"Wollen bessere Strukturen schaffen"

Geschäftsführer Frank Baumann im Interview

Hat nach seinem Amtsantritt zahlreiche Strukturen analysiert und geht engagiert an seine neue Aufgabe als Geschäftsführer Sport: Frank Baumann (Foto: Heidmann).
Interview
Mittwoch, 17.08.2016 // 12:04 Uhr

Das Interview führte Martin Lange

Seit knapp drei Monaten trägt Frank Baumann als neuer Geschäftsführer die Verantwortung. Nicht zuletzt aufgrund der Transferperiode landete gleich in seinen ersten Wochen jede Menge Arbeit auf dem Schreibtisch des 40-Jährigen. Das Gesicht der Mannschaft hat sich mit zehn Neuzugängen, zwei Rückkehrern und insgesamt 13 Abgängen stark verändert. Im Interview erläutert Baumann die Kaderzusammenstellung, blickt noch einmal auf seine einjährige Auszeit und die spannenden ersten Monate in neuer Funktion zurück und erklärt die Prinzipien seiner Arbeit.

WERDER.DE: Zwischen Ihrer vorherigen Tätigkeit als Direktor Profifußball und Scouting und der jetzigen Aufgabe lagen einige Monate. Was war besonders schön an dieser Zeit?

Frank Baumann: „Nicht getrieben zu sein vom Anspruch, im Job möglichst gut zu arbeiten. Schon früher war meine Aufgabe bei Werder enorm zeitintensiv. Nun konnte ich mir die Zeit selbst einteilen, viel mit der Familie unternehmen, musste nicht von Termin zu Termin hetzen, sondern hatte auch mal ein bisschen Muße, mich mit anderen Dingen zu beschäftigen.“

WERDER.DE: Was war die interessanteste Erfahrung in dieser Zeit?

Frank Baumann: „Ich habe viel Neues kennengelernt. Es gab tolle Momente, egal, ob als Jugendtrainer der Mannschaft meines Sohnes oder das Glück, mit der Familie einfach mal ein freies Wochenende zu haben. Ich hatte auch Zeit dafür, ganz gezielt Sport zu treiben. Der Marathon, den ich im Oktober in Bremen gelaufen bin, war ein besonderes Erlebnis. Das wollte ich schon immer machen, nun hatte ich endlich die Zeit, mich zwölf Wochen lang gezielt darauf vorzubereiten.“

Arbeitet eng mit dem Trainerteam zusammen: Geschäftsführer Frank Baumann (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Wann hat es wieder in den Fingern gekribbelt?

Frank Baumann: „Eigentlich gar nicht, ich war sehr entspannt. Es gab immer mal Anfragen und Angebote, aber ich wollte wirklich ein Jahr lang nichts annehmen. Und wenn sich jetzt nichts passendes, keine spannende Aufgabe angeboten hätte, dann hätte ich die Auszeit auch durchaus noch verlängert.“

WERDER.DE: Dazu ist es letztlich nicht gekommen...

Frank Baumann: „... weil das Angebot, den Posten als Geschäftsführer Sport zu übernehmen, einfach zum richtigen Zeitpunkt kam. Es ist insgesamt eine passende Konstellation, mit den handelnden Personen in den entscheidenden Positionen – also in der Geschäftsführung, im Aufsichtsrat, im Trainerteam – und mit weiteren Mitarbeitern, mit denen ich schon in der Vergangenheit vertrauensvoll zusammengearbeitet habe.“

WERDER.DE: Was empfinden Sie als wichtigstes Rüstzeug für diese Arbeit?

Frank Baumann: „Alles gehört dazu: die Erfahrung als Profi, die ganz wichtige Lehrzeit bei Klaus Allofs und Thomas Eichin, außerdem die Tatsache, dass ich schon damals in vielen Bereichen eigenverantwortlich arbeiten konnte. Dazu hilft häufig ein gesunder Menschenverstand... (lacht)“

WERDER.DE: Was sind grundsätzlich die Prinzipien Ihrer Arbeit?

