Skripnik-Interview: "Hundertprozentiger Siegeswillen"

Kann mit der Vorbereitung seiner Mannschaft zufrieden sein: Werder-Coach Viktor Skripnik (Foto: nph).
Profis
Dienstag, 04.08.2015 // 17:24 Uhr

Zum ersten Mal in seiner Trainerkarriere bereitete Viktor Skripnik eine Bundesliga-Mannschaft auf die Saison vor. Spannende Wochen liegen hinter dem Cheftrainer. Im Werder-Interview lässt Skripnik die Sommervorbereitung Revue passieren, spricht über die neuen Spieler, hohe Erwartungen und den Pflichtspielstart im DFB-Pokal.

Die vergangenen Wochen waren deine erste komplette Saisonvorbereitung als Cheftrainer einer Bundesliga-Mannschaft. Was ist der Unterschied zu den Vorbereitungen mit anderen Teams?

Viktor Skripnik: "Ich war selbst gespannt, ob es sich anders für mich anfühlt, aber Fußball ist Fußball... Eines ist jedoch gerade in der Bundesliga ganz besonders: der extrem harte Konkurrenzkampf unter den Clubs und auch innerhalb der Mannschaft. Alles muss bis ins Detail stimmen, um erfolgreich zu sein, denn manchmal entscheiden Kleinigkeiten über Sieg oder Niederlage. Keine schöne Aufgabe ist es, die Entscheidung zu treffen, welche Spieler mit ins Trainingslager fahren oder ob jemand spielt oder nicht. Ich versuche, auch bei harten Entscheidungen immer fair und ehrlich zu sein."

Echte Verstärkungen - harter Konkurrenzkampf

Was ist dir besonders wichtig?

Viktor Skripnik: "Respekt und Disziplin haben für mich eine große Bedeutung. Das versuche ich gleich zu Beginn einer Vorbereitung allen klarzumachen. Es geht um den Umgang miteinander in der Kabine, im Training, im Spiel. Jeder muss verstehen, dass er die Aufgabe hat, die Geschichte von Werder Bremen mitzuschreiben. Die Spieler sollen Achtung vor ihren Kollegen haben, vor den Mitarbeitern, den Zeugwarten, den Reinigungskräften. Und sie müssen die Regeln respektieren. Die Spieler müssen wissen, was von ihnen erwartet wird und was sie dafür von uns bekommen. Weicht jemand von der vereinbarten Linie ab, dann haben auch wir als Trainer einen Grund, etwas zu verändern."

Zur aktuellen Mannschaft: Warum ist Neuzugang Anthony Ujah der richtige Mann für Werder?

Viktor Skripnik: "Seine Spielweise ist einfach klasse. Er spielt aggressiv, hat eine starke Technik, ein gutes Spielverständnis und ist immer gefährlich. In der Vorbereitung hat er gezeigt, dass er von Anfang an Verantwortung übernimmt - auf dem Feld und auch daneben. Dass sich ein solch starker Spieler für Werder entschieden hat, spricht übrigens für unsere Arbeit."

Felix Wiedwald...

Viktor Skripnik: "... kenne ich schon seit seiner Zeit in der Jugend. Er trägt Werder im Herzen, das hat sich auch nicht geändert, als er nun einige Jahre weg war. Als wir wussten, dass es eine Möglichkeit gibt, ihn zu verpflichten, waren wir uns alle schnell einig, dass wir ihn zurückholen müssen. Felix hat in der Vorbereitung gezeigt, dass er für uns eine echte Verstärkung ist."

Ulisses Garcia ist ein ganz junger Spieler...

Viktor Skripnik: "... wie viele andere im Kader auch. Wir entscheiden uns für junge Spieler, wenn wir ihnen zutrauen, den Erfahrenen einen harten Konkurrenzkampf zu liefern. Wir haben Ulisses Garcia nicht für die Tribüne geholt, sondern er hat wie alle die Chance, sich zu zeigen. Bisher hat er sich sehr gut präsentiert."

Gute Testspielergebnisse

Wie viele Schritte nach vorne kann die Mannschaft in ihrer Entwicklung in dieser Saison machen?

Viktor Skripnik: "Ich weiß, dass es enorm hohe Erwartungen an uns gibt, von Fans, von Experten. Daran sind wir nicht ganz unschuldig, weil wir in der Rückrunde wirklich gute Spiele gezeigt haben und nun mit einem kaum veränderten Kader in die neue Saison gehen. Ich würde selbst gerne so schnell wie möglich viele Schritte vorankommen. Aber manches geht nicht von heute auf morgen. Wir müssen uns stabilisieren und haben ein klares Ziel: Wir wollen unbedingt erfolgreich in die Saison starten."

Es geht mit einem Heimspiel gegen Schalke los...

Viktor Skripnik: "Ein sehr attraktiver und starker Gegner. Wir freuen uns, dass wir zu Hause beginnen können, und müssen gleich beim ersten Heimspiel bei 100 Prozent sein."

Das erste Pflichtspiel findet bereits am kommenden Wochenende statt. Wie beurteilst du die Aufgabe bei den Würzburger Kickers, dem Aufsteiger in die 3. Liga?

Viktor Skripnik: "Es wird ein schwieriges Spiel. Jeder erwartet, dass wir als Bundesligist einen Drittligisten praktisch auch nachts mit geschlossenen Augen und nur einem Bein schlagen (lacht). Natürlich erwarten auch wir einen Sieg von uns. Aber wir haben zuletzt selbst erfahren, dass man gegen einen Drittligisten ausscheiden kann, wenn man nicht hundertprozentig da ist. Für den Gegner ist es das Spiel des Jahres, für manche Spieler vielleicht sogar das Spiel ihres Lebens. Es wird ein heißer Tanz."

Wie kannst du darauf einwirken, dass es keine böse Überraschung gibt?

Viktor Skripnik: "Es geht darum, der Mannschaft Sicherheit und Selbstvertrauen zu geben, so dass die Spieler an sich und das Team glauben. Das klappt nur mit sehr guter körperlicher Verfassung und mit guten Testspiel-Ergebnissen, die wir in den letzten Wochen eingefahren haben. Ich kann versprechen, dass wir mit hundertprozentigem Siegeswillen antreten werden."

Das Interview führte Martin Lange