Gnabry: "Gehe gerne unter Leute"

Serge Gnabry nahm WERDER.DE mit auf einen Streifzug durch das Bremer Viertel (Foto: WERDER.DE).
Interview
Dienstag, 07.03.2017 // 18:41 Uhr

Das Interview führte Yannik Cischinsky

Über die letzten Monate von Serge Gnabry wurde viel geschrieben. Steil bergauf ging es für den 21-Jährigen seit dem letzten Sommer. Stammspieler in der Bundesliga, Top-Scorer des SV Werder, Nationalspieler, Shootingstar. Für Gnabry war es der Durchbruch in Deutschland. "Plötzlich berühmt" könnte man sagen, dabei sammelte er bei Arsenal und in der Metropole London schon früh Erfahrungen, wie es ist, in der Öffentlichkeit zu stehen.

WERDER.DE hat sich mit Gnabry im Bremer Viertel getroffen und sich dort, wo der Instagram-Liebhaber gerne für seine Fotos posiert, mit ihm über die Themen Berühmtheit, Öffentlichkeit und Selbstinszenierung unterhalten.

WERDER.DE: Serge, wann hast du das erste Mal bemerkt, dass du auf der Straße erkannt wirst?

Serge Gnabry: „Das ist schon etwas her. Früher, vor fünf, sechs Jahren als ich noch Spieler des VfB war und ich mich zuhause in meinem Bezirk bewegt habe. Und auch außerhalb meines Zuhauses war es dann, als der Durchbruch bei Arsenal gelang.“

WERDER.DE: Was war das damals für ein Gefühl?

Serge Gnabry: „Es fällt mir schwer, das zu beschreiben und sich da genau daran zu erinnern. Man rechnet da erstmal gar nicht mit. Es war auf jeden Fall sehr komisch die Leute plötzlich tuscheln zu hören und zu merken, dass man der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit ist. Du bekommst Blicke, die du nie vorher bekommen hast. Das ist schon ein komisches Gefühl.“

Steht lieber auf dem Platz als vor der Kamera: Serge Gnabry (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Fühlt es sich immer noch komisch an?

Serge Gnabry: „Nein, ich denke nicht. Man achtet nicht mehr darauf, da man weiß, dass ohnehin Getuschel und Blicke kommen.“

WERDER.DE: Bist du manchmal genervt davon?

Serge Gnabry: „Nein, nervig ist es nicht. Auch als Profi-Fußballer, als Person des öffentlichen Lebens, würde man sich natürlich manchmal gerne so frei wie möglich draußen bewegen, durch die Straßen laufen, insbesondere wenn man mit der Familie unterwegs ist. Aber erkannt zu werden gehört dazu.“

WERDER.DE: Hast du dein Verhalten verändert seitdem du bemerkt hast, dass du erkannt wirst?

Serge Gnabry: „Nein, als Person kann ich mich gar nicht verändern, aber man wird häufiger dazu gezwungen, abzuwägen, ob man die Öffentlichkeit will oder nicht. Wenn man mit Freunden oder Familie unterwegs ist und es gibt einen riesigen Ansturm, alle warten neben dir. Das ist nicht so schön.“

WERDER.DE: Es gibt Fußballer, die versuchen die Öffentlichkeit weitestgehend zu meiden…

Serge Gnabry: „Auch das kann ich nachvollziehen, aber ich bin ein anderer Typ und sehe das anders. Ich gehe gerne unter Leute, ich bin gerne im Café, auch wenn viel los ist. Mir macht das nichts aus. Ich kann allerdings verstehen, dass es dem einen oder anderen nicht gefällt.“

Auch erwachsene Männer können sich über Fußball freuen wie kleine Kinder
Serge Gnabry

WERDER.DE: Gibt es in Puncto "erkannt werden" einen Unterschied zwischen London und Bremen?

Serge Gnabry: „Ich denke ja, weil die Stadt sehr viel kleiner ist. In London gibt es noch andere Vereine und auch im Klub ganz andere Kaliber. Da habe ich schon einen großen Unterschied zwischen mir und anderen Spielern auf der Straße bemerkt. In meinem Wohnviertel etwas außerhalb von London wurde ich erkannt, von den Schulkindern, von den Leuten auf der Straße. War ich aber in der City oder im Süden der Stadt, wurde ich deutlich weniger erkannt. Dort sind eher die Chelsea-Idole angesagt.“

WERDER.DE: Es sind ja aber nicht nur die Schulkinder oder Teenager, die dir ihre Bewunderung zum Ausdruck bringen, sondern auch gestandene Männer. Wie gehst du als 21-Jähriger damit um?

Serge Gnabry: „Das ist definitiv manchmal komisch. Allerdings hat das Alter meiner Meinung nach gerade im Sport wenig zu sagen. Auch erwachsene Männer können sich über Fußball freuen wie kleine Kinder.“

Serge Gnabry im Interview über Inszenierung, Promis und Öffentlichkeit (Foto: WERDER.DE).

WERDER.DE: Fühlst du dich als Promi?

Serge Gnabry: „Nein, gar nicht.“

WERDER.DE: Aber du bist ein bekannter deutscher Fußballer und Nationalspieler…

Serge Gnabry: „Prominente sehe ich im Fernseher, in Talkshows beispielsweise. Ich gehe jeden Tag auf den Trainingsplatz, ich arbeite da. Und auch wenn ich dabei beobachtet werde, muss ich nicht jeden Tag vor der Kamera schauspielern oder reden. Deshalb sehe ich mich nicht als Promi.“

WERDER.DE: Denkst du über bestimmte Dinge intensiver nach, die du in der Öffentlichkeit tust, zum Beispiel im Restaurant?

