Ein Jahresausklang, der weh tut

Stimmen zum Spiel

Profis
Samstag, 19.12.2015 // 19:06 Uhr

Aus Frankfurt berichten Dominik Kupilas und Yannik Cischinsky

Den Jahresausklang hatten sich die Grün-Weißen definitiv anders vorgestellt. Nach dem überzeugenden Weiterkommen unter der Woche im DFB-Pokal bei Borussia Mönchengladbach wollten Ujah, Vestergaard und Co. das Jahr auch in der Bundesliga mit einem Erfolgserlebnis beenden und sich mit einem Sieg in den Winterurlaub verabschieden. Doch beim 1:2 in Frankfurt fehlten nach ordentlicher erster Halbzeit am Ende die entscheidenden letzten Prozente. 

„Wir haben das heute bis zum Rückstand ordentlich gemacht. Aber wir hatten am Dienstag ein schweres Pokalspiel, da hat uns am Ende die Power gefehlt", konstatierte Geschäftsführer Thomas Eichin. Doch die schweren Beine allein sollten nach Meinung von Clemens Fritz "nicht als Ausrede dienen. "Es bringt uns gar nichts, wenn wir dann am Wochenende in der Liga wieder eine Niederlage kassieren", so der Kapitän. WERDER.DE hat sich unter den Werderaner umgehört und fasst die Stimmen zum Spiel zusammen. 

Zum Spielverlauf:

Thomas Eichin: „Das war heute eine unnötige Niederlage. Wir sind gut in die Partie gekommen, haben den Schwung vom Gladbach-Spiel mit ins Spiel genommen und zum richtigem Zeitpunkt das Tor gemacht. Aber das 1:0 müssen wir dann länger halten, dann wird es unruhig im Stadion. Nach dem 1:2 hat uns die Power gefehlt."

Viktor Skripnik: „Es tut mir Leid für die Fans, dass wir heute verloren haben. Wir haben uns nicht versteckt und versucht, die Euphorie von Dienstag mitzunehmen. Das hat eine Halbzeit lang geklappt. Es ist schade, dass so ein Krimi durch einen individuellen Fehler entschieden wurde. Wir haben heute ein wichtiges Spiel verloren, aber nicht das entscheidende."

Jannik Vestergaard: „Die Niederlage tut uns weh. Wir gehen in Führung, alles läuft nach Plan, aber dann fällt der Ausgleich durch eine Situation, die wir oft besprochen haben. Das zweite Gegentor kurz nach der Pause war ein Schlag ins Gesicht."

Anthony Ujah: „Leider ist es uns nicht gelungen, die Führung länger zu verteidigen. Nach dem schnellen Ausgleich war es für uns sehr schwierig und nach dem frühen Tor im zweiten Durchgang sind wir nicht mehr zurückgekommen."

Rouven Schröder: „Wir haben zu einfache Fehler im Aufbauspiel gemacht. Es war aufgrund der vielen Chancen und der starken zweiten Halbzeit von Frankfurt ein absolut verdienter Sieg. Wir hätten auch höher verlieren können."

Felix Wiedwald: „Wir haben gut begonnen, das 1:0 erzielt um dann direkt im Gegenzug den Nackenschlag zu bekommen. Das war natürlich bitter. Gleich nach Wiederanpfiff fällt dann das 1:2. Ich denke, beide Mannschaften haben viel investiert, aber waren vorne nicht effektiv. Die Niederlage tut weh, da uns Frankfurt auch in der Tabelle überholt hat."

Clemens Fritz: „In der ersten Halbzeit haben wir teilweise ruhig kombiniert und konnten damit für Gefahr sorgen. Doch dann haben wir einfach zu viele Fehler im Passspiel begangen, versucht uns mit langen Bällen zu helfen. Wir haben keine Struktur mehr in unser Spiel bekommen. Da sind wir selber schuld."

