Zwillings-Telepathie auf dem Eis

Vier-Vier-Zwei mit Niklas Moisander

Im "Vier-Vier-Zwei" zeigte sich Niklas Moisander von seiner ganz persönlichen Seite (Foto: WERDER.DE).
Profis
Mittwoch, 02.11.2016 // 17:23 Uhr

Notiert von Dominik Kupilas

Die Eingewöhnungsphase ist für Niklas Moisander längst abgeschlossen. Seit fast vier Monaten ist der finnische Innenverteidiger nun beim SV Werder, hat den Verein, die Stadt und die Menschen kennengelernt. Und er weiß es zu schätzen. „Die Mentalität passt zu mir, die Stadt erinnert mich an meinen Heimatort“, sagt der 31-Jährige.

WERDER.DE hat sich mit ihm getroffen und stellt ihn im „Vier-Vier-Zwei"-Interview näher vor. Im Check-Up mit vier sportlichen, vier persönlichen und zwei außergewöhnlichen Fragen, berichtet Moisander über das Leben als Zwilling, seinen Musikgeschmack und das Ende seiner Torhüterkarriere.

Vier sportliche Fragen:

Moisander blickt auf eine zweigeteilte Anfangszeit in Bremen zurück (Foto: nordphoto).

# Der beste Spieler, mit dem ich jemals zusammen gespielt habe …

… "der beste finnische Spieler war Jari Litmanen, mit dem ich die Ehre hatte in der Nationalmannschaft zu spielen. Er war als Kind auch so etwas wie mein Vorbild. Er hat damals bei Ajax Amsterdam im Profi-Team gespielt, als ich noch in der Jugend war. Da habe ich oft zu ihm aufgeschaut. Und dann würde ich noch Antonio Cassano sagen. Zwar hat er nicht immer gespielt, war aber ausgestattet mit einer tollen Technik, hatte eine sehr schnelle Auffassungsgabe, konnte ein Spiel lesen und super Pässe spielen.“

# Meine Anfangsphase in Bremen war …

... "schwierig, aber trotzdem positiv. Ich kam mit einer Verletzung her, das war nicht optimal. Aber ich war vom ersten Moment an froh, hier zu sein. Insofern war der Start zweigeteilt: Einerseits hätte ich gerne vom ersten Tag an mit der Mannschaft trainiert, andererseits wollte ich unbedingt zu Werder wechseln, wurde von allen gut aufgenommen und fühle mich gemeinsam mit meiner Familie sehr wohl in Bremen. Es ist hier ein bisschen wie in meiner Heimatstadt.“

# Gegentore sind für mich …

… "immer sehr schmerzhaft. Natürlich sind wir sehr unglücklich darüber, dass wir schon so viele Gegentore kassiert haben. Vor allem für mich als Defensivspieler ist das sehr schwierig. Nach den Spielen gehen mir die Gegentore auch immer und immer wieder durch den Kopf und ich denke darüber nach, was ich in den einzelnen Situationen hätte anders machen müssen.“

# Das Besondere an der Ajax-Akademie ist …

… "die Tatsache, dass sie schon sehr lange in ein System vertrauen und alles danach ausrichten. Das ist imposant zu sehen. Aber auch, dass du schon als kleiner Junge professionelle Trainer hast, die oft ehemalige Profis sind, ist sehr gut. Man genießt dort eine sehr gute Ausbildung und wird stringent auf den Profifußball vorbereitet.“

Vier persönliche Fragen:

Niklas Moisander genießt oft die Sauna nach dem Training (Foto: nordphoto).

# Das Finnischste an mir …

… "ist die Mentalität, dass ich immer zu meinem Wort stehe, immer mein Bestes gebe, stets hart arbeite. Und auch die Fähigkeit, richtig auszuspannen und mal runterzukommen, ist sehr finnisch. Das gelingt mir sehr gut in der Sauna – die Vorliebe zur Sauna ist auch sehr typisch für meine Landsleute. Aber viele finnische Eigenschaften sind über die Jahre, die ich nicht mehr in Finnland leben, verlorengegangen oder wurden durch andere ersetzt (lacht).“

# Ein perfekter freier Tag ist für mich …

… „wenn ich ihn mit meiner Tochter und meiner Freundin verbringen darf. Wenn unsere Tochter es zulässt, schlafen wir dann gerne länger, frühstücken ganz ausgiebig und in aller Ruhe. Dann spiele ich gerne mit meiner Tochter und anschließend unternehmen wir gemeinsam etwas. Wir gehen dann oft in den Rhododendron-Park, der ist ganz bei uns in der Nähe.“

# Den größten Unfug, den ich mit meinem Zwillingsbruder getrieben habe …

… „das ist schwer zu beantworten. Wir haben es nie zu unserem Vorteil ausgenutzt, zum Beispiel in der Schule. Das denken immer alle, vielleicht haben wir da etwas versäumt (lacht). Wir haben auch nie Frauen auf den Arm genommen oder beim Fußball die Trainer. Aber wir haben schon eine gewisse Art von Zwillings-Telepathie. Zum Beispiel sagen wir oft im gleichen Moment exakt dasselbe, wenn wir mit Freunden zusammen sitzen. Und meine Freundin hat neulich erst zu mir gesagt, dass wir in vielen Situationen exakt gleich reagieren. Einen Zwillingsbruder zu haben, ist schon etwas Besonderes. Wir haben einen speziellen Zugang zueinander, sind nicht nur Brüder, sondern auch beste Freunde.“

# Am liebsten höre ich …

… „Hip Hop. Ich weiß, dass man es mir nicht unbedingt zutrauen würde, aber ich mag Hip Hop seit meiner Kindheit. Jay Z ist einer meiner Lieblings-Musiker.“

Zwei außergewöhnliche Fragen:

# Ich bin kein Eishockeyspieler geworden, weil …

… „wir irgendwann eine Entscheidung treffen mussten. Ich habe früher Eishockey gespielt mit meinem Zwillingsbruder. Ich war damals Torhüter, jetzt haben wir die Positionen getauscht. Damals haben wir im Winter Eishockey gespielt und im Sommer Fußball. Als wir dann 13, 14 Jahre alt waren, sollten wir auch im Sommer Eishockey spielen. Da musste ich mich entscheiden und mir ist die Entscheidung sehr leicht gefallen: Fußball war schon immer der Sport, den ich am meisten geliebt habe. Von dem Zeitpunkt an war meine Eishockey-Karriere vorbei.“

# Bei einem Ausflug in den finnischen Wald darf auf keinen Fall fehlen …

…  „ein Korb, um Blaubeeren oder Pilze zu pflücken, und eine Kamera, um Bilder von den Tieren zu machen, denen man dort begegnet. Definitiv zu Hause lassen würde ich hingegen mein Handy. Wenn man in einem finnischen Wald ist, muss man einfach die Natur genießen.“