Frank Baumann: „Ich bin ein Teamplayer und versuche gleichzeitig, meine Mitarbeiter immer wieder anzuregen, selbstständig zu arbeiten. Alle wissen, dass wir intern kontrovers diskutieren können, jeder offen seine Meinung sagen darf. Natürlich muss ich dann häufig die endgültige Entscheidung treffen. Aber ich weiß, dass wir sehr gute Mitarbeiter brauchen, um erfolgreich zu sein.“

Wir sind als Club und mit unserer Mannschaft eine attraktive Adresse
Frank Baumann

WERDER.DE: Die Transferperiode neigt sich langsam dem Ende entgegen. Welche Philosophie verfolgen Sie bei der Zusammenstellung einer Mannschaft?

Frank Baumann: „Es ist natürlich keine Aufgabe, bei der man auf ein weißes Blatt alle seine Wunschspieler schreibt. Ausgangspunkt ist immer die aktuelle Mannschaft. Also haben wir geschaut, auf welchen Positionen wir gut besetzt sind, wie die Altersstruktur ist, die Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern, aus Mannschaftsspielern, Führungsspielern und starken Individualisten. Und dann haben wir Ideen entwickelt und geprüft, was machbar ist. Natürlich spielen auch die Vereins- und die Spielphilosophie eine Rolle bei der Frage, welche Spielertypen man braucht.“

WERDER.DE: Das Gesicht der Mannschaft hat sich dabei stark verändert...

Frank Baumann: „... und wir werden eventuell auch im nächsten Jahr, zum Beispiel bei einem möglichen Karriereende von Clemens Fritz oder Claudio Pizarro, noch mal den einen oder anderen wichtigen Spieler verlieren. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Daher ist es wichtig, mittelfristig zu denken, nachhaltig zu planen, auf Veränderungen, die manchmal überraschend kommen, vorbereitet zu sein. Wir können uns auf dem Transfermarkt nicht im ‚obersten Regal‘ bedienen, weil wir finanziell und sportlich in einer anderen Liga spielen als Konkurrenten in der Bundesliga und im Ausland. Dennoch sind wir als Club und mit unserer Mannschaft eine attraktive Adresse. Deshalb gibt es immer gute Spieler, die zu uns wollen.“

Neu in Bremen: In der laufenden Transferperiode hat sich personell einiges getan (Foto: Heidmann).

WERDER.DE: Auch das Funktionsteam, das rund um die Mannschaft arbeitet, wird immer wichtiger.

Frank Baumann: „Die Anforderungen sind in den vergangenen Jahren weiter gestiegen. Viele Bereiche im Fußball und im Sport allgemein sind noch nicht ausgeschöpft. Allen Clubs ist bewusst geworden, dass sie vieles noch weiter professionalisieren und dafür Fachleute holen müssen. Die Zeiten, in denen lediglich ein Trainer mit Co-Trainer, Torwart-Trainer und Physiotherapeut gearbeitet hat, sind vorbei. Im athletischen, präventiven, therapeutischen und medizinischen Bereich, bei der Spiel- und Spieleranalyse, bei der Ernährung – überall wollen wir noch bessere Strukturen und Arbeitsbedingungen schaffen. Wir machen nicht jeden Modetrend mit. Aber wir schauen immer, wo wir uns sinnvoll verbessern können, um die Spieler noch optimaler auf die Spiele vorzubereiten.“

WERDER.DE: Was erwarten Sie von der Mannschaft in dieser Saison?

Frank Baumann: „Dass wir jeden Tag mit Begeisterung und Leidenschaft arbeiten, speziell in die Spiele alles reinlegen und nie zufrieden sind.“

WERDER.DE: Werden Sie bei der Zielstellung für diese Saison mutig sein oder die Ziele lieber etwas defensiver formulieren?

Frank Baumann: „Wir werden intern – gemeinsam mit dem Trainerteam und der Mannschaft – mutig sein. In der Kommunikation nach außen tun uns eine gewisse Demut und Zurückhaltung gut.“

WERDER.DE: Wohin soll der Weg von Werder Bremen führen?

Frank Baumann: „Wir wollen uns im harten Wettbewerb der Bundesliga so aufstellen, dass wir möglichst erfolgreich und auf Dauer fester Bestandteil der ersten Liga sind. Wir wollen uns im gesicherten Mittelfeld bewegen, um dann mit wachsender Stabilität nach mehr zu streben. Für den Club geht es darum, anfassbar zu bleiben, die einzigartige Kultur zu pflegen, den Zusammenhalt mit der Stadt und den Fans. Diese Besonderheiten sollen auch in 20 Jahren noch Bestand haben. Wir wollen die Werte, die Werder auszeichnen, bewahren und im Alltag leben.“

 

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