"Wie jede Woche Champions League"

Interview mit Thomas Delaney

Am Montag warf Thomas Delaney einen ersten Blick ins Weser-Stadion (Foto: WERDER.DE).
Interview
Montag, 02.01.2017 // 18:41 Uhr

Das Interview führte Markus Biereichel

Selten liegt im Profifußball so viel Zeit zwischen Vertragsunterschift und Arbeitsbeginn. Innerhalb weniger Wochen, manchmal gar in wenigen Tagen gehen Transfers über die Bühne und es bleibt nur kurze Zeit, sich umzustellen. Nicht so bei Thomas Delaney. Bereits im Sommer unterzeichnete der dänische Nationalspieler sein Arbeitspapier bei den Grün-Weißen. 138 Tage später geht es jetzt richtig los. Am Montag absolvierte Delaney sein erstes Training an der Weser. 

WERDER.DE begleitete den 25-Jährigen von den ersten Leistungstest über einen Rundgang durchs Weser-Stadion bis hin zum ersten Interview. In dem Gespräch erzählt Delaney, der bei Werder zukünftig die Rückennummer sechs tragen wird, von seinem Abschied aus Kopenhagen, Gesprächen mit Landsleuten im Werder-Trikot und ein ungewöhnliches Abschiedsgeschenk.

WERDER.DE: Thomas, schön dich endlich in Bremen anzutreffen, schließlich ist nun schon fast ein halbes Jahr seit deiner Unterschrift vergangen. Bist du auch glücklich, dass es endlich bei Werder losgeht?

Thomas Delaney: „Ja, das bin ich. Aber es war auch gut, diese Zeit zum Deutschlernen gehabt zu haben und entspannt eine Wohnung finden zu können. Das Warten hat sich gelohnt.“

Der Däne trägt bei Werder zukünftig die Rückennummer sechs (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Du warst also häufiger hier in Bremen oder wie muss man das verstehen?

Thomas Delaney: „Ich war dreimal hier. Einmal bevor ich unterschrieben haben, dann einmal für die Unterschrift und einmal um ein paar Wohnungen zu besichtigen. Heute bin ich also zum vierten Mal in Bremen.“

WERDER.DE: In der Geschichte gab es einige dänische Spieler bei Werder wie Ole Björnmose, Leon Andreasen, Daniel Jensen oder zuletzt Jannik Vestergaard. Bei wem hast du dir Erkundigungen eingeholt?

Thomas Delaney: „Mit Jannik und Daniel habe ich mich unterhalten. Beide haben sehr positiv über Werder gesprochen.“

WERDER.DE: Was haben sie dir erzählt?

Thomas Delaney: „Vorweg: Ich wusste auch so schon einiges über Werder. Es ist ein großer Klub mit viel Tradition. In den Gesprächen mit Jannik ging es dann eher um das Team, um die Stadt und wie das Leben in Bremen ist. Werder ist der einzige größere Sportverein in Bremen, es gibt keine Konkurrenz. Alles dreht sich um Werder. Im Treppenhaus meiner neuen Wohnung habe ich genau zwei Leute getroffen, beide haben Dauerkarten für das Weser-Stadion. Ich glaube, das sagt einiges (lacht). Ich freue mich wirklich darauf in einem Verein zu spielen, hinter dem die ganze Stadt steht.“

WERDER.DE: Während der letzten Monate warst du ein Dauerthema in den Medien rund um Werder, in dich werden bereits große Erwartungen gesetzt. War dein Abschied auch in Kopenhagen ein großes mediales Thema?

Thomas Delaney: „Die letzten Monate waren wirklich etwas komisch. Ich hatte einige Unterhaltungen darüber, wie es sich wohl anfühlt, den Klub zu verlassen und wie es ist, wenn Kopenhagen Champions League spielen sollte und ich bei Werder. Aber ich war mir mit meiner Entscheidung sehr sicher. Ich konnte befreit aufspielen, da meine Zukunft geklärt war und habe vielleicht die besten sechs Monate meiner bisherigen Karriere gespielt. Mir sind einige Tore gelungen. Es waren gute sechs Monate.“

Vermutlich gibt es keinen besseren Verein, zu dem ich hätte gehen können
Thomas Delaney

WERDER.DE: Du hast deine gesamte Karriere beim FC Kopenhagen verbracht. Welche Bedeutung hat für dich Vereinstreue?

