Koo und Bobadilla reißen SVW die Punkte aus der Hand

2:3-Last-Minute-Schlappe in Augsburg

Serge Gnabry war ein Bremer Aktivposten, doch auch er konnte das späte Unheil nicht verhindern (Foto: Nordphoto).
Profis
Sonntag, 05.02.2017 // 17:28 Uhr

von Maximilian Hendel

Der erste Sieg im neuen Jahr war schon in Reichweite, doch trotz zweimaliger Führung musste Werder Bremen am 19. Spieltag in der Auswärtspartie beim FC Augsburg letztendlich sogar noch eine denkbar bittere 2:3 (1:1)-Niederlage hinnehmen. Raúl Bobadilla traf für die Gastgeber in der vierten Minute der Nachspielzeit zum Sieg. Vor 26.812 Zuschauern waren die Gäste bereits im ersten Durchgang durch Theodor Gebre Selassies Abstaubertor zunächst im Vorteil (26.), was Jonathan Schmid jedoch umgehend zu egalisieren wusste (28.). Nach der Pause besaß Werder lange Zeit die Oberhand, dazu traf Max Kruse vom Elfmeterpunkt (65.), ehe sich die Bremer in den letzten Minuten dieses Spiel vollkommen unnötig noch aus der Hand nehmen ließen. Zunächst traf Ja-Cheol Koo aus dem Nichts zum Ausgleich (79.), dann sollte Bobadilla Sekunden vor dem Abpfiff der Ball noch einmal vor die Füße fallen.

Aufstellung und Formation: Sowohl Claudio Pizarro (Oberschenkel) als auch Niklas Moisander (Zerrung), die sich vergangenen im Heimspiel gegen den FC Bayern verletzt hatten, waren nicht rechtzeitig fit geworden. Noch dazu fehlte Santiago Garcia aufgrund seiner fünften Gelben Karte. Dafür konnte Cheftrainer Alexander Nouri offensiv wieder auf den zuletzt grippegeschwächten Fin Bartels zurückgreifen. Durch die beiden Ausfälle in der Defensive kehrte Theodor Gebre Selassie zum ersten Mal seit November in die Anfangsformation zurück. Ulisses Garcia hatte sich sogar noch einiges länger gedulden müssen, für den Linksverteidiger war es der erste Startelfeinsatz seit dem dritten Spieltag in Gladbach. An der Dreierkette änderte sich allerdings nichts. Garcia übernahm Moisanders Part halblinks, Gebre Selassie die linke Außenposition davor.

Gebre Selassies Führung wird umgehend gekontert

Gebre Selassie hat abgestaubt, Delaney und Sané bejubeln Werders zwischenzeitliche Führung (Foto: Nordphoto).

Die Höhepunkte:

9. Min.: Der FCA kommt zum ersten aussichtsreichen Torabschluss der Partie, weil die Bremer nach einem Einwurf über die rechte Angriffsseite der Gastgeber Altintop leichtfertig die Eingabe in den Rückraum spielen lassen und Bobadilla frei aus 14 Metern Felix Wiedwald zu einer richtig guten Parade zwingt.

17. Min.: Erneut darf sich ein Augsburger, diesmal Philipp Max, den Ball unbedrängt zur Eingabe vorlegen, doch glücklicherweise rutscht Bobadilla die Kugel bei seinem anschließenden Hechtkopfball über den Scheitel.

23. Min.: Von Bauers weitem Einwurf lassen sich gleich mehrere Augsburger düpieren, Junuzovic reagiert am schnellsten, ist im Fünfmeterraum, allerdings wird der Winkel letztendlich zu spitz, um Hitz am kurzen Pfosten zu überrumpeln.

26. Min.: TOOOOOOR, 1:0 für Werder, Theodor Gebre Selassie. Delaney köpft Junuzovic’ Freistoßvariante von der Grundlinie aus zurück an den Fünfmeterraum; dort setzt sich Kruse im Luftduell mit Hinteregger und Ji durch, wovon Gebre Selassie profitiert und aus Nahdistanz abstaubt.

28. Min.: TOR, 1:1 für den FCA, Jonathan Schmid. Wie gewonnen, so zerronnen. Nach einem Augsburger Befreiungsschlag kann Garcia im Zweikampf mit Bobadilla nichts ausrichten, der Paraguayer leitet artistisch mit der Hacke weiter in den Lauf von Schmid, der durch Sanés Stellungsfehler die entscheidenden zwei Meter Vorsprung erhält und allein vor Wiedwald ins kurze Eck verwandelt.

