Bitteres Ende einer Mammutwoche: Werder verliert 1:2 beim HSV

Luftduell zwischen Papy Djilobodji und Michael Gregoritsch - dahinter lauert Torschütze Pierre-Michel Lasogga (Foto: nordphoto).
Profis
Freitag, 22.04.2016 // 22:34 Uhr

von Maximilian Hendel

Ganz bitter! Vor 57.000 Zuschauern im selbstredend ausverkauften Volksparkstadion musste Werder Bremen am 31. Spieltag im 104. Nordderby beim Hamburger SV eine knappe 1:2 (0:2)-Niederlage einstecken. Zum Ende ihrer Mammutwoche wurden die Bremer sogleich vor Pierre-Michel Lasoggas frühen Rückstand gestellt (5.), der noch vor der Pause sogar einen Doppelschlag schnürte (32.). Trotz dieser zwei Rückschläge berappelten sich die Grün-Weißen, ließen sich auch von Claudio Pizarros verschossenem Elfmeter nicht entmutigen (57.) und kamen wenig später durch den eingewechselten Anthony Ujah zum Anschluss (65.). Leider verpasste Pizarro im letzten Augenblick einer dominanten Schlussphase um Zentimeter den Lucky Punch (95. + 5).

Aufstellung und Formation: Nur 72 Stunden nach dem Aus im Halbfinale des DFB-Pokals konnte Cheftrainer Viktor Skripnik trotzdem auf alle Stammkräfte zurückgreifen. Auch Zlatko Junuzovic, der aufgrund von muskulären Problemen in den zurückliegenden Trainingseinheiten etwas kürzer trat, konnte beginnen. So veränderte sich die Startelf im erprobten 4-1-4-1-System lediglich auf der Linksverteidigerposition, wo Santiago Garcia wieder den Platz von Janek Sternberg einnahm.

Lasogga sticht doppelt zu

Kaum Raum zur Entfaltung: Fin Bartels umkreist von drei Hamburgern (Foto: nordphoto).

Die Höhepunkte:

5. Min.: Tor, 1:0 für den HSV, Pierre-Michel Lasogga.
Arrrrr, Werder gerät gleich in Rückstand. Bartels ist nach einem langen Schlag von HSV-Keeper Drobny schlecht postiert, kommt nicht zum Kopfball – auch Djilobodji verpasst den anschließenden Zweikampf gegen Nicolai Müller, der daraufhin über rechts allein zur Grundlinie durchstartet, dann das Auge für Lasogga hat, der am langen Pfosten bloß einschieben braucht.

18. Min.: Die Grün-Weißen zeigen erste offensive Ansätze, als Yatabarés hoher Ball aus der Zentrale Fin Bartels erreicht, der jedoch aus recht spitzem Winkel weit verzieht. Auf der Gegenseite prüft Michael Gregoritsch mit einem Flatterfreistoß aus großer Distanz Werder-Keeper Wiedwald.

24. Min.: Das wär’s fast gewesen! Bartels findet im Tempogegenstoß die Lücke in der aufgerückten Hamburger Abwehr, dadurch hat Florian Grillitsch freie Bahn, kommt aus zwölf Metern aber nicht an Drobny vorbei, der die Ruhe selbst bleibt und geschickt den Winkel verkürzt. Die richtig gute Ausgleichschance!

30. Min.: FELIX WIEDWALD! Ilicevic schafft über links Raum für Holtby, dessen scharfe Flanke von der Außenlinie punktgenau Gregoritschs Kopf findet, doch Wiedwald kratzt den Ball grandios aus dem Eck.

32. Min.: Tor, 2:0 für den HSV, Pierre-Michel Lasogga. Das beinah identische Schnittmuster von gerade eben wird Werder über die erneut entblößte rechte Defensivseite nun zum Verhängnis. Diesmal schneidet Linksverteidiger Ostrzolek die Eingabe an den Fünfmetteraum, wo wiederum Lassoga mit der Stirn voran erhöht.

