Teamplayer und Individualist

Serge Gnabry ist in Bremen schnell zum Leistungsträger gereift (Foto: nordphoto).
Profis
Donnerstag, 13.10.2016 // 18:40 Uhr

Von Yannik Cischinsky

Bremen ist eine Radfahrer-Stadt. Ob entlang der Weser, mitten im Zentrum oder auf den breiten Zufahrtsstraßen – so gut wie überall sind die Fahrradfahrer die heimlichen Herrscher der Hansestadt. Für manch einen sind die Bremer gar die verrücktesten Verkehrsteilnehmer der Welt. Dass Serge Gnabry am Donnerstagmittag mit dem Zweirad am Weser-Stadion aufschlug, hat allerdings weniger damit zu tun, dass der Neu-Bremer aufgrund hoher Identifikation mit seiner neuen Heimat die Liebe zum Drahtesel entdeckt hat. „Ich habe einfach noch kein Auto hier und deshalb habe ich mir vom Hotel eins geliehen“, gab Gnabry trocken zu Protokoll.

Ohnehin machte der deutsche U 21-Nationalspieler mit ivorischen Wurzeln einen bodenständigen, geerdeten Eindruck auf dem Podium, die Kameras auf sich gerichtet. Und lebhafter wurde sein Auftreten auf der Pressekonferenz vor dem Leverkusen-Spiel auch, nachdem alle Fragen zu seinem Privatleben beantwortet waren. Dann nämlich ging es endlich um sein Lieblingsthema - den Fußball. Genau jener, mit dem er in den vergangenen Wochen so viele Schlagzeilen gemacht hatte.

Ist sich auch für keinen Zweikampf zu schade: Serge Gnabry (Foto: nordphoto).

Eine Euphorie aufgrund seiner zuletzt gezeigten Leistungen habe der 21-Jährige nicht gespürt. Er wirkt so, als würde ihn diese ohnehin nicht interessieren, selbst wenn er sie wahrnehmen würde. „Der Verein steht über allem. Ich freue mich, dass meine Leistungen positiv gesehen werde, doch ich bin nicht der Einzige auf dem Platz. Ich bin ein Teamspieler“, stellte er klar.

Die Bereitschaft, sich fürs Kollektiv aufzuopfern, hob auch Cheftrainer Alexander Nouri heraus. "Serge ist ein absoluter Teamplayer. Seine Schnelligkeit und sein Zug zum Tor sind von großer Qualität, trotzdem macht er auch immer wieder die langen Wege mit nach hinten. Diese Kombination aus Individualismus und Teamfähigkeit macht ihn einfach zu einem tollen Spieler“, formulierte Nouri. 

Auf dem Platz voll da, privat aber noch nicht ganz in Bremen angekommen (Foto: nordphoto).

Knapp sechs Wochen erst steht Gnabry bei Werder unter Vertrag, deutlich weniger Zeit verbrachte er davon in Bremen. Zwei erfolgreiche Länderspielreisen, Auswärtsspiele mit Werder – Zeit, sich einzuleben hatte er so gut wie keine. „Immerhin habe ich mittlerweile eine Wohnung gefunden“, verrät er. Und: „Im Verein habe ich mich von Beginn an sehr wohlgefühlt.“ Viel mehr kann er noch nicht sagen. Kein Wunder also, dass er von der 5. Bremer Jahreszeit noch nichts gehört hat. Freimarkt? „So etwas wie die Cannstatter Wasen“, springen dem gebürtigen Stuttgarter Frank Baumann und Nouri bei entsprechender Nachfrage bei: „Ein Volksfest.“

Ehrlich, schlagfertig und ähnlich handlungsschnell wie auf dem Feld hat Gnabry auch zum Freimarkt eine Antwort parat: „Außer Kinderkarussell fahre ich eher nichts. Aber ich werde mir den Freimarkt mal ansehen, wenn ich schon so einen Tipp bekomme.“ Anpassungsfähig scheint der Bremer Neuzugang also auf jeden Fall zu sein - auch wenn er zur Eingewöhnung bislang wenig Zeit hatte.