Das Fazit der Hinrunde:

Kurz nach Wiederanpfiff kassierte Werder den Gegentreffer zum 1:2-Endstand (Foto: nph).

Jannik Vestergaard: "Es wartet eine schwierige Rückrunde auf uns. Da werden wir jedes Spiel angehen wie ein Endspiel und in allen 17 Spielen alles raushauen. Im letzten Jahr waren wir zur Winterpause in einer ähnlichen Situation, haben da am Ende sogar noch um die Europa-League-Plätze gespielt. Und auch in dieser Saison ist noch alles möglich, aber dafür müssen wir uns deutlich verbessern. Ich habe vollstes Vertrauen in die Mannschaft und glaube, dass wir wieder genauso aus der Situation rauskommen.""

Thomas Eichin: „Wir haben eindeutig zu wenige Punkte um beruhigt in die Winterpause zu gehen. Aber auch bei 17, 18 oder 19 Punkten hätte ich kein positives Fazit gezogen. Es ist wie in den vergangen Jahren auch: Wir müssen ruhig bleiben, hart arbeiten, zusammenhalten, die Fehler schonungslos ansprechen und kämpferisch in die Rückrunde gehen. Aber vor allem müssen wir die Köpfe oben behalten, um die ersten Spiele der Rückrunde siegreich bestreiten zu können."

Claudio Pizarro: „Wir sind in einer sehr schwierigen Situation für die Mannschaft, die Fans und die gesamte Stadt. Aber wir müssen ruhig bleiben und noch mehr arbeiten. Wir sind davon überzeugt, dass wir es in der Rückrunde besser machen können. Jetzt gehen wir in den Urlaub, werden Kraft tanken, den Kopf freibekommen und dann mit Vollgas in die Vorbereitung starten."

Clemens Fritz: „Dieses Ergebnis schleppt man mit in die Winterpause. Heute sind wir alle sehr angefressen aufgrund der Niederlage, aber auch grundsätzlich sind wir mit der Punkteausbeute unzufrieden. Wir sind noch eine junge Mannschaft, aber es ist wichtig, dass wir aus den Fehlern, die gemacht wurden, lernen. Wir werden die Hinrunde analysieren, dabei muss sich jeder kritisch hinterfragen und dann zur Rückrunde eine Schippe drauflegen."

Rouven Schröder: „Dass wir im Pokal weitergekommen sind, ist natürlich schön, aber unter dem Strich ist die Liga ist das Kerngeschäft, das höchste Gut. Daran gilt es zu arbeiten." Viktor Skripnik: „Wir haben einfach zu wenig Punkte. Ich bin überhaupt nicht froh, dass jetzt Winterpause ist. Am liebsten würde ich direkt weitermachen. Ich bin ungeduldig und will die Punkte holen. Natürlich ist das Team jetzt frustriert, aber es ist wichtig, dass wir auch optimistisch bleiben. Wir haben bisher nicht in der Abstiegszone gesteckt."

Zum individuellen Fehler, der zum 1:2 führte:

Thomas Eichin: „Das 1:2 war dann der Knackpunkt. Da macht Florian Grillitsch einen Fehler, der so nicht passieren darf. Aber Flo ist ein junger Spieler, er wird daraus lernen."

Felix Wiedwald: „Wir erkämpfen uns in dieser Situation im eigenen Strafraum den Ball und versuchen dann, die Situation spielerisch zu lösen. Da müssen wir einfach klären, so ein Fehler darf nicht passieren. Deshalb mussten danach bei mir auch die Emotionen raus."

Viktor Skripnik: „Florian ist selbstkritisch genug. Er hat viel Talent und schon wichtige Spiele für uns bestritten. Der Fehler ist selbstverständlich bitter, aber das gehört zum Fußball. Die Reaktion von Felix Wiedwald ist emotional, das lag ihm auf dem Herzen. So muss man als Nummer eins agieren und das ist der Fußball. In der Kabine sind sie schon wieder beste Freunde."