den Bremer Strafraum; Drobny bekommt den Ball nicht zu fassen, aber Kramaric kann daraus kein Kapital schlagen.

81. Min.: Puuuh, haarscharf. Bartels initiiert Werders bislang beste Chance, setzt Kruse über rechts mit einem tiefen Pass in den TSG-Strafraum ein, der daraufhin mit rechts halbhoch auf den langen Pfosten zielt, wo Gnabry um einen Augenblick zu spät kommt.

87. Min.: TOOOOOOOOOOR, 1:1 für Werder, Serge Gnabry.
Werders schönster Spielzug bringt hier doch noch den späten Ausgleich! Garcia wird über links in Szene gesetzt, spielt scharf und punktgenau in den Rückraum, von wo aus Gnabry den Ball per Innenseite rechts halbhoch unterbringt.

88. Min.: Die Grün-Weißen werden doch wohl nicht? Kruse treibt einen schnellen Konter voran, bringt Bartels in gute Schussposition, doch der verzieht flach rechts um einen Meter.

90. + 2 Min.: Abpfiff in Sinsheim. Werders Schlussoffensive bringt einen Punkt. Gut gemacht, Jungs!


Fazit:
Vor allem defensiv ging Alexander Nouris taktischer Kniff zunächst auf. Dem SVW bereitete die Systemumstellung in diesem Bereich keinerlei Orientierungsschwierigkeiten, die Abwehrformation bestach mit kompaktem Auftreten und guter Aufmerksamkeit in den bedrohlichen Zonen. Die Hoffenheimer konnten ihr sonst so durchdringendes Angriffsspiel anfangs kaum entfalten. Allerdings stockte – bis auf zwei, drei durchdachte Passagen in der gegnerischen Hälfte – das Offensivspiel der Grün-Weißen. TSG-Keeper Baumann blieb ohne wirkliche Bedrängnis. Zudem mussten die Bremer infolge eines nicht endgültig geklärten Eckballs ab Mitte der ersten Halbzeit jenem Rückstand hinterherlaufen, der den Gastgebern zu einem entsprechenden Souveränitätsschub verhalf. Mit Wiederanpfiff wollten die Bremer durch Bartels’ Einwechslung nicht nur ihre offensiven Optionen erweitern, sondern agierten außerdem wieder im 4-4-2. So ermöglichten sie sich gerade über die Außen mehr Präsenz. Nach phasenweise ansprechender Leistung auf Augenhöhe mit dem bis dato Tabellendritten gelang es Werder zwar erst in den letzten zehn Minuten, Hoffenheim nachhaltig in Verlegenheit zu bringen - dafür umso wirkungsvoller!