Lehrmeister Planus

Lamine Sané kommuniziert und dirigiert sehr gerne - wie hier im Testspiel gegen Ingolstadt (Foto: nordphoto).
Profis
Mittwoch, 17.08.2016 // 17:33 Uhr

Von Yannik Cischinsky

Als Lamine Sané in Herzlake zum ersten Mal den Trainingsplatz betrat, rieben sich nicht nur einige Fans verwundert ihre Augen. Gleich in der ersten Einheit gab der Neuzugang von Girondins Bordeaux Kommandos – und zog das gesamte Programm durch. Dabei sollte der lange verletzte Innenverteidiger behutsam aufgebaut und langsam ans Team herangeführt werden, so zumindest der Plan. Doch Sané ackerte, dirigierte und kam sogar in den beiden letzten Testspielen zum Einsatz. „Mir geht es physisch super, das Knie ist stabil. Deshalb gibt es keinen Grund, warum ich der Mannschaft nicht zur Verfügung stellen sollte“, blickt der 29-Jährige gegenüber WERDER.DE auf seine ersten Tage bei Werder zurück.

Am Mittwoch allerdings machte Sané eine erste Trainingspause. Grund zur Sorge gibt es aber nicht. „Nachdem ich mein Knie über längere Zeit belastet habe, war heute eine Pause vorgesehen. Das stand auf meinem regulären Trainingsplan vom Verein“, wiegelt er mit einem süffisanten Lächeln ab. Sané wirkt entspannt und selbstsicher. Neben dem Platz meistert er meist seelenruhig und gut gelaunt jede Interviewsituation, auf dem Rasen dagegen schlägt Sané auch mal lautere Töne an. Den Teamkollegen gefällt das gut. Von ihnen bekam der kommunikative Senegalese in den vergangenen Tagen viel Lob für seine Art und Weise, sich vom ersten Tag an einzubringen.

Im Training kann Lamine Sané nach seiner Knie-OP ohne Probleme mitwirken (Foto: nordphoto).

„Man merkt sofort seine Präsenz und seine Erfahrung, das tut uns sehr gut. Er hat sich unheimlich schnell eingefügt, will Verantwortung übernehmen und dirigiert schon“, wird beispielsweise Kapitän Clemens Fritz zitiert. Sané freut sich über diese Komplimente, seine Art ist für ihn aber kein Grund für größere Schlagzeilen. „Ein Abwehrspieler muss ohne Wenn und Aber kommunikativ sein. Bei Bordeaux hatte ich mit Marc Planus einen großartigen Lehrmeister. Ich bin hierhergekommen, um diese Erfahrung weiterzugeben“, sagt Sané.

Seine gesamte Karriere verbrachte Marc Planus bei Girondins. Der französische Innenverteidiger, der vergangenen Sommer die Fußballschuhe an den berühmten Nagel hing, ist eine Legende im Klub. Und fast wäre es Sané ähnlich ergangen wie dem ehemaligen Teamkollegen, doch nach acht Jahren im Trikot des Traditionsvereins sehnte er sich nach einer neuen Herausforderung. Aus der Atlantikküste wurde der Weserstrand, aus Ligue 1 wird bald Bundesliga und das bedarf laut Sané doch einer gewissen Umstellung. „Ich muss mich schon etwas an das Training gewöhnen“, gibt er zu. „Das Training ist hier in Deutschland ganz anders als in Frankreich. Während wir dort vielleicht einmal die Woche eine längere Einheit hatten, wird hier zwei- bis dreimal sehr hart trainiert. Aber ich habe mich einfach sofort reingestürzt und mich gut eingelebt.“

In vier Tagen wartet mit der Erstrundenbegegnung im Pokal der erste wirkliche Einsatz auf die Grün-Weißen. Mit dem Duell gegen Drittligist Lotte endet die Vorbereitungszeit endgültig. Und auch wenn Sané für seine Eingewöhnung noch deutlich längere Zeit in Anspruch nehmen könnte, signalisiert er bereits jetzt jegliche Einsatzbereitschaft: „Natürlich ist die Aufstellung die Entscheidung des Trainerteams, aber ich stehe bereit und würde gerne für die Mannschaft eintreten.“