Der Kapitän geht von Bord

Geht auch im Training immer vorne weg - Werder-Kapitän Clemens Fritz (Foto: nph).
Profis
Donnerstag, 14.01.2016 // 18:00 Uhr

Aus Belek berichten Yannik Cischinsky und Dominik Kupilas

 

Wenn der Kapitän von Bord geht, ist ein Schiff führungslos. Es sei denn, der Kapitän kündigt der Besatzung seinen Dienstschluss rechtzeitig an, damit Zeit bleibt. Zeit, eine neue Führungsfigur für die Kommandobrücke zu finden. Im Idealfall übergibt der Kapitän das Kommando dann im sicheren Hafen. 

So sieht der ideale Fahrplan aus und so hat beim SV Werder mit dem heutigen Donnerstag die Übergabe des Kapitänsamtes begonnen. Werders langjähriger Mannschaftsführer Clemens Fritz hat seinen Abschied angekündigt (siehe Extra-Meldung). Im Sommer wird Fritz seine aktive Laufbahn beenden. „Es war sein Wille, das jetzt vor dem Beginn der Rückrunde zu verkünden. So ist es für alle Seiten das Beste", erklärte Direktor Sport Rouven Schröder im Anschluss an die Bekanntmachung. „Er weiß, dass er noch ein halbes Jahr hat und sich auf seinen Abschied vorbereiten kann. Wir wiederum wissen, dass wir unseren Kapitän, eine Führungsperson, verlieren, aber genug Zeit haben, darauf zu reagieren. Keiner hat erwartet, dass Clemens noch ein Jahr und noch eins und noch eins dranhängt. Wir konnten uns darauf vorbereiten", so Schröder weiter.

Rouven Schröder ist beeindruckt von der Leistung des Werder-Kapitäns (Foto: nph).

Schröder: "Er hat hier erfolgreiche Zeiten erlebt"

Und dennoch sind alle bei den Grün-Weißen „traurig, dass Clemens aufhört". Sportlich gesehen verliert das Team von Cheftrainer Viktor Skripnik einen absoluten Stammspieler und erfahrenen Akteur, der flexibel einsetzbar ist. Trotz seines Alters und der Stellung im Team, Fritz tritt nicht einen Schritt kürzer. Für Einsatz, Pflichtbewusstsein und Motivation gibt es von allen Seiten lobende Worte. „Auch hier im Trainingslager hat er wieder jede Einheit, jede Übung zu hundert Prozent absolviert. Er fällt mit seinen 35 Jahren kein Stück ab. Das ist beeindruckend", konstatiert Schröder stellvertretend für alle Werderaner.

Und auch menschlich gesehen verliert Werder einen wichtigen Spieler. „Er hat die jungen Spieler mit seiner Erfahrung geführt, in der Kabine und auf dem Platz. Die Fans verlieren einen, den sie immer mit Werder verbinden. Clemens hat hier erfolgreiche Zeiten erlebt und verschwindet ab Sommer aus dem Trikot", so Schröder.

Clemens Fritz will in seinen letzten Spielen noch einmal alles geben (Foto: nph).

Viele offene Türen

Im Rahmen der Verkündung seines Abschieds ließ der 35-Jährige auch durchblicken, wie es für ihn nach dem Sommer weitergeht. Nach einer einjährigen Auszeit beginnt Fritz ein Trainee-Programm beim SV Werder. Welches Themengebiet der jetzige Mittelfeldmotor dann beackern wird, ist offen. „Ich kann mir Clemens in vielen Funktionen vorstellen, weil er ein sehr intelligenter Mensch ist, der viel hinterfragt, sich erkundigt. Ihm stehen sicherlich viele Türen offen", schätzt Schröder. Erst, wenn sich Fritz genügend Zeit genommen habe, „alles sacken zu lassen", würden weitere Schritte besprochen, so der Direktor Sport weiter.

Bis zum endgültigen Abschied im Sommer stehen allerdings noch 17 eminent wichtige Bundesliga-Partien und mindestens eine Pokalrunde auf Fritz‘ To-Do-Liste. Dass er dabei hundert Prozent geben wird, steht außer Frage. Laut Schröder bleibt ihm deshalb nur eins zu wünschen: „Wir wünschen uns, dass er in der Rückrunde gesund bleibt und sportlich einen Abschied bekommt, wie er ihn sich wünscht: gute Spiele abliefern mit ihm als Kapitän und in der Liga bleiben." Dann, wenn er Werder in den sicheren Hafen „erste Liga" geführt hat, wird es mit Sicherheit auch die eine oder andere kleine Abschiedsfeier für den Kapitän geben, wenn er Ende Juni offiziell von Bord geht.