Mit Geduld und Entschlossenheit gegen Werders Widerstand

Anschwitzen - der VfL Wolfsburg vor dem Gastspiel in Bremen

Noch wartet Nationalspieler Mario Gomez auf das erste Tor für seinen neuen Klub VfL Wolfsburg (Foto: nordphoto).
Profis
Samstag, 24.09.2016 // 09:05 Uhr

Von Maximilian Hendel

Um etwa eine nicht alltägliche Begebenheit x über Akteur y aus dem Bundesligageschehen heraus besonders hervorzuheben, wird die mediale Anteilnahme daran stets aufs Neue mithilfe der gern bemühten Redensart „alle Augen waren auf … gerichtet“ eingeleitet. Entsprechend waren am vergangenen Mittwochabend also alle Augen auf Alexander Nouri gerichtet. Von einem Besucher ist sogar verbürgt, dass er seinen Blick tatsächlich zu einem Zeitpunkt schon ganz besonders auf Werders Interimscoach fokussierte, als die allermeisten anderen Zuschauer noch im Stadionheft schmökerten oder am Würstchengrill anstanden. 

Dafür blieb Dieter Hecking allerdings keine Zeit. Der Wolfsburger Cheftrainer hatte in Vorbereitung des eigenen Gastspiels am heutigen Samstag um 18.30 Uhr im Weser-Stadion die intensive Gegner- und nicht zuletzt Trainerbeobachtung der Grün-Weißen selbst live vor Ort übernommen. „Es war mir wichtig, seine Handschrift anzugucken“, erläuterte Hecking am Tag danach auf der Pressekonferenz des gegenwärtigen Tabellen-Zehnten und detaillierte: „Ich habe ihn auch beim Warmmachen beobachtet, wie er versucht hat, die Mannschaft mit Leidenschaft zu pushen.“ Überhaupt haben „die Bremer das phasenweise dann sehr, sehr ordentlich gemacht. Sie waren über 70 Minuten für mich die bessere Mannschaft, aber sie haben es nicht verstanden, das Spiel über die Ziellinie zu bringen."

Ein Tor & zwei Punkte nach der Länderspielpause

VfL-Cheftrainer Dieter Hecking beobachtete Werder am Mittwoch gegen Mainz im Weser-Stadion (Foto: nordphoto).

Wohlweislich schloss der 52-Jährige dennoch daraus: „Ich weiß, was uns da erwartet. Es war schon im letzten Jahr sehr viel Leidenschaft dabei. Von außen kommt mit Unterstützung ihres Publikum sehr viel Stimmung rein.“ Er wird seinen Spielern demnach die gewonnenen Eindrücke aus erster Hand schildern und genauso ausdrücklich vor dem inneren Schlendrian nebst dessen Fahrlässigkeiten abraten. Wobei Hecking anderseits wohl mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehend darf, dass seine Spieler im Duell mit Werder schon ganz von selbst einen weit überdurchschnittlichen Wiedergutmachungswillen an den Tag legen werden.

Denn die bislang zweieinhalb Wochen seit der Länderspielunterbrechung endeten - wenn auch trotz unangenehmer Kontrahenten - mit lediglich zwei torlosen Remis gegen Köln und Hoffenheim sowie zuletzt vor knapp vier Tagen der rein ergebnistechnisch haushohen 1:5-Heimniederlage gegen Borussia Dortmund überaus unbefriedigend. „Wir haben das Dortmund-Spiel aufgearbeitet. In der Defensive haben wir zu viele Fehler gemacht“, sagte Hecking. Jedoch hielt der VfL-Trainer bei aller geübten Kritik im späteren Gespräch mit Wölfe TV zugleich die Lichtblicke fest: „Wir sollten auch das fußballerisch Positive, das wir gegen Dortmund angeboten haben, mit nach Bremen nehmen.“ Zu was die Niedersachsen fähig sind, das bewiesen sie im Duell mit dem BVB offenkundig in einer langen Phase vor und nach dem zwischenzeitlichen 1:2-Hoffnungsschimmer, in der sie dem Vize-Meister haushoch überlegen waren und ihn defensiv unentwegt in Verlegenheit brachten.

Wolfsburgs Problem: die mangelnde Torausbeute

Daniel Didavi verletzte sich vor vier Tagen am Meniskus und musste arthroskopiert werden (Foto: nordphoto).

Eben deswegen wies Hecking darauf hin, wie „am Ende neun zu sieben klare Torchancen für uns standen. Das geht mir ein bisschen unter. Ich sehe die Mannschaft trotz allem auf einem guten Weg. Und ich glaube nicht, dass uns die Niederlage von diesem Weg abbringen wird.“ Jene positiv registrierte Entwicklungstendenz hätte sich auf der Wolfsburger Habenseite auch schon um einiges bemerkbarer gemacht, stünde der aufgebrachte Aufwand aktuell nicht in einem derartigen Missverhältnis zum dafür eingelösten Ertrag. Insgesamt 65 Torschüsse in den bisherigen vier Bundesligapartien zählte die Wolfsburger Allgemeine Zeitung – nur drei davon fanden ihr Ziel, wohingegen viel zu viele aussichtsreiche Situationen sträflich links und recht liegen gelassen wurden.

Dieter Heckings Anforderung, um die Torausbeute möglichst schon in Bremen wieder hochzufahren, lautet daher: „Du musst den Widerstand brechen; dich darauf einstellen, dass es gegen einen Gegner, der sehr kompakt stehen und dir wenig Räume anbieten wird, viel über Zweikämpfe geht. Du brauchst einerseits die nötige Geduld, aber auch diese Entschlossenheit, sich dann dagegen durchzusetzen.“ Jedoch musste sich Daniel Didavi – mit zwei Treffern der bislang treffsicherste VfL-Akteur – nach einer neuerlichen Meniskusverletzung einer Arthroskopie unterziehen. Nichtsdestotrotz braucht eigentlich niemand betonen, welche unerschöpfliche Offensiv-Urgewalt allein noch bei Mario Gomez und Julian Draxler lauert. Zumindest alle Wolfsburger Augen dürften also auf die beiden Nationalspieler gerichtet sein.