Torjäger und Teamplayer

Ein lachendes, ein weinendes Auge: Anthony Ujah freute sich über sein Tor, war aber unzufrieden mit dem 1:1 (Foto: nph).
Profis
Dienstag, 08.12.2015 // 16:33 Uhr

Zwei Tage hatte Anthony Ujah Zeit, sich Gedanken über das Remis beim VfB Stuttgart zu machen. Mit seinem Abstauber hatte er Werder einen enorm wichtigen Punkt gerettet - und es war bereits das siebte Bundesligator des Nigerianers in der laufenden Saison. Dazu kommen zwei Assists. Ujah ist damit an 60 Prozent der 15 Werder-Treffer in der Liga direkt beteiligt, doch trotz seiner persönlichen Traumquote und zwei Tagen Abstand: über das, was am Sonntag unter dem Strich herauskam, kann sich der ehrgeizige Stürmer nicht freuen. „Wir dürfen mit dem Punkt nicht zufrieden sein", sagt Ujah. Aber, und das ihm wichtig: "Wir müssen das Positive daraus mitnehmen. Wir haben noch zwei wichtige Ligaspiele vor uns, in denen wir punkten wollen."

Sich selbst stellt der 25-Jährige bei dieser Mission ganz in den Dienst der Mannschaft. „Ich versuche immer mein bestes für die Kollegen zu geben. Ich bin ein Teamspieler. Ich denke nicht viel über meine Tore nach, sondern bin in Gedanken nur beim Team." Gleichzeitig gäben seine Treffer ihm aber Selbstvertrauen. „Ich weiß, wie wichtig die Tore sind und ich freue mich, dass ich so der Mannschaft helfen kann. Aber ich weiß auch, dass ich noch mehr zeigen muss."

Skripnik: "Freuen uns über seine Leistungen"

Für Thomas Eichin ist der aktuelle Lauf des nigerianischen Nationalstürmers keine Überraschung. „Wir wissen, was Tony kann", formuliert der Geschäftsführer Sport. „Er selbst weiß, was er kann. Das ist gut so. Wir haben ihn fürs Toreschießen geholt. Das ist sein Job und es freut uns, dass er den so gut ausfüllt." Auch Cheftrainer Viktor Skripnik strahlt, wenn er über Werders wichtigsten Scorer spricht. „Wir freuen uns über seine Leistungen und seine Tore und darüber, dass er zu Werder gehört. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Spiel mit ihm", so Skripnik.

Der Ausgleich in der Stuttgarter Mercedes-Benz Arena war einmal mehr Ausdruck dafür, dass Ujah seinem Beruf, seiner Berufung, mit vollem Elan nachkommt - in bester Torjäger-Manier. Der abgefälschte Schuss von Fritz landete direkt vor seinen Füßen. Ujah stand im wahrsten Sinne des Wortes da, wo ein Knipser stehen muss. „Ich versuche immer konzentriert und aktiv zu bleiben, auch wenn der Ball bereits verloren scheint oder woanders hingeht. Ich stand einfach richtig, der Ball lag plötzlich vor mir. Es war wichtig, dass ich ihn reingemacht habe", so Ujah in der Retrospektive.

Den Journalisten in der Mixed Zone des Stuttgarter Stadions verriet Werders Goalgetter im Anschluss sein Erfolgsrezept. „Wir haben schwere Wochen hinter uns und wir stecken noch immer in einer harten Zeit. Aber ich bin immer gut drauf und glücklich. Denn aus der Glücklichkeit erwächst meine Stärke", fand er abschließende Worte. Kommenden Samstag muss er gegen seinen Ex-Klub, den 1. FC Köln, ran. „Es sind nicht mehr so viele Emotionen dabei, wie beim letzten Spiel gegen Köln im Pokal. Ich denke nur an die Mannschaft und unsere Situation. Wir haben ein wichtiges Spiel vor uns, es ist das letzte Heimspiel in diesem Jahr. Wir wollen deshalb gewinnen und in den letzten zwei Spielen sechs Punkte holen. Das ist möglich, wenn wir alles richtig machen."

Von Yannik Cischinsky