40. Min.: Ganz knapp! Mit den Fingerspitzen verhindert Drobny den Bremer Anschluss – ein tückischer Aufsetzer von Clemens Fritz aus gut 20 Metern, der punktgenau im linken Eck gelandet wäre, zwingt ihn zu dieser Großtat.

45. + 2 Min.: Kurz vor dem Halbzeitpfiff schlenzt Bartels aus 15 Metern nur ganz knapp vorbei. Es bleibt einstweilen beim zwei-Tore-Rückstand.

Unbändige Moral, aber nur Ujah trifft

Anthony Ujahs Anschlusstor sorgte für neue Hoffnung (Foto: nordphoto).

47. Min.: Guter Beginn der Bremer: Bartels kommt zur Grundlinie, findet im Rückraum Yatabaré, der jedoch am Elfmeterpunkt nur eng bewacht und etwas in Rücklage ein Abschluss gelingt.

56. Min.: ELFMETER FÜR WERDER! Pizarro dringt energisch in den Strafraum ein und wird von HSV-Kapitän Djourou klar von den Beinen geholt. Die Chance zum Anschluss schlechthin!

57. Min.: NEEEIN, kein Tor! Ausgerechnet Claudio Pizarro zeigt Nerven und kann Drobny vom Punkt nicht überwinden – der HSV-Schlussmann begräbt den Ball unter sich.

61. Min.: Gute Tat von Felix Wiedwald gegen den alles andere als leicht zu parierenden Schuss des zur Pause eingewechselten Gojko Kacar.

65. Min.: TOOOOOR für Werder, nur noch 1:2, Anthony Ujah! Ganz wichtig, dass sich die Grün-Weißen hier nicht haben entmutigen lassen. Djilobodji macht einen zu kurz geklärten Ball an der Strafraumgrenze per Kopf wieder scharf, der kurz zuvor eingewechselte Ujah verarbeitet ihn am Fünfmeterraum blendend; zwar hält Drobny den ersten Versuch noch klasse, aber im Nachsetzen köpft Werders Angreifer aus Nahdistanz ins Netz.

70. Min.: Die Bremer haben neuen Mut geschöpft, überwinden zunehmend die Hamburger Reihen und erzwingen vermehrt Strafraumszenen. Noch aber fehlt Werders nächster Punch, der hier alles wieder auf den Kopf stellen würde!

78. Min.: Klar, die Grün-Weißen müssen und gehen nun volles Risiko, was dem HSV entsprechend auch Kontermöglichkeiten ermöglicht. Bislang konnten die Gastgeber jedoch keine davon in klare Chancen ummünzen.

88. Min.: Nahezu alle Hamburger in und um den eigenen Strafraum herum verteilt: Djilobodji schlägt einen Haken um Cleber und versucht es aus 18 Metern, aber Drobny ist rechtzeitig unten.

90. Min.: ALLES NACH VORN! Den Grün-Weißen bleiben fünf Minuten Nachspielzeit.

90. + 5 Min.: UM ZENTIMETER!!! Pizarro verpasst am Ende einer Kopfballstafette über Fröde und Gebre Selassie den Lucky Punch. Kurz darauf ist Schluss im Volksparkstadion.


Fazit:
Die Bremer wurden mit Anpfiff von aggressiven Hamburgern vollkommen auf dem falschen Fuß erwischt. Die Gastgeber spekulierten auf müde Beine der Grün-Weißen, attackierten früh und fanden darin zunächst ein effektives Erfolgsrezept. Allen voran die beiden Außen Nicolai Müller und Ivo Ilicevic schufen in dieser Phase immer wieder Räume, während Lasogga im Angriffszentrum den kaltschnäuzigen Prellbock gab. Nichtsdestotrotz verdrängte Skripniks Elf alsbald die Strapazen der vergangenen Tage, zapfte sämtliche Energiereserven an und verfiel auch infolge von Pizarros verschossenem Elfer nicht in Melancholie. Spätestens nach Ujahs Willenstor waren die Hamburger mehr und mehr in die Defensive gedrängt. Leider wurde Werders unbändige Moral letztendlich nicht mit einem Punkt belohnt.

Highlights und Stimmen aus Hamburg folgen im Laufe der Nacht auf WERDER.DE und WERDER.TV