Mit Lerneffekt und verschiedenen Plänen nach Bremen

Anschwitzen - RB Leipzig vor dem Gastspiel im Weser-Stadion

Cheftrainer Ralph Hasenhüttl hat RB Leipzig derzeit auf Tabellenplatz zwei geführt (Foto: Nordphoto).
Profis
Samstag, 18.03.2017 // 09:00 Uhr

von Maximilian Hendel

Am Donnerstag zur obligatorischen Pressekonferenz wie vor jedem Bundesligaspiel klang Ralph Hasenhüttl bereits wieder um einiges frohgemuter und vor allem angriffslustiger als noch nach Abpfiff der jüngst mit 0:1 gegen den VfL Wolfsburg verlorenen Partie. „Die Gegner sind clever und wissen mittlerweile, wie man uns ein bisschen stoppen kann“, hatte der Cheftrainer von Rasenballsport Leipzig in der unmittelbaren Aufbereitung der erst zweiten Saisonheimniederlage noch nachdenklich eingestanden. Rechtzeitig vor dem nunmehr anstehenden Gastspiel des weiterhin souveränen Tabellenzweiten beim SV Werder im ausverkauften Bremer Weser-Stadion am heutigen Samstag, 18.03.2017, um 15.30 Uhr war die eigene Selbstgewissheit jedoch zurückgekehrt.

„Wer glaubt, dass unser Code entschlüsselt oder unsere DNA geknackt ist, dann soll er es glauben und ich wünsche unseren Gegnern, dass sie die richtigen Schlüsse daraus ziehen“, betonte der 49-Jährige trotzig und ergänzte zuversichtlich: „Wir müssen schauen, eine Lösung dafür zu finden, aber ich bin guter Dinge, dass uns das wieder mal gelingt.“ Insbesondere aus den Erkenntnissen der jüngsten Dämpfer zieht er neuen Optimismus: „Wir wollen unseren jungen Spielern Hilfestellungen geben, damit sie sich das Leben nicht selber schwer zu machen. Das geschieht nicht nur nach Niederlagen, aber da ist die Aufmerksamkeit vielleicht eine Spur höher und dadurch auch der Lerneffekt.“

Ohne die „letzte Präzision“ gegen Wolfsburg

Diego Demme, hier verfolgt von SVW-Kapitän Clemens Fritz, holte mit seinem Team sieben Punkte aus den letzten sechs Spielen (Foto: Nordphoto).

Mit Blick auf die zurückliegenden sechs Wochen diagnostizierte der kicker in seiner Montagsausgabe jedenfalls nicht ganz ungerechtfertigt das einstweilige „Ende der Leichtigkeit“. Den Leipzigern ist seit dem Ausklingen ihres fußballerisch phasenweise atemberaubenden ersten Halbjahres im Oberhaus tatsächlich etwas der gewissermaßen euphorisierte Überfallmoment abhandengekommen. Forsch und eiskalt, noch ehe sich die allermeisten Gegenüber versahen, hatte RB bis Ende Januar allzu oft schon kleinste Fehler, oder Unaufmerksamkeiten der Gegenseite zu jeweils perfekten Zeitpunkten ausgenutzt. „Hohes Pressing, hohe Intensität“, waren daher wohlweislich mit Nachdruck formulierte Schlagworte von Werders Cheftrainer Alexander Nouri, als dieser über Auffälligkeiten des Aufsteigers sprach. Noch immer fordert dieser durch ein wahnsinnig aufreibendes Laufpensum beinah sämtliche Kontrahenten physisch wie in puncto Konzentrationsfähigkeiten bis aufs Äußerste – gerade beim Spielaufbau in deren eigener Hälfte. Es bleibt keine Seltenheit, dass Hasenhüttls Team dabei bis zum Abpfiff die 120 Kilometermarke übertroffen hat.

