"Ein neuer Lebensabschnitt hat begonnen"

Zuhause in Österreich und beim SVW: Dennoch ist Zlatko Junuzovic in einen neuen Lebensabschnitt gestartet (Foto: nph).
Profis
Dienstag, 14.07.2015 // 17:30 Uhr

Auf der Autobahn hat er eine kurze Pause, eine Stunde Ruhe. Die Tage der Erholung sind dagegen längst vorbei und auch davon hatte er im Sommer nur wenige. Im Interview mit WERDER.DE blickt Junuzovic auf Heirat und Urlaub zurück, seinen Trainingseinstieg bei Werder sowie den Rummel um seine Person. 

Zlatko Junuzovic ist unterwegs. Wieder unterwegs. Mit dem Auto geht es vom Teamhotel nach Salzburg. Ganz kurzfristig konnte der 28-Jährige einem Live-Talk bei Servus.TV noch zusagen. Es ist nur einer von zahlreichen Medienterminen, die der Mittelfeldakteur zusätzlich zum harten Trainingsalltag im Zillertal absolviert. Aktuell ist er einer der gefragtesten Sportler Österreichs, Mittelpunkt der Nationalmannschaft, Führungsspieler und Identifikationsfigur beim SV Werder.

WERDER.DE: Du hast ein aufregendes, sehr langes Jahr hinter dir. Im Anschluss an die Saison standen noch ein Qualifikationsspiel und dann deine Hochzeit auf dem Programm. Konntest du schon alle Eindrücke verarbeiten?

Zlatko Junuzovic: „Zunächst einmal war der Sieg mit der Nationalmannschaft extrem wichtig - generell für die Position in der Quali-Gruppe, aber auch für die Vorfreude auf die neue Spielzeit. Danach ging es Schlag auf Schlag weiter. Als erstes kam meine Hochzeit, die sehr schön war und die ich richtig genießen konnte. Dann sind wir direkt weiter zu zwei weiteren Hochzeiten und haben eine Woche Heimaturlaub gemacht. In dieser Zeit konnte ich einiges Revue passieren lassen. Rückblickend war es eine schöne Saison mit vielen Eindrücken, die es aber zu verbessern gilt."

WERDER.DE: Fühlst du dich denn schon wieder erholt genug, daran anzuknüpfen?

Zlatko Junuzovic: „Ich muss sagen, zum Schluss hatte ich schon wieder Bock auf den Ball. Ich denke, das ist ein positives Zeichen. Leider konnten meine Frau und ich keinen richtigen Urlaub machen, dafür war die Zeit dann zu knapp, aber wir waren viel unterwegs und ich konnte abschalten. Es ist wichtig, auch mal was anderes im Kopf zu haben."

WERDER.DE: Ist der Ehemann Zlatko Junuzovic jetzt ein anderer als der, den man kennt?

Zlatko Junuzovic (lacht): „Schwer zu sagen, das wird die Zeit zeigen. Es fühlt sich aber schon anders an, wenn man verheiratet ist, wenn dieser komplett neue Lebensabschnitt begonnen hat. Das hätte ich nicht gedacht, das muss ich zugeben. Aber bisher sind die Erfahrungen durchweg positiv. Wie gesagt: Es war eine schöne, sehr angenehme Hochzeit und wenn man dieses Gefühl hat, war es wohl die richtige Entscheidung (lacht)."

WERDER.DE: Du bist erst vor ein paar Tagen nachträglich ins Training eingestiegen. Welche Eindrücke konntest du bisher sammeln?

Zlatko Junuzovic: „Die letzten Tage waren schon sehr anstrengend. Wir haben einige harte Einheiten hinter uns, aber auch noch ein strammes Programm vor uns. Jeder zieht voll mit. Man muss über seine Grenzen gehen, aber so ist das in einer Vorbereitung und es macht sogar ab und zu Spaß (lacht). Wir haben Top-Bedingungen, das Hotel ist super. Hier können wir zwischen den Einheiten richtig gut regenerieren. Außerdem spielt das Wetter absolut mit. Es ist nicht zu heiß und ich hoffe, das bleibt so."

WERDER.DE: Wenn man so einen „Kaltstart" hinlegt wie du, ist das schwerer als von Anfang an dabei zu sein?

