"Dann säße ich heute im Büro"

Vier-Vier-Zwei mit Justin Eilers

Hat einen ungewöhnlichen Karriereweg hinter sich - und noch viel vor: Justin Eilers (Foto: WERDER.DE).
Interview
Freitag, 06.01.2017 // 09:56 Uhr

Notiert von Yannik Cischinsky

Für Fußballer ist Selbstvertrauen wichtig. Vielleicht das wichtigste Attribut in einem harten Konkurrenzkampf mit vielen Aufs und Abs. Der Weg ganz nach oben, er gelingt zumeist nur dann, wenn der Glaube an die eigenen Fähigkeiten auch in schwierigen Zeiten stark ist. Zweifel? Verboten! „Ich habe durchaus an mir gezweifelt“, gibt Justin Eilers zu. „Das war in Bochum, die schlechteste Zeit meiner Karriere. Ich habe mich nicht wohl gefühlt, war zum ersten Mal weg von Zuhause, verletzt und habe den Durchbruch nicht geschafft“, führt der 28-Jährige aus. Den Traum vom Profifußballer hat Eilers dennoch nie aus den Augen verloren. Jetzt ist er ihm so nahe wie nie zuvor. 

WERDER.DE hat sich mit "Eile" im Trainingslager in Alhaurin el Grande getroffen und stellt ihn jetzt, wo es nach langer Verletzungspause endlich losgehen kann, im "Vier-Vier-Zwei"-Interview vor. Im Check-Up mit vier sportlichen, vier persönlichen und zwei außergewöhnlichen Fragen, blickt er unter anderem auf seine ungewöhnliche Karriere zurück.

Vier sportliche Fragen:

Endlich ist Justin Eilers richtig im Team angekommen (Foto: nordphoto).

# Hackentore …

„… sind nicht meine Spezialität (lacht), aber eins ist mir gelungen, was dann ja auch zum ‚Tor des Monats‘ gewählt wurde. Das hat sich so in der Situation ergeben. Es war sicherlich ein sehr schönes, ein außergewöhnliches Tor, das mir immer in Erinnerung bleiben wird. Ich wäre allerdings durchaus zufrieden, wenn ich demnächst einfach mal richtig stehe und den Ball über die Linie drücken kann. Das würde mich glücklich machen.“

# Meine Routine nach dem Training …

„… ist neben dem Duschen das Zur-Ruhe-kommen. Hier im Trainingslager lege ich mich als erstes aufs Bett und checke meine Nachrichten. Das ist über all die Jahre zur Routine geworden.“

# Mein Lieblingstauschtrikot …

„… habe ich definitiv von einem meiner Freunde bekommen, als wir uns wiedergesehen haben. Da gibt es mehrere Kandidaten. Zum Beispiel die Trikots von Kevin Scheidhauer oder Dan-Patrick Poggenberg, die ich aus meiner Wolfsburger Zeit kenne. Die hängen beide bei mir im Schrank.“

# Das Testspiel gegen Braunschweig …

„… wird, wenn ich mich recht entsinne, das erste Spiel gegen meinen Heimatverein sein und sicherlich ganz besonders, wenn ich an der Hamburger Straße auflaufe. Ein paar Spieler aus damaligen Zeiten sind auch immer noch da – und natürlich das Trainerteam.“

Vier persönliche Fragen:

Schaffte über Braunschweig, Bochum, Goslar, Wolfsburg und Dresden den Sprung zum SVW (Foto: nordphoto).

# Den Traum vom Fußballprofi habe ich in Goslar…

„… zwar nicht verloren, aber es waren damals definitiv andere Dinge wichtiger. Ich wollte wieder Fuß fassen, den Spaß am Sport wiederfinden. Ich hatte keine Ahnung, wie meine Zukunft im Fußball aussehen wird. Zu der Zeit habe ich oft mit meinen Eltern und Freunden über die Situation gesprochen. Wer hätte gedacht, dass ich heute hier sitze. Es gab kaum noch jemanden, der mir es zugetraut hat aus der fünften Liga innerhalb von viereinhalb Jahren den Sprung in den Bundesligakader von Werder zu schaffen. Darauf bin ich in gewisser Weise stolz. Ich habe mir früher in der Jugend viele Sachen verbaut. Ich stand mit 19 Jahren bei Braunschweig in der dritten Liga auf dem Platz und war so naiv zu glauben, dass alles von alleine geht und es nur etwas Zeit braucht, bis ich nach ganz oben komme. Im Alter von 26 war ich dann mit Dynamo Dresden wieder in der dritten Liga angelangt. Es hat also einige Zeit gedauert, bis es 'Klick' gemacht hat."

# Einen Plan B…

„… gab es, auch wenn mein Traum seit der Kindheit immer war, als Fußballprofi in der höchsten Liga zu spielen. Zu meiner Zeit in Goslar hatten meine Eltern und ich die Absprache, dass wenn es nach den anderthalb Jahren nicht wieder nach oben geht, ich eine Ausbildung beginne. Da hätte ich mir etwas im kaufmännischen Bereich vorstellen können. Dann säße ich heute nicht hier, sondern im Büro.“

# Mit Marc Pfitzner verbindet mich…

„… eine langjährige Freundschaft. Wir kennen uns schon sehr lange, haben damals in Braunschweig zusammen gespielt. Seitdem er in Bremen ist, haben wir natürlich viel intensiveren Kontakt als in den letzten Jahren. Wir unternehmen privat häufig etwas zusammen. Wir gehen gemütlich essen, schauen uns Bundesliga an oder zocken PlayStation.“

# Aron, Max und Justin…

„… sind definitiv auf einer Wellenlänge. Wir haben eine enge Bindung und verstehen uns super. Mit Aron bin ich auch auf einem Zimmer. Er ist ein lustiger Geselle. Er sagt seine Meinung, das mag ich. Wir haben viel miteinander zu tun hier. Zum Beispiel beim Dart liefern wir uns heiße Duelle. Gerade habe ich äußerst bitter gegen Max verloren. Das nagt noch an mir (lacht).“

Zwei außergewöhnliche Fragen:

Die Cap ist nicht Eilers Markenzeichen, cool muss sie trotzdem sein (Foto: WERDER.DE).

# Bei der Auswahl meiner Caps achte ich darauf, dass …

„… sie mir gefallen (lacht). Es gibt keine speziellen Vorlieben. Als mein Markenzeichen würde ich sie auch nicht bezeichnen, aber es ist die einfachste Art wenn man morgens das Haus verlässt und keinen Bock hat, mit seinen Haaren etwas zu machen.“

# Das Außergewöhnlichste bei Werder ist für mich, dass …

„… ich zum ersten Mal als Spieler die Luft eines Bundesligateams schnuppern darf. So groß sind die Unterschiede aber gar nicht. Auch wenn Dynamo Dresden nur ein Drittligist war, lief alles hochprofessionell ab. Klar kommen jetzt noch ein paar TV-Sender und die mediale Aufmerksamkeit dazu, aber sonst kann man das durchaus vergleichen. Ich habe in dem letzten halben Jahr oft darüber nachgedacht, wie ich den Sprung hierher geschafft habe und was ich machen muss, damit ich nicht mehr nur auf dem Papier ein Bundesligaspieler bin. Ich möchte mit Werder Bundesligaluft schnuppern, das wäre wirklich außergewöhnlich für mich.“

 

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