Doppelte Bescherung - Interview mit Skripnik

Werders ukrainischer Cheftrainer Viktor Skripnik spricht über seine Weihnachts-Feiertage 2014 (Foto: nph).
Profis
Dienstag, 23.12.2014 // 11:08 Uhr

Seit zwei Monaten ist Viktor Skripnik als Cheftrainer der Werder-Profis im Amt. Eine aufregende Zeit, doch auch die fußballfreie Weihnachtszeit hat es für den Ukrainer in sich. Warum es im Hause Skripnik gleich zwei Bescherungen gibt und wie der Fußballlehrer den Heiligabend verbringt, verrät er im großen Weihnachts-Interview.

Hallo Viktor, nach dem wichtigen 2:1-Heimsieg gegen Dortmund am vergangenen Samstag ist jetzt erstmal Weihnachtsurlaub angesagt. In Deutschland wird das Weihnachtsfest ja etwas anders gefeiert als in deiner ukrainischen Heimat. Wie bist du mit deiner Familie zu Beginn damit umgegangen?

Viktor Skripnik: "Als wir 1996 nach Deutschland kamen, hatten wir zuvor schon davon gehört. In der Ukraine ist ja Silvester das große Fest. Meine Frau und ich haben aber sofort gesagt, dass wir jetzt, da wir in Deutschland leben, Weihnachten auch wie die Deutschen feiern. Genauso wie alle anderen Feiertage. Wir wollten uns unbedingt anpassen."

War das zu Beginn nicht etwas ungewohnt?

Viktor Skripnik: "Da hat mir die Zeitumstellung beispielsweise mehr Probleme bereitet. Immer wieder vor und zurück - da stand ich gerne mal um 9 Uhr beim Training und habe mich gewundert, warum keiner außer mir da war, bis ich mitbekommen habe, dass die Zeit umgestellt wurde. Naja, immerhin ging es auch anderen Ausländern ähnlich wie mir, da stand ich wenigstens nicht alleine da (schmunzelt). Aber zurück zum Thema: Natürlich musste man sich auch erst daran gewöhnen, dass es hier andere Feiertage zu Weihnachten gibt. Aber letztendlich haben wir dadurch zwei Tage mehr, um Spaß zu haben. Das macht doch glücklich, denn Weihnachten macht einen riesengroßen Spaß. Als wir in Deutschland ankamen, war mein Sohn erst fünf Jahre alt. Ich war jedes Jahr aufs Neue happy, wenn er an Heiligabend seine Weihnachtssocken ausgepackt hat. Da hat er sich immer besonders drauf gefreut." 

Wo du es gerade ansprichst - wie läuft denn der Heiligabend in eurem Hause ab?

Viktor Skripnik: "Entweder bekommen wir Besuch von guten Freunden oder wir besuchen sie. Es gibt dann auch die typischen Gerichte. Allerdings ist das von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Mal gibt es Kartoffelsalat und Würstchen, mal eine Gans, mal eine Ente. Und anschließend natürlich die Bescherung."

Wenn Familie Skripnik das Weihnachtsfest typisch deutsch begeht, gibt es dann im Vorfeld auch einen Adventskalender?

Viktor Skripnik: „Natürlich. Da war früher aber immer viel Geduld gefragt. Am liebsten machten die Kinder als sie noch kleiner waren alle Türen direkt am ersten Tag im Dezember auf. Ein Adventskalender gehört bei uns jedes Jahr dazu. Davon gibt es auch unzählige Fotos. Bei uns steht auch ein Weihnachtsbaum. Der bleibt dann über drei Wochen stehen, weil die ukrainische Weihnacht bis zum 7. Januar geht."

Da hast du quasi direkt zur nächsten Frage übergeleitet. Wie läuft denn in der Ukraine das Weihnachtsfest ab?

Viktor Skripnik: "Der große Tage ist Silvester, also der 31. Dezember. Da kommt die ganze Familie zusammen. Da sitzen dann schnell 20 Personen beisammen und jeder hat seine Geschenke dabei. In der Ukraine schreiben die Kinder vorher übrigens wirklich noch Briefe an den Weihnachtsmann. Für mich als Papa ist das natürlich besonders gut, weil ich dann keine Geschenke aussuchen muss (lacht). Wenn dein Kind an Silvester genau das bekommt, was es sich vom Weihnachtsmann gewünscht hat, ist man als Papa einfach nur glücklich. Ich bin froh, dass ich diese Tradition auch an meine Kinder weitergeben konnte. Die Weihnachts-Feiertage sind eine Woche später am 6. und 7. Januar." 

Wie lange haben denn deine Kinder an den Weihnachtsmann geglaubt?

Viktor Skripnik: "Bei meinem Sohn war es spätestens mit 15 Jahren und da hat er seiner Schwester gleich alles mit vermasselt. Er hat damals zu ihr gesagt: 'Weißt du, es gibt gar keinen Weihnachtsmann.' Er hat aber schnell gemerkt, dass er einen Fehler gemacht hat."

Gibt es an Silvester auch so etwas wie eine Bescherung?

Viktor Skripnik: "Das kann man so sagen. Der Weihnachtsmann kommt immer um elf Uhr abends. Dann muss man ein Lied singen oder tanzen oder eine Geschichte erzählen, damit man sein Geschenk bekommt. Wenn die Uhr dann Mitternacht schlägt, dürfen die Geschenke ausgepackt werden."

Wirst du dieses Jahr auch in die Ukraine reisen?

Viktor Skripnik: "Nein. Zum ersten Mal seit ich nach Deutschland gekommen bin, bleibe ich in Bremen. Schließlich geht es ja am 05.01.2015 wieder mit dem Training los und einen Tag später ab ins Trainingslager."

Viktor, vielen Dank für deine Zeit. Wir wünschen dir schöne Weihnachtstage!