Maximilian Eggestein lebt seinen Traum

Maximilian Eggestein zeigte während der Vorbereitung auf die kommende Saison ansprechende Leistungen (Foto: nph).
Profis
Dienstag, 04.08.2015 // 14:02 Uhr

Vom Druck im Profi-Geschäft spürt der Mittelfeldspieler jedoch nichts. Er genießt jede sich bietende Erfahrung und saugt sie auf wie ein Schwamm. Maximilian Eggestein lebt seinen Traum. Den Traum, sein Hobby als Beruf ausüben zu können. "Viele meiner Freunde beginnen gerade eine Ausbildung oder fangen an zu studieren. Ich sehe den Fußball aber nicht als Beruf, sondern immer noch als mein Hobby. Es würde mich allerdings freuen, wenn ich dieses Hobby langfristig zu meinem Beruf machen kann", sagt der talentierte Spielmacher.

Vor weniger als einem halben Jahr unterschrieb Maximilan Eggestein seinen ersten Profi-Vertrag beim SV Werder. Bereits drei Monate zuvor feierte das Werder-Talent im Alter von 17 Jahren und 356 Tagen sein Bundesliga-Debüt. Beim 4:0-Sieg der Grün-Weißen gegen den SC Paderborn wurde er in der 83. Minute eingewechselt und ist damit nach Thomas Schaaf zweitjüngster Bundesliga-Spieler der Grün-Weißen. Während der Vorbereitung auf die anstehende Saison erarbeitete sich der Youngster zahlreiche Testspiel-Einsätze, stand unter anderem in den Härtetests gegen den FC Sevilla und West Ham United in der Startformation von Cheftrainer Viktor Skripnik. "Ich kann gar nicht glauben, wie schnell das alles gegangen ist", sagt Eggestein rückblickend.

Eggestein: "Ich weiß, was Skripnik verlangt"

2011 wechselte der Sohn des ehemaligen Fußballers Karl Eggestein, der für den TSV Havelse 36 Partien in der 2. Bundesliga absolvierte, vom gleichen Verein in die U 17 des SV Werder. Sein damaliger Coach hieß übrigens Viktor Skripnik. Werders jetziger Cheftrainer nahm eine wichtige Rolle in der Entwicklung ein, erinnert sich Eggestein. "Er kennt mich gut. In der U 17 und in der U 19 war er mein Trainer. Deshalb weiß ich ganz genau, was er von seinen Spielern verlangt und kenne sein bevorzugtes Spielsystem. Das hilft mir natürlich auch jetzt bei den Profis", so der gebürtige Hannoveraner.

Apropos Profis. Seit einem Dreivierteljahr ist Eggestein Bestandteil der Bundesliga-Mannschaft der Grün-Weißen, hat sich seither Schritt für Schritt näher herangetastet. "Das Verhältnis zu meinen Teamkollegen wird immer besser. Am Anfang war ich in der Kabine sehr zurückhaltend, aber mittlerweile mache ich viele Späße mit den erfahrenen Profis wie Clemens Fritz oder Zlatko Junuzovic", sagt der Youngster, der bedeutsame Monate hinter sich hat. "Erst habe ich mein Abitur abgeschlossen, dann sind wir mit der U 23 in die 3. Liga aufgestiegen und anschließend folgte der Umzug in meine erste eigene Wohnung." Der 18-Jährige hält fest: "Für mich hat definitiv ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Es kommen viele neue Verpflichtungen auf mich zu. Ich muss selbst kochen und mich um die Wäsche kümmern. Dieser Luxus wurde bislang im Internat für mich erledigt und ist natürlich eine Umgewöhnung. Ich muss zugeben, dass Kochen nicht zu meinen großen Stärken zählt, aber vielleicht kann ich mir bei meiner Mutter noch einige Tipps einholen", scherzt Eggestein, der zuvor im Leistungszentrum des SV Werder wohnte.

Noch viele Schritte zu gehen

Dort wohnt auch weiterhin sein jüngerer Bruder. Johannes spielt bei den Grün-Weißen in der U 19. In der vergangenen Saison machte der 17 Monate jüngere Eggestein als Spieler der U 17 mit sechs Toren in zwei Spielen für die U 19 auf sich aufmerksam. Ob er eines Tages neben seinem Bruder für die Bundesliga-Mannschaft des SVW aufläuft, will Maximilian noch nicht prognostizieren. "Johannes ist jetzt in der U 19, ich bin erst seit kurzem bei den Profis dabei. Wir werden sehen, wo uns unsere Wege hinführen", so der ältere Eggestein, der weiter Schritt für Schritt an sich arbeiten möchte.

Er weiß, dass er noch viel Zeit hat, um sich als Bundesliga-Profi zu etablieren und verfällt daher nicht in Hektik. "Ich mache mir keinen Druck vor den Spielen und rede mir nicht ein, dass ich unbedingt spielen muss. Wenn man sich so etwas in den Kopf setzt und anschließend nicht auf dem Spielfeld steht, ist man umso enttäuschter. Als junger Spieler sollte man sich freuen, wenn man Einsätze bekommt und diese Momente als wichtige Erfahrungen verbuchen", sagt der 18-Jährige.

Nach einer positiven Vorbereitung mit vielen neuen Erfahrungen freut sich Eggestein nun darauf, dass es endlich wieder losgeht. "Die Vorbereitung lief nicht nur für das Team, sondern auch für mich persönlich sehr gut. Ich hoffe, ich kann während der Saison an die Leistungen der letzten Wochen anknüpfen. Es ist schon etwas anderes, im Weser-Stadion vor 42.000 Zuschauern aufzulaufen als vor 1.000 Zuschauern in der Regionalliga oder der 3. Liga", weiß er. Allerdings weiß er auch, dass er weiter akribisch arbeiten muss, um sich in der Bundesliga durchzusetzen: "Bis mein Traum endgültig in Erfüllung geht, sind noch viele Schritte zu machen."

Von Michael Runge