Thomas Delaney: „Ich kenne ja gar nichts anderes als Loyalität zu einem Verein. In der Jugend habe ich bei KB (Kjøbenhavns Boldklub) gespielt, das sind die Nachwuchsmannschaften des FC Kopenhagen. Ich war also alles in allem 22 Jahre im Verein. Möglicherweise fühle ich mich einfach gut in einer Umgebung, in der ich die Leute kenne, wo ich weiß, was ich von ihnen erwarten kann. Ich hoffe, dass ich hier das gleiche erfahre und der gleiche Spieler sein kann, wie in Kopenhagen.“

WERDER.DE: Es gab einige bewegende Bilder von deinem Abschied. Das war sicherlich kein einfacher Moment für dich...

Thomas Delaney: „Definitiv nicht. Das hat mich umgehauen. Es ist schwierig, die Gefühle noch einmal zu beschreiben, aber die Szenen im Stadion haben mir schlichtweg den Atem geraubt.“

Blick trotz Erfahrung als Kapitän demütig auf seine Aufgaben: Tomas Delaney (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Und zum Abschied gab es einen Kugelschreiber…

Thomas Delaney (lacht): „Ja, das stimmt. Das war schon sehr speziell. Man erwartet vielleicht eine Uhr oder sowas, aber dann gab es einen Stift.“

WERDER.DE: Blicken wir in die Gegenwart. Hattest du schon die Möglichkeit, dich mit deinen neuen Teamkollegen vertraut zu machen?

Thomas Delaney: „Nein, nicht wirklich. Bei den bisherigen Besuchen war nie jemand da. Bevor ich mir die Werder-Spiele im TV angesehen habe, kannte ich Clemens Fritz, Claudio Pizarro und Max Kruse. Das sind die drei Akteure mit den größten Namen, die bekanntesten Werderaner in Dänemark. Aber ich habe mir einiges angesehen um zu verstehen, welchen Stil die anderen Spieler spielen und wie ich da hineinpassen könnte.“

WERDER.DE: In Kopenhagen warst du Kapitän, einer der Führungsspieler. Hast du eine klare Erwartungshaltung an die Mannschaft und eine Vorstellung, wie du dich einbringen möchtest?

Thomas Delaney: „Nein. Ich denke am Anfang ist es wichtig, demütig zu sein. Natürlich möchte ich spielen und ich habe hohe Erwartungen an mich, aber ich muss erst noch lernen in der Bundesliga zu spielen. Ich komme von einem 'großen Klub in einer kleinen Liga', wie ich es nennen würde. Wir haben zwar in der Champions League gespielt, aber das hier wird jede Woche wie Champions League für mich werden. Ich muss erst ein Gefühl für die Liga entwickeln. Selbstverständlich hoffe ich trotzdem, dass ich so schnell wie möglich meine Qualitäten einbringen kann.“

WERDER.DE: Für einen ambitionierten Spieler wie dich kommt der Schritt aus Dänemark weg vermeintlich spät. Viele Fußballer verlassen ihren Heimatverein schon mit 21 oder 22, um in einer der großen Ligen den nächsten Schritt zu machen. Verfolgst du einen Karriereplan und welche Stufe ist Werder auf deinem Weg?

Thomas Delaney: „Es war nicht beabsichtigt, dass ich Dänemark so 'spät' verlasse. Vielleicht war ich einfach nicht gut genug (lacht). Wenn ich schon mit 21 oder 22 bei Werder hätte spielen können, wäre das großartig gewesen. Nein, meine Einstellung war klar: Ich wollte nicht weggehen um dann wiederzukommen, ganz einfach. So, wie wir Werder in Dänemark sehen, ist Werder ein traditionsreicher, großer Klub, der weiter oben stehen müsste als es die Tabelle momentan widerspiegelt. Ich möchte ein Teil davon sein, Werder wieder zu dem Verein im oberen Mittelfeld zu machen. Außerdem glaube ich, die Bundesliga passt sehr gut zu mir was das Tempo und die Spielweise betrifft. Es war mein absoluter Wunsch, in der Bundesliga zu spielen.“

WERDER.DE: Dennoch gab es einige Gerüchte, dass andere Vereine an dir interessiert seien, obwohl dein Wechsel zu Werder bereits feststand. Hast du davon gehört?

Thomas Delaney: „Ja, ich habe davon in der Zeitung gelesen. Ich war sehr erleichtert, als ich damals bei Werder unterschrieben und diese Chance erhalten habe. Ich denke, dass es ein wichtiger Schritt ist und ich hier eine gute Rolle spielen kann. Es ist mir wichtig, nicht zu überdrehen sondern einen Ort zu finden, an dem das Team mich besser machen kann, an dem ich weiter lernen kann. Das finde ich hier. Vermutlich gibt es keinen besseren Verein, zu dem ich hätte gehen können.“

 

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