Wiedwald im Interview: "Schulnote vier bis fünf"

Felix Wiedwald beim Gespräch mit WERDER.DE auf der Terrasse des Teamhotels. (Foto: nph).
Profis
Samstag, 09.01.2016 // 11:08 Uhr

Es gibt Dinge, die ärgern Felix Wiedwald richtig: zum Beispiel Gegentore. Vor allem, dass man in der Hinrunde nicht einmal zu Null spielte, wurmt den Schlussmann. Das merkt man dem ruhigen Werder-Keeper trotz seiner besonnenen Art an, auch nach der Winterpause. Dabei hatten die Weihnachtstage für den grün-weißen Schlussmann in privater Hinsicht ein echtes Highlight parat. Kurz vor Heiligabend heiratete Wiedwald seine langjährige Freundin Kim.

WERDER.DE hat sich mit Werders Nummer 42 auf der Terrasse des Regnum Carya getroffen um noch einmal auf die ereignisreichen Tage rund um Weihnachten zurückzublicken, über die Bedingungen im Trainingslager und die Arbeit vor Ort zu sprechen.

WERDER.DE: Hallo Felix, zunächst einmal nachträglich Gratulation zur Hochzeit. Wie war der Tag für dich?

Felix Wiedwald: "Die Hochzeit müsste für jeden Menschen der schönste Tag des Lebens sein. So war es auch bei mir. Aber ich gebe zu: Die Nacht vorher waren wir sehr aufgeregt. Da war ich bei meinen Schwiegereltern, habe mit meinem Schwager und meinen Trauzeugen alles vorbereiten. Meine Frau hat sich woanders vorbereitet."

WERDER.DE: Kannst du uns beschreiben, wie der Tag der Hochzeit für dich und deine Frau Kim ablief?

Felix Wiedwald: "Am Tag selbst sind wir zum Standesamt gefahren, haben uns dort trauen lassen. Anschließend haben wir mit der Familie zusammen gefeiert. Abends kamen dann die Freunde dazu, wir haben angestoßen und es gab eine Feier bis in das Morgengrauen"

WERDER.DE: Das klingt nach dem perfekten Tag...

Felix Wiedwald: „Tatsächlich hätte es besser nicht sein können für uns."

Hat kurz vor Weihnachten seiner Kim das Ja-Wort gegeben - Felix Wiedwald (Foto: marrymedesign.de).

WERDER.DE: Und wie fühlt man sich als frischgebackener Ehemann - so mit einigen Tagen Abstand?

Felix Wiedwald: "Es fühlt sich schon ein bisschen anders an. Als Ehemann hat man mehr Verantwortung - neben der für sich selbst, nun auch für seine Ehefrau. Außerdem sind wir jetzt auch auf dem Papier eine Familie und ohne, dass jetzt schon etwas geplant ist, wünschen wir uns Nachwuchs. Bis dahin wollen wir aber die Zweisamkeit und die Zeit mit unserem Hund genießen. Der ist übrigens auch wie ein kleines Kind (lacht)."

WERDER.DE: Mit der Heirat und dem Weihnachtsfest hattest du doppelt ereignisreiche Feiertage. Blieb da überhaupt Zeit zum Abschalten?

Felix Wiedwald: „Weihnachtsstimmung kam bei mir in diesem Jahr tatsächlich weniger auf, weil die Vorfreude auf die Hochzeit sehr groß war. Aber das passte alles ganz gut: erst die Hochzeit, dann die Feiertage. Weihnachten habe ich entspannt mit meiner Familie verbracht und überhaupt nicht über Fußball gesprochen. Anschließend war ich mit meiner Frau und Freunden im Urlaub. Das war eine superschöne Zeit, in der ich mich nicht um Fußball gekümmert habe. Mein Kopf ist jetzt frei."

WERDER.DE: Im Urlaub warst du unter anderem auch mit deinem früheren Mitspieler Bastian Oczipka, oder?

Felix Wiedwald: „Das stimmt."