33. Min.: Gebre Selassie wird doch wohl nicht… nein, leider noch nicht, denn Kruses von der rechten Seite aus geschlagene Flanke in Richtung des Tschechen an den langen Pfosten ist etwas zu weit, um daraus einen kontrollierten Torabschluss folgen zu lassen.

41. Min.: Offener Schlagabtausch von beiden Kontrahenten. Es geht rauf und runter, allerdings noch ohne weitere klare Torchancen.

45. Min. + 1: Der Halbzeitpfiff von Schiri Dingert unterbricht einstweilen diese muntere Partie.

Werder verspielt drei Punkte

Bitterer Moment der Entscheidung: Bobadilla trifft zum Sieg für den FCA (Foto: Nordphoto).

56. Min.: Die Augsburger agieren in dieser Anfangsphase des zweiten Durchgangs doch etwas zurückhaltender und überlassen den Bremern vermehrt Ballbesitz und Spielanteile.

64. Min.: ELFMETER für den SVW! Mit einem blitzartigen Haken dringt Gnabry in den Augsburger Strafraum ein, Kohr und Hinteregger hängen dem Nationalspieler im Rücken, ziehen, zerren und bringen ihn dann zu Boden. Klare Sache!

65. Min.: TOOOOOOOOOOR, 2:1 für den SVW, Max Kruse. Keine Chance für Marwin Hitz; Kruse hat sich den Augsburger Keeper ausgekuckt, der springt vom Schützen aus nach links, während Werders Angreifer eiskalt flach rechts einschiebt.

76. Min.: Diiiiiiiiie große Chance zur Vorentscheidung! Wie an der Schnur gezogen kombinieren sich die Bremer aus der eigenen Hälfte heraus; daraufhin bedient Kruse am gegnerischen Strafraum per Geistesblitz den eingewechselten Johannsson, dem jedoch frei vor dem Tor der Abschluss misslingt.

79. Min.: TOR, 2:2 für den FCA, Ja-Cheol Koo. Aus dem Nichts fängt sich Werder hier den Ausgleich. FCA-Kapitän Verhaegh wird nicht angegriffen, bringt eine Bogenlampe an den langen Pfosten, wo Koo Gegenspieler Delaney entwischt und direkt vollendet.

83. Min.: Folgerichtig spüren die Gastgeber den Rückenwind. Max tritt einen tückischen Freistoß, der sich erst spät senkt und Wiedwalds Rettungstat mit einer Hand nötig macht.

86. Min.: Direkter Freistoß für den SVW, Gnabry versucht es aus 23 Metern, aber Hitz ist mit den Fäusten zur Stelle.

90. Min. + 4: TOR, 3:2 für den FCA, Raúl Bobadilla. Unfassbar! Augsburgs bestem Mann fällt doch noch einmal am Elfmeterpunkt der Ball vor die Füße, Bobadilla reagiert schneller als Garcia und trifft zum Lucky Punch.

90. Min. + 5: Abpfiff! Ist das bitter!


Fazit:
Defensiv war dem SVW der Ausfall von zwei Stammkräften zunächst etwas anzumerken. Ein paar Abstimmungsschwierigkeiten sowie in manchen Szenen zu wenig Druck und der rechtzeitige Kontakt zu den Gegenspielern im letzten Drittel vor dem eigenen Tor ermöglichten dem FCA zunächst wiederholt gefährliche Eingaben in den Strafraum. Dort rieben sich Werders Innenverteidiger insbesondere an der unermüdlichen Dampframme Raúl Bobadilla auf. Doch nach leichten Anlaufproblemen kamen auch die Bremer immer besser in Fahrt. Umso ärgerlicher war, dass sie unmittelbar nach ihrer Führung zu weit aufrückten und die Gastgeber sofort Kapital daraus schlagen konnten. Die kurz aufeinander folgenden Tore gaben dem Spiel noch einmal eine Initialzündung. Es entwickelte sich ein kurzweiliges Hin und Her mit einigen Offensivszenen auf beiden Seiten. Nach Wiederanpfiff wurde Werder von Minute zu Minute dominanter, beschäftigte die Augsburger in deren Hälfte, die dadurch kaum noch Raum zur Entfaltung fanden. Kruses Elfmetertor hatte die zu dem Zeitpunkt souverän auftretenden Gäste eigentlich schon auf die Siegerstraße gebracht, ehe sie in einer kuriosen Schlussphase doch noch alles verspielten.