Schluss mit den Comebacks

Melvyn Lorenzens Ziel ist eindeutig: verletzungsfrei bleiben und sich "oben" festbeißen (Foto: WERDER.DE).
Profis
Freitag, 23.10.2015 // 10:52 Uhr

Am vergangenen Wochenende feierte Melvyn Lorenzen nach fünf Monaten sein Comeback in der Bundesliga. "Es war unglaublich nach einer so langen Pause gleich gegen die Bayern und damit gegen die stärkste Mannschaft der Welt zu spielen. Das war im Prinzip gleich eine doppelte Belohnung", erklärte das Sturmtalent im Gespräch mit WERDER.DE. Doch allzu viele "Comebacks" möchte der 20-Jährige in Zukunft nicht mehr bestreiten.

Fünf Monate ohne Bundesliga-Einsatz. Eine lange und oftmals harte Zeit für Lorenzen, der unter anderem mit einer Sehnenreizung im Knie zu kämpfen hatte. Sowohl in der Vorbereitung als auch zum Saisonstart hinderten ihn zahlreiche Rückschläge an der Rückkehr in die Bundesliga. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Durch die "besondere Erfahrung" des Bayern-Spiels hat der Offensivmann Selbstbewusstsein und Kraft getankt. Er möchte seine Chance nutzen: "Jetzt ist es wichtig, dass ich eine gewisse Regelmäßigkeit reinbekomme und mehrere Partien hintereinander mit den Profis bestreite. Nicht immer wieder 'Comebacks' nach monatelanger Pause."

Bundesliga oder Quittung

Wichtig war für Lorenzen vor allem Spielpraxis und da bietet die 3. Liga - vor allem im Vergleich zur Vorsaison, als die U 23 der Grün-Weißen noch in der Regionalliga Nord auflief - eine mehr als geeignete Plattform. "Es ist für meine persönliche Entwicklung und die aller jungen Spieler im Kader enorm wichtig, dass man sich in der 3. Liga beweisen kann. Man muss in jedem Spiel an die Grenzen gehen", erklärt Lorenzen.

Andererseits möchte sich der Jung-Profi natürlich so schnell wie möglich nach oben kämpfen. Eine Nominierung für die U 23 kann sich deshalb durchaus mal "als Rückschritt anfühlen". Aber Lorenzen weiß: „Jede Berufung, ob oben oder unten, hat seine Gründe. Man muss sich bei uns einfach in wirklich jedem Training beweisen. Nur wenn du alles gibst, wirst du auch belohnt und in der Bundesliga eingesetzt. Wenn nicht, bekommst du die Quittung."

"Welche Unbekümmertheit?"

Das Abschlusstraining am Freitag vor dem Duell mit dem 1. FSV Mainz 05 ist der nächste kleine Moment der Wahrheit, nicht nur für Lorenzen. Am Wochenende sollen gegen den Tabellenelften Punkte her und wie schon die gesamte Woche über wird auch in der letzten Einheit wieder Feuer drin sein. Denn: Nach fünf verlorenen Spielen in Folge lastet ein gewisser Druck auf dem Team. "Natürlich herrscht immer eine bessere Stimmung, wenn man ein paar Siege mehr im Rücken hat als es gerade der Fall ist, aber ich versuche die Ergebnisse nicht überall mit hinzunehmen. Es bringt nichts, sich verrückt zu machen. Das macht es im Endeffekt nur noch schlimmer", sieht Lorenzen die Lage pragmatisch.

Von einer Unbekümmertheit aufgrund seines Alters will das Sturmtalent allerdings nichts hören. „Welche Unbekümmertheit? Uns jungen Spielern ist es doch nicht egal, wie es um die Mannschaft steht. Im Gegenteil - wir wollen uns oben festbeißen und haben deswegen vielleicht ab und zu sogar den größeren, doppelten Druck", so Lorenzen. "Wir wissen, dass wir noch nicht fest oben dabei sind. Es kann immer mal nach unten gehen und das manchmal auch relativ schnell", führt er aus. Lorenzen wird alles dafür geben, dass das bei ihm in Zukunft nicht mehr der Fall sein wird.

Von Svend-Philipp Kallmayer