Doch was dem Österreicher beispielsweise auch im Duell mit den Wolfsburgern auffiel: „Die letzte Präzision fehlte“, bemängelte er, „aber das war kein Problem der Nervosität oder des Drucks, sondern das Problem eines sehr guten Gegners, der sehr gut verteidigt hat und uns nicht zu vielen Chancen kommen ließ.“ Abgesehen von der durchwachsenen Leistung einschließlich des wenig zufriedenstellenden Ausgangs für die Gastgeber ereilte sie ein wirklich beunruhigender Schreckmoment erst gut eine Stunde nach Abpfiff. Urplötzlich verlor ihr über die bisherige Saison hinweg auftrumpfender Neuzugang Naby Keita in den Stadionkatakomben kurzzeitig das Bewusstsein und musste nach jenem Kreislaufkollaps die Nacht im örtlichen Uniklinikum verbringen. Glücklicherweise konnten die Klubverantwortlichen alsbald Entwarnung geben. Das Training nahm der Guineer hingegen noch nicht wieder auf. „Er macht ein bisschen individuelles Programm. Wir geben ihm alle Zeit, sich zu erholen“, informierte sein Trainer. In Bremen hätte Keita sowieso aufgrund seiner fünften Gelben Karte pausieren müssen.

Keita und Poulsen fehlen – Selke hofft auf Startelfeinsatz

Leipzigs Naby Keita, dem bei Werders 1:3 im Hinspiel ein Doppelpack gelang, wird in Bremen fehlen (Foto: Nordphoto).

Individuell wird er kaum zu ersetzen sein, denn „alles, was er macht, hat Hand und Fuß. Am Ball ist er eine Augenweide – ein Spieler, den du nie draußen lassen kannst“, weiß sein Trainer. Dem sportlichen Champions-League-Anwärter fehlt also das zentrale Mittelfeldmetronom; und zudem seit fünf Wochen schon Yussuf Poulsen. Die ausbaufähigen Primärstatistiken des dänischen Nationalspielers (ein Tor/eine Vorlage) täuschen erheblich über dessen unschätzbaren Wert für seine Mannschaft hinweg. Ihn vermissen sie als nimmermüden Wellenbrecher, Störenfried und Ballabsicherer in vorderster Angriffsposition, der bis zu seinem Anfang Februar gegen den HSV erlittenen Muskelbündelriss vor allem jene Lücken und Räume gerissen hat, von denen Offensivinitiator Emil Forsberg (sieben Tore/elf Vorlagen) sowie die blitzartigen Tempoläufer Marcel Sabitzer (5/4) und nicht zuletzt Jungnationalspieler Timo Werner (14/7) immer wieder profitierten.

Womöglich bietet sich dem zuletzt sichtbar missvergnügten Davie Selke heute nun tatsächlich mal wieder die lang ersehnte Bewährungschance von Anfang an. In bislang ganzen 349 Bundesligaminuten vertraute Ralph Hasenhüttl dem ehemaligen Bremer. Derweil führten der Angreifer und Co-Trainer Zsolt Löw zu Wochenbeginn demonstrativ in Sichtweite aller ausharrenden Beobachter eine längere Konsultation nach Trainingsschluss auf dem Rasen. Selke übermittelte der Mitteldeutschen Zeitung sogleich hoffnungsfroh: „Ich habe nach dem Gespräch mit ihm ein gutes Gefühl.“ Sogar der Cheftrainer sekundierte vorgestern: „Davie ist eine absolute Option für das Spiel.“ Eine Garantie bedeutet das jedoch noch keineswegs, auch wenn Ralph Hasenhüttl sowohl personell als auch taktisch laut über Ummodellierungen nachdachte: „Wir haben diese Woche ein bisschen probiert, ein bisschen durchgemischt.“ Werder sei „wesentlich stabiler geworden“, „auch sehr variabel“ und habe „zuletzt oft das System gewechselt“, bemerkte der Fußballlehrer. „Da müssen wir uns ein paar verschiedene Pläne zurechtlegen, die wir vielleicht brauchen könnten.“

 

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