WERDER.DE: Hat er auch eine Rolle bei eurer Hochzeit gespielt - als Trauzeuge oder 'Special-Guest'?

Felix Wiedwald: „Nein. Er hat auch am 22. Dezember geheiratet (lacht). Wir haben uns abgesprochen, dass wir uns da mit Freunden treffen. Und vor Ort haben wir dann die Gelegenheit genutzt und auf unsere Ehen angestoßen."

Alles für die "weiße Weste": Felix Wiedwald gibt auch im Training stets Vollgas (Foto: nph).

WERDER.DE: Die Weihnachtstage sind vorüber. Zeit, wieder über Fußball zu sprechen. Wie fällt denn - mit ein wenig Abstand - das Fazit der Hinrunde aus?

Felix Wiedwald: „Wenn ich eine Schulnote vergeben müsste, dann wäre es eine vier bis fünf. Wir haben keine gute Hinrunde gespielt, die schlechteste seit vielen, vielen Jahren. Damit kann keiner zufrieden sein. Wenn wir in der Rückrunde genau so wenige Punkte holen, dann wird das nicht für den Klassenerhalt reichen. Das wissen alle in der Mannschaft. Entsprechend werden wir jetzt sehr intensiv arbeiten, um in der Rückrunde möglichst viele Erfolgserlebnisse einfahren. Wir haben genug Qualität in der Mannschaft und ich bin sicher, dass wir das gemeinsam schaffen werden. Wir sind motiviert."

WERDER.DE: Kann man sich angesichts der Tabellensituation überhaupt darüber freuen, dass du in den Augen vieler Fans einer der besten Akteure der Hinrunde gewesen bist?

Felix Wiedwald: „Das nehme ich natürlich positiv mit. Die Leistungen will und muss ich in der Rückrunde bestätigen. Aber Fußball ist ein Mannschaftssport und wir stehen alle gemeinsam unten drin. Es ist uns nicht gelungen, einmal zu Null zu spielen und wir haben viel zu viele Gegentore kassiert. Das stimmt mich keineswegs zufrieden."

WERDER.DE: Du sprichst es an: Wie sehr ärgert es dich denn, dass ihr in der Liga nicht einmal die 'weiße Weste' halten konntet?

Felix Wiedwald: „Das ist sicher ein kleiner Knackpunkt. Wir haben viele individuelle Fehler gemacht, viele Tore in der Schlussphase kassiert. Damit sind wir unzufrieden und wollen das alle gemeinsam ändern."

WERDER.DE: Seit Donnerstagabend seid ihr nun hier im Regnum Carya um euch auf die Rückrunde vorzubereiten. Wie ist dein erster Eindruck von den Bedingungen vor Ort?

Felix Wiedwald: „Das Hotel ist top. Hier war vor kurzer Zeit der G20-Gipfel. Allein das zeigt ja schon, dass es ein sehr gutes Hotel sein muss, wenn die Führungskräfte der Nationen hier zusammenkommen. Der Platz ist ebenfalls super und der Anfahrtsweg zum Trainingsplatz ist kurz. Wir hätten es nicht besser treffen können."

Das Torwart-Team hält zusammen: Wiedwald und Kollege Eric Oelschlägel (Foto: nph).

WERDER.DE: Die Bedingungen stimmen also. Aber worauf kommt es in den nächsten Tagen in eurem Trainingsalltag an?

Felix Wiedwald: „Wir werden in der Kürze der Zeit sicher nicht alle Dinge aufarbeiten können. Aber wir haben sehr viele Fehler angesprochen und analysiert."

WERDER.DE: Mit welchem Ergebnis?

Felix Wiedwald: „Dass uns vor allem die Konstanz gefehlt hat und wir viel zu viele individuelle Fehler gemacht haben. Daran werden wir arbeiten und in der Rückrunde wird uns das nicht mehr passieren."

 

Das Interview führten Dominik Kupilas und Yannik Cischinsky