Heckings Mission: Der Weg in „sicheres Fahrwasser“

Anschwitzen - M'Gladbach vor dem Gastspiel im Weser-Stadion

Dieter Hecking ist seit Dezember 2016 Cheftrainer bei Borussia Mönchengladbach (Foto: Nordphoto).
Profis
Samstag, 11.02.2017 // 09:35 Uhr

von Maximilian Hendel

Unmittelbar vor dem Pflichtspielstart in das neue Jahr hatte Max Eberl der lokalen Rheinischen Post ein ausführliches Interview gegeben. Dort galt es, Borussia Mönchengladbachs denkbar ungemütliche erste Saisonhälfte zu reflektieren, die mit der vorzeitigen Trennung von Cheftrainer André Schubert kurz vor Weihnachten endete. Als der Sportdirektor unweigerlich auf Schuberts Nachfolger Dieter Hecking angesprochen wurde, brachte er vor allem einen großen Wunsch metaphorisch zum Ausdruck: Den erstbesten Weg in „sicheres Fahrwasser“. Kaum drei Wochen später schon scheint die Mannschaft tatsächlich ihren Kurs direkt dorthin eingeschlagen zu haben.

Wenig verwunderlich ist diese positive Gladbacher Tendenz auch in Bremen nicht unbemerkt geblieben. Denn am Samstag, 11.02.2017, gastiert die Elf vom Niederrhein zum 20. Spieltag um 15.30 Uhr beim SV Werder im Weser-Stadion. „Das ist eine Mannschaft, die jetzt natürlich mit einem gewissen Rückenwind hier auftreten wird“, weiß SVW-Cheftrainer Alexander Nouri. Vor dem Jahreswechsel lagen die beiden Kontrahenten noch gleichauf in der Tabelle.

Glänzender Start: Drei Spiele, sieben Punkte

Kapitän Lars Stindl (r.) wird den Gladbachern im Weser-Stadion gelbgesperrt fehlen (Foto: Nordphoto).

Die Borussia jedoch sicherte sich in den ersten drei Bundesligapartien 2017 ein Unentschieden und zwei Siege sowie darüber hinaus am vergangenen Dienstagabend bei Zweitligist Greuther Fürth noch den äußerst souveränen Einzug ins DFB-Pokalviertelfinale. „Sie waren vorher schon eine gute Mannschaft, sonst hätten sie auch nicht Champions League gespielt“, verdeutlichte Nouri. Allerdings eine, der vor allem ab Spätherbst immer mehr die nötigen Ergebnisse sowie in diesem Zuge auch ihr Selbstvertrauen abhanden kam. Gut ein Dreivierteljahr hat es gedauert, ehe Gladbach wieder einmal zwei Bundesligasiege in Serie erzielte. „Ich bin sehr, sehr froh darum, dass die Mannschaft in der kurzen Zeit wirklich sehr, sehr positive Signale gesendet hat“, verbürgte Dieter Hecking am Freitag auf der Pressekonferenz der Gäste, „es macht wahnsinnig Spaß, mit ihr zu arbeiten.“

Vor allem findet sein Team derzeit sukzessive dahin zurück, auch wieder Rückschläge und Widerstände innerhalb der 90 Minuten zu überwinden. Die jüngsten sieben Punkte waren allesamt beharrlich wie hart erarbeitet. In Leverkusen etwa drehte der VfL einen 0:2-Pausenrückstand noch zum 3:2. Eine Woche darauf war der SC Freiburg im Borussia-Park drauf und dran, seine zwischenzeitliche spielerische Oberhand in Tore umzumünzen, ehe die Gastgeber auf der Zielgeraden der Partie drei Mal eiskalt zuschlugen. Unter Hecking zeige sich „Gladbach von der abgeklärten Seite: kühl spielen, kühl gewinnen“, notierte der Berichterstatter der Süddeutschen Zeitung voller Anerkennung über die bisher so gelungene Aufbauarbeit des erfahrenen Trainers. Sein Pendant bei den Grün-Weißen sah in seiner Analyse, dass die Borussia „aus einem sehr disziplinierten 4-4-2 heraus agiert“ und insbesondere das gegnerische Aufbauspiel in der Gladbacher Hälfte zwei Viererreihen bewältigen muss, die „als kompakter Block“ funktionieren.

„Bei einer Niederlage holst du Bremen wieder mit ran“

Raffael (r.) ist eine Schlüsselfigur im Angriff der Borussia (Foto: Nordphoto).

Noch dazu „verfügen sie über eine extrem gute Offensivqualität“. Auf die Bremer Defensive werden aller Voraussicht nach einige „Rhythmuswechsel“, „gute Ballzirkulationen“ und nicht zuletzt kreuzgefährliche „Umschaltsituationen“ zukommen. Nouri ergänzte daher unmissverständlich: „Uns wird wieder alles abverlangt werden. Wir müssen in allen Sequenzen hohe Aufmerksamkeit und Intensität gehen.“ Daran ändert auch keineswegs das für die Gäste empfindliche Fehlen ihres Kapitäns und Offensivmotors Lars Stindl, der sich gegen Freiburg die fünfte Gelbe Karte einbrockte. Zudem laborierte sein kongenialer Angriffspartner Raffael in den letzten Tagen an Oberschenkelproblemen. „Da ist genug Qualität im Kader, wir sollten uns nicht über einzelne Personalien den Kopf zerbrechen“, empfahl Werders Cheftrainer.

Dieter Hecking entgegnete den personellen Fragezeichen ebenso betont nüchtern. „Auch andere Mannschaften haben Ausfälle von wichtigen Spielern zu beklagen. Natürlich sind sie in den letzten Wochen durch sehr gute Leistungen aufgefallen, aber selbst wenn beide ausfallen, spielen halt zwei andere, die genauso zeigen wollen, dass sie zu recht spielen“, meinte der 52-Jährige. Das werden nicht zuletzt potentielle Offensivalternativen wie André Hahn oder die nach zum Teil sehr langen Verletzungen wieder genesenen Fabian Johnson, Josip Drmic und Patrick Hermann gerne hören. Hecking selbst bezeichnete die anstehenden 90 Minuten derweil „als das wichtigste Spiel in meiner kurzen Amtszeit hier. Es kann ein bisschen richtungsweisend sein.“ Mit einem Sieg wäre ein großer Schritt dahin getan, die untere Tabellenregion „wirklich hinter dir“ zu lassen. Gleichwohl warnte er: „Bei einer Niederlage holst du Bremen halt wieder mit ran. Das sollten wir möglichst vermeiden.“