Serge Gnabry: „Nein. Ich konzentriere mich nicht darauf, wie andere mich in diesen Situationen sehen und verhalte mich danach. Ich esse im Restaurant das, worauf ich Lust habe und nicht nur Salat (lacht). Aber natürlich muss ich als Sportler ohnehin auf meine Ernährung achten.“

WERDER.DE: Wie ist das mit Klamotten?

Serge Gnabry: „Ich ziehe mich gerne gut an, das war schon immer so. Aber ich ziehe mich nicht anders an, weil mich jetzt mehr Leute sehen. Ich würde Fußball und Fashion trennen, das zweite ist ein privates Interesse.“

WERDER.DE: Gibt es ein Vorbild?

Serge Gnabry: „ASAP Rocky, ein Rapper aus Amerika.“

Off White - that's my favourite.

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WERDER.DE: Ein stückweit inszenierst du dich als Person ja auch, zum Beispiel über deine Social-Media-Profile. Wie viel Wert legst du darauf, in einer bestimmten Art und Weise wahrgenommen zu werden?

Serge Gnabry: „Das Hauptaugenmerk sollte auf mir als Fußballer liegen, aber ich interessiere mich auch für Mode, scrolle durch Instagram, schaue, was trendy ist, suche nach Locations, die für Fotos etwas hermachen und knipse dann auch gerne Mal ein Foto an diesem Ort. Warum auch nicht?"

WERDER.DE: Dir folgen über eine halbe Millionen Menschen bei Instagram. Ist dir bei dem was du postest bewusst, wie viele sich das angucken? Schaust du dir an, wie viele Leute welches Foto geliked haben?

Serge Gnabry: „Ich denke nicht, dass die Zahlen bewusst einen Wert für mich haben. Das ist für mich eine Plattform, auf der ich Einblicke in mein Leben gebe und ich mich nicht in erster Linie inszeniere. Es sind Momente, die ich teilen möchte. Das hat einen größeren Wert als die Anzahl der Menschen, die mir folgen oder die gesammelten Likes.“

WERDER.DE: Wer ist eigentlich das kleine Mädchen, das häufig in deinen Instagram-Stories zu sehen ist? Denkst du darüber nach, dass du sie jetzt 500.000 Followern präsentierst?

Serge Gnabry: „Das ist meine kleine Cousine (lacht). Klar denke ich darüber nach, sonst hätte ich es nicht gepostet. Für mich gehört die Familie zu meinem Leben dazu und mit diesen kleinen Videos kann ich festhalten, was ich gerade so mache. Ich habe sie zur Schule gebracht, das gehört dazu.“

WERDER.DE: Findest du, du gibst durch deine Berühmtheit viel Privatsphäre auf?

Serge Gnabry: „Jeder hat ja eine Wahrnehmung von Privatleben. Natürlich teile ich mit dem Internet nicht alles, was ich mache. Ich gebe gerne Situationen preis, wenn ich mit Leuten zusammen bin, die ich gerne mag, aber dadurch gebe ich ja nicht mein Privatleben auf. Ich entscheide ja, was ich preisgebe.“

WERDER.DE: Wie ist das bei Geschichten in den Medien, wenn es beispielsweise um deine Freundin und ihren Bruder geht, der bei Schalke spielt?

Serge Gnabry: „Da stand ja nichts Schlimmes drin. Sie ist nun mal meine Freundin. Das ist ein gefundenes Fressen für die Medien, uns hat das aber nicht bewegt.“

WERDER.DE: Was hat sich durch deine Karriere als Profi-Fußballer für deine Familie geändert?

Serge Gnabry: „Die Wahrnehmung dort, wo ich herkomme, hat sich verändert, keine Frage. Dort kennen dich, deine Eltern, deine Familie einfach mehr Leute.“

WERDER.DE: Und innerhalb der Familie?

Serge Gnabry: „Nicht viel. Wenn ich frei habe, besuche ich gerne meine Familie, ich bin oft bei ihnen. Wir machen immer noch die Dinge, zu denen wir Lust haben. Sie behandeln mich wie früher, ich behandele sie wie früher. Ich denke, dass man sich darüber nicht zu viele Gedanken machen sollte.“

WERDER.DE: Als Fußballer, als Person des öffentlichen Lebens, bist du für viele Jugendliche ein Vorbild. Denkst du darüber nach?

Serge Gnabry: „Darüber schon, muss ich sagen. Gerade wenn man sieht, wie viele Kinder ankommen und zu einem hochschauen, unbewusst übernehmen, wie man sich verhält. Dort, wo man gesehen wird, sei es auf dem Platz oder auf der Straße, sollte man darauf achten, wie man sich verhält und keine Dummheiten machen.“

WERDER.DE: Was nimmst du dir in dieser Hinsicht vor - auf und neben dem Platz?

Serge Gnabry: „Auf dem Platz sind das zum Beispiel unnötige Karten oder Unsportlichkeiten. Aber ich bin von Haus aus nicht der Typ, der komplett über die Emotionen kommt. Da sind andere vielleicht eher gefährdet. Dadurch, dass man Fußball spielt, kann man sich abseits des Platzes mehr leisten und natürlich gönne ich mir auch das, was ich für wichtig halte, aber es hat für mich keinen so großen Stellenwert, dies in der Öffentlichkeit darzustellen. Es gibt Leute, die legen Wert darauf teure Marken zu präsentieren…“

 

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