Zlatko Junuzovic: „Nein, das würde ich nicht sagen. Vom Fitnesszustand ist das kein großer Unterschied. Natürlich ist die Intensität bei deinem individuellen Programm nicht so hoch, wie bei den Kollegen im Trainingslager. Du nutzt den Urlaub ja in erster Linie zur Erholung. Aber wenn man die Grundlagen beibehält, verliert man in drei Wochen nicht allzu viel. Da fällt es nicht schwer wieder einzusteigen."

WERDER.DE: Neben den zahlreichen Trainings stehen für dich hier auch enorm viele Medientermine auf dem Programm. In Österreich hast du mittlerweile einen ganz anderen Stellenwert, das Interesse an dir ist enorm gewachsen. Genießt du das?

Zlatko Junuzovic: „Natürlich genieße ich das auch ein bisschen, aber ich bin - so wie gestern als ich nach drei Trainingseinheiten noch zum Talk zu Servus.TV gefahren bin - auch extrem müde. Wenn man sich dann auf das Interview konzentrieren muss, ist das nicht einfach, die richtigen Worte zu finden (lacht). Trotz alledem nimmt man das gerne mit. Es herrscht eine gewisse Euphorie im Land, das bekommt man als Nationalspieler deutlich zu spüren. Wir haben die letzten Spiele sehr erfolgreich bestritten und können aus eigener Kraft - und vor allem aus einer sehr guten Position heraus - die Qualifikation für die EM schaffen. Die Fußballfans in Österreich sind sehr positiv gestimmt. Das gibt uns zusätzliches Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben."

WERDER.DE: Mit Sebastian Prödl und Richard Strebinger haben zwei Landsleute Werder verlassen, der österreichische Fokus richtet sich ganz auf dich. Nimmst du einen Unterschied im Vergleich zu den letzten Jahren wahr?

Zlatko Junuzovic: „Die öffentliche Erwartungen sind generell in den letzten Jahren, in denen ich bei Werder spiele, immer mehr gewachsen. Momentan ist der Andrang riesig, so etwas habe ich in dem Ausmaß persönlich noch nicht miterlebt. Für mich ist das positiv. So merke ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin - persönlich und mit Werder. Nichtsdestotrotz muss man sich immer wieder beweisen, sich weiterentwickeln. Der Fokus muss immer auf dem nächsten Training liegen, darauf, dass man die Übungen zu hundert Prozent durchzieht."

WERDER.DE: Wie hast du die Neuen im Team wahrgenommen?

Zlatko Junuzovic: „Die Neuzugänge sind sehr gut aufgenommen worden und mittlerweile gut integriert. Man merkt, dass alle zusammen Spaß haben können. Das finde ich sehr wichtig. Mit 'Tony' und 'Ulli' habe ich sehr viel Zeit verbracht. Auf dem Platz verstehen wir uns schon erstaunlich gut, obwohl wir erst ein paar Mal zusammen trainiert haben, seitdem ich eingestiegen bin. Ich hoffe, dass sich das so positiv weiterentwickelt und wir in der Saison für Furore sorgen können."

WERDER.DE: Du sprichst es an - die neue Saison nähert sich mit großen Schritten. Was kann Werder 2015/16 deiner Meinung nach erreichen?

Zlatko Junuzovic: „Das werden wir sehen (lacht). Das Wichtigste ist, dass wir alle verletzungsfrei bleiben und jeder die Vorbereitung durchziehen kann, fit werden und wir in der Saison dann wenige Ausfälle verkraften müssen. Da sind wir bisher auf einem guten Weg. Wie es dann weitergeht, wird die restliche Vorbereitung zeigen. Momentan geht es mehr um die mannschaftliche Fitness und bis der körperliche Zustand nicht stimmt, brauchen wir über Saisonziele gar nicht reden. In den Freundschaftsspielen wollen wir uns jetzt den Rhythmus, das Gefühl im Zusammenspiel und die taktische Sicherheit holen. Am Ende wird man dann sehen, mit welcher Mannschaft und wie wir in die Saison starten. Es ist ja noch Zeit."

Aus dem Zillertal berichten Dominik Kupilas und Yannik Cischinsky