"Ich suche die Herausforderung" - Ujah im Interview

Neuzugang Anthony Ujah traf sich am Ruppiner See mit WERDER.DE und WERDER.TV zum Interview (Foto: WERDER.DE).
Profis
Freitag, 03.07.2015 // 16:53 Uhr

Das Mannschaftshotel 'Resort Mark Brandenburg' liegt unmittelbar am + Ufer des Ruppiner Sees. Nur wenige Meter von der Terrasse der Unterkunft befindet sich ein malerischer Steg ...

Das Mannschaftshotel 'Resort Mark Brandenburg' liegt unmittelbar am + Ufer des Ruppiner Sees. Nur wenige Meter von der Terrasse der Unterkunft befindet sich ein malerischer Steg, der den Weg über das Wasser ebnet. Das Ende dieser Brücke, ein kleiner hölzerner Pavillon, ist der perfekte Ort, den Stress der ersten Trainingslagertage zu vergessen - und der ideale Platz für ein privates Gespräch mit Anthony Ujah.

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht kommt der Neuzugang den Fußweg über das Wasser zum Interview-Termin mit WERDER.DE und WERDER.TV. Die positive Einstellung ist dem Stürmer anzumerken, für einen kurzen Scherz bleibt immer Zeit. Zunächst beantwortet der Nigerianer die Fragen, die die Werder-Fans über die offizielle Facebook-Seite der Grün-Weißen an den Stürmer stellen konnten, anschließend erzählt er über seine Heimat Nigeria, über die Bedeutung seiner Neffen und Nichten und natürlich die ersten Eindrücke beim SV Werder.

WERDER.DE: Die ersten Einheiten bei Werder sind absolviert. Wie fühlst du dich, Tony?

Anthony Ujah: „Es ist wie wir erwartet haben sehr warm, aber im Hotel kann man sich sehr gut erholen und die nötige Kraft für die nächsten Einheiten tanken. Die Trainingsbelastung wird nach und nach gesteigert, es wird härter und härter. Aber das gehört zu einer Vorbereitung dazu."

WERDER.DE: Die Hitze macht dir vermutlich weniger aus als den meisten Teamkollegen?

Anthony Ujah: "Die Temperaturen sind für mich überhaupt kein Problem. Ich komme aus Nigeria, da ist es noch viel, viel heißer. Momentan hat es da jeden Tag über 40 Grad. Ich kann also so lange rennen, wie ich will (lacht)."

WERDER.DE: Apropos, du hast die Sommerferien in deiner Heimat verbracht, wie man den zahlreichen Fotos in den sozialen Netzwerken entnehmen konnte...

Anthony Ujah (lacht): „Ja, richtig. Ich war zuhause bei meiner Familie in Nigeria, habe alte Freunde wiedergesehen und vor allem viel Zeit mit meinen Neffen und Nichten verbracht. Mit ihnen kann ich richtig gut abschalten. Sie sind zwischen drei und sechs Jahre alt. Ich liebe es einfach, mit ihnen zu spielen.

WERDER.DE: Für dich der beste Ort, um Kraft zu sammeln?

Anthony Ujah: „Ja! Es ist immer wieder eine besondere Zeit, wenn ich zuhause bin. Natürlich würde ich gerne wie die Teamkollegen durch die Welt reisen, aber ich kann einfach nicht ohne Nigeria. Da kann ich mich optimal erholen."

WERDER.DE: Also war es auch dieses Mal wieder ein Abschied schweren Herzens von Nigeria?

Anthony Ujah: „Na klar war ich traurig, dass ich meine Eltern und alle wieder verlassen musste, aber der Urlaub war jetzt lang genug (lacht). Ich habe erreicht, was ich wollte, jetzt können die neuen Aufgaben kommen. Endlich geht's wieder los. Ein neuer Klub, eine neue Stadt, ein neues Stadion, neue Fans - alles ist neu für mich. Ich bin sehr aufgeregt, was mich noch erwartet."

WERDER.DE: Nach dem kurzen Start in Bremen ging es ja direkt hierher nach Brandenburg. Wie ist dein Eindruck?

Antony Ujah: „Die Bedingungen sind perfekt. Die Plätze sind nicht weit weg, wir können mit dem Fahrrad hinfahren, was wie das kleine Aufwärmprogramm ist. Soweit ist alles gut. Ich genieße es...

WERDER.DE: ...und deine Muskeln genießen es auch?

Anthony Ujah (lacht): „Naja, die Muskeln sind schon sehr schwer, abends denke ich, ich in ein alter Opa. Aber je länger das Trainingslager dauern wird, desto besser wird's. Ich hatte in der Sommerpause einen persönlichen Trainer und hab ein bisschen was getan. Dadurch fühle ich mich echt fit und bereit."

WERDER.DE: Ist das Trainingslager in Neuruppin für dich als Neuzugang ein ganz spezielles, weil du hier besonders viel zeigen willst?

Anthony Ujah: „Ja, auf jeden Fall. Diese Herausforderung war einer der Hauptgründe dafür, dass ich den Verein gewechselt habe. Ich war drei Jahre lang bei Köln und am Ende in allen Dingen sehr entspannt. Für manche Menschen mag das ein erstrebenswerter Zustand sein, aber nicht für mich. Ich will immer auf Achse sein, immer wieder Leuten, die mich noch nicht kennen, zeigen, was ich kann. Ich will sehen, ob ich gut genug bin und muss mir etwas beweisen. Deshalb bin ich bei Werder. Hier möchte ich etwas zum Erfolg des Teams beitragen, das Vertrauen, das in mich gesetzt wurde und die Hilfe, die ich hier bekomme, zurückzahlen."

WERDER.DE: Bei Werder konkurrierst du im Sturm mit Franco Di Santo, der eine erfolgreiche Saison hinter sich hat, Melvyn Lorenzen und einigen anderen. Wie nimmst du diese Situation an?

Anthony Ujah: „Ich freue mich auf den Kampf um die Position im Sturm. Wie ich schon sagte, wollte ich eine neue Herausforderung. Was auch immer ich die letzten Jahre erreicht habe, zählt jetzt nicht mehr. Ich muss mein Spiel verbessern. Das ist die Herausforderung, weshalb ich zu Werder gekommen bin. Darüber hinaus ist es wirklich eine Ehre für mich, mit Franco in einem Team zu spielen. Ich bin ein großer Chelsea-Fan und habe ihn schon bewundert, als ich noch in Nigeria auf der Straße gekickt habe. Mit ihm zusammen zu spielen, gibt mir jede Menge Selbstvertrauen und schenkt mir den Glauben, dass ich immer besser werden kann, als ich gerade bin."

WERDER.DE: Was sind die Ziele für die Vorbereitung?

Anthony Ujah: „Für uns alle ist natürlich momentan das oberste Ziel so fit zu werden, wie nur möglich. Auf uns warten wichtige, harte Testspiel-Aufgaben und ein stark besetztes internationales Turnier in Salzburg, auf das ich mich sehr freue. Das werden echt gute Leistungstests, die uns mit Sicherheit bestens auf die Saison vorbereiten."

WERDER.DE: Hast du dich denn schon ein wenig ins Team einleben können?

Anthony Ujah: „Ein bisschen ja. Ulisses Garcia ist mein Zimmerkollege hier in Neuruppin. Wir sind ja beide neu und leben uns gemeinsam ein. Auch der Rest der Jungs hat mich äußerst positiv aufgenommen. Ich fühle mich schonsehr wohl."

Interview von Felix Ilemann, Yannik Cischinsky, Dominik Kupilas und Simon Wossack