Erst das Studium, dann der Traum

Werders Winter-Neuzugang Papy Djilobodji bewies sich in den ersten Spielen als echte Verstärkung (Foto: nordphoto).
Profis
Montag, 01.02.2016 // 17:18 Uhr

Notiert von Yannik Cischinsky

djilErst seit knapp zwei Wochen ist Papy Djilobodji beim SV Werder. Durch die starken Leistungen auf Schalke und im Heimspiel gegen Hertha BSC hat der Senegalese schnell Sympathien bei Teamkollegen und Fans gewonnen.

Mit WERDER.DE unterhielt sich der Innenverteidiger über die ersten Erfahrungen in Deutschland, wichtige Ansprechpartner und seinen Weg zum Fußball-Profi.

WERDER.DE: Papy, wie beurteilst du das Ergebnis von Samstag mit ein bisschen Abstand? Bist du traurig über die verlorenen Punkte oder glücklich, dass es noch zu einem Unentschieden gereicht hat?

Papy Djilobodji: „Natürlich wären uns drei Punkte lieber gewesen (lacht). Aber wir spielen gegen den Abstieg, da ist jeder Punkt wichtig für uns. Wir wollen eine gute Rückrunde spielen. Die vier Punkte gegen zwei so starke Mannschaften zum Start haben uns dafür zusätzliche Motivation gegeben."

WERDER.DE: Wie hast du dein erstes Heimspiel im Weser-Stadion erlebt?

Papy Djilobodji: „Es war sehr, sehr schön. Die Fans waren da und haben uns lautstark unterstützt. Das habe ich gleich bei der ersten gelungenen Aktion gespürt. Das gibt uns Selbstvertrauen und wir geben alles dafür, dass es so bleibt."

Djilobodji hat in Anthony Ujah schnell einen guten Freund gefunden (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Du selbst konntest dich ja sehr schnell ins Team und das Niveau der Bundesliga einfinden. Hättest du das gedacht?

Papy Djilobodji: „Ich wurde vom ganzen Team gut aufgenommen. Die Trainer und die Mitspieler haben mich sehr nett empfangen. Auf dem Platz fühle ich mich immer besser und ich hoffe, schon bald bei hundert Prozent meiner Fähigkeiten zu sein. Ich konnte bei Chelsea zwar weniger Spielpraxis sammeln, aber wir haben sehr häufig und sehr intensiv trainiert. Ich hatte auf hohem Niveau mit vielen starken Gegenspielern zu kämpfen. Das hat mich weitergebracht. Ich war dennoch sehr erleichtert, dass ich jetzt endlich wieder meine Leidenschaft, meinen Job leben konnte."

WERDER.DE: Wie wichtig war Anthony Ujah in den ersten Tagen für dich?

Papy Djilobodji: „Sehr wichtig. Ich kannte ihn vorher nicht, aber er hat mir hier alles gezeigt und mich herumgeführt. Er ist schon nach ein paar Tagen fast wie ein Bruder geworden."

WERDER.DE: Mit Sambou Yatabaré hast du kurz nach deinem Wechsel noch einen Teamkollegen bekommen, mit dem du dich bestens unterhalten kannst...

Papy Djilobodji: „Das ist natürlich angenehm, aber ich finde es gerade gut, dass wir aus so vielen verschiedenen Ländern kommen. Es macht Spaß, die anderen kennenzulernen und mit ihnen zu kommunizieren. Ich denke, es ist ein Plus. Wir halten zusammen, egal wo wir herkommen."

WERDER.DE: Wie verständigt ihr euch denn bei so einer internationalen Abwehrkette, zum Beispiel du mit deinem Nebenmann Jannik Vestergaard?

Papy Djilobodji: „Jannik ist wirklich ein sehr guter Spieler, der schnell antizipiert. Deshalb klappt das problemlos mit der Verständigung. Wir unterhalten uns in einem Mix aus Englisch, Französisch und Deutsch (lacht)."

WERDER.DE: Und wer gibt die Kommandos?

Papy Djilobodji: „Jannik gibt die Kommandos und ich versuche ihn zu unterstützen. Jannik dirigiert auf seiner rechten Seite, ich übernehme diese Rolle auf links. Natürlich sprechen wir auch viel mit dem Torhüter. Es ist eine Teamarbeit, schließlich ist Fußball ein Mannschaftssport." 

Dirigiert bereits nach wenigen Tagen seine Mitspieler: Papy Djilobodji (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: Aber man spürt, dass du gerne Verantwortung übernimmst. Zum Beispiel hast du dich gegen Hertha gleich einer vielversprechenden Freistoßsituation gestellt.

Papy Djilobodji: „Ich habe mich gut gefühlt und wollte Verantwortung übernehmen. Auch in Nantes habe ich in der Abwehr eine verantwortungsvolle Rolle inne gehabt, aber ich habe auch lange für den Verein gespielt."

WERDER.DE: Kommen wir zu deiner Vergangenheit. Du bist erst mit 21 Jahren nach Europa gekommen und hast den Weg über die vierte französische Liga in den Profi-Bereich genommen. Wie kam es dazu?

Papy Djilobodji: „Ich hatte auch schon früher die Chance, aber mein Vater hat darauf bestanden, dass ich zunächst studiere. Ich war immer schon überzeugt davon, dass ich es schaffe und habe hart dafür gearbeitet. Seitdem ich klein bin, war es immer mein Traum. Als ich aus dem Senegal nach Europa kam, bin ich eher im Sturm oder im Mittelfeld eingesetzt worden. Erst im Laufe der Zeit wurde ich zum Innenverteidiger umgeschult. Meine Größe war ein Vorteil und ich habe es als Chance gesehen, mich auf dieser Position durchsetzen zu können. Da habe ich mir viel von Sergio Ramos abgeguckt. Er war so etwas wie mein Vorbild."

WERDER.DE: Gab es jemanden, der dir auf diesem Weg besonders geholfen hat?

Papy Djilobodji: „Mein Vater ist ein großes Vorbild für mich. Zum Beispiel die Beidfüßigkeit habe ich meinem Vater zu verdanken. Er war selbst technisch sehr versiert und hat immer gesagt: ‚Wenn du es schaffen willst, musst du mit beiden Füßen gleich gut sein. Ich habe ihm, aber auch meiner ganzen Familie, viel zu verdanken."

WERDER.DE: Ob bei Interviews, beim Training oder in der Kabine, du wirkst immer gut gelaunt und hast ein Lächeln auf den Lippen. Woher kommt das?

Papy Djilobodji: „Auch das habe ich von meiner Familie. Ich denke, viele Menschen haben ein schwieriges Leben und wenig zu lächeln. Ich habe das Glück, meinen Traum leben zu können. Das möchte ich zum Ausdruck bringen. Das Leben ist schön."