NBA-Finals verpasst, aber Vaterglück geerntet

Werders Theodor Gebre Selassie wurde vor einer Woche erstmalig Vater (Foto: nph).
Profis
Donnerstag, 19.06.2014 // 14:56 Uhr

Eljero Elia war vor Ort, Luca Caldirola ebenfalls. Auch Franco Di Santo wollte diesen Höhepunkt im US-Bundesstaat Florida auf keinen Fall verpassen. Nur Theo Gebre Selassie weilte nicht in Miami, um das NBA-Meisterschaftsfinale zwischen den gastgebenden Heat und den San Antonio Spurs live zu verfolgen. „Ich hatte mir fest vorgenommen, die Finals anzuschauen. Die Tickets waren quasi schon gekauft, doch dann kam ja etwas dazwischen", erzählt Werders Tscheche mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Das ‚etwas‘ war die Geburt seines ersten Kindes. Vor acht Tagen brachte Freundin Leona den kleinen Noe zur Welt. Und Gebre Selassie junior zeigte sich dabei ähnlich hartnäckig, wie sein Papa sonst auf dem Fußballfeld.

So mussten Theo und Leona fast acht Stunden warten, bis der kleine Noe endlich raus wollte. „Um kurz vor drei war es so weit. Am Anfang hat er sich ordentlich Zeit gelassen. Da war er echt langsam. In der letzten halben Stunde hat er sich aber beeilt. Da ging alles ganz schnell", berichtet Gebre Selassie, der bei der Geburt die komplette Zeit im Krankenhaus dabei war. Und so richtig realisiert hat der Werder-Akteur noch nicht, was er da am vergangenen Mittwoch miterleben durfte. „Ich kann meine Gefühle noch gar nicht richtig beschreiben. Es ist total schön, aber es wartet ab sofort auch sehr viel Arbeit auf uns."

„Natürlich wäre es nicht schlecht, wenn er auch Fußballer würde. Vielleicht wird er aber auch ein Eishockeyspieler. Wir werden sehen", so der Außenspieler mit Bezug auf die zwei großen Volkssportarten des Landes lächelnd.  

Doch mit wie viel Wehmut verfolgt Gebre Selassie eigentlich das Fußballturnier in Brasilien? Immerhin spielte er vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine gegen keinen Geringeren als Cristiano Ronaldo. Doch seine Tschechen verpassten diesmal mit Rang drei hinter Italien und Dänemark die Qualifikation. „Es ist natürlich schade, dass wir es nicht geschafft haben. Persönlich ist das aber nicht ganz so tragisch, da ich ja sonst die Geburt meines Sohnes verpasst hätte. Ich schaue aber fast jedes Spiel. Nur die Mitternachtspartien nicht, das ist einfach zu spät", so der 27-Jährige.

Dank Beachvolleyball und Basketball optimal vorbereitet 

Die Zeit, die er gewonnen hat, investiert er komplett in die ‚neue‘ Familie. Doch die Vorbereitung auf die neue Spielzeit vernachlässigt der Werder-Profi keineswegs. „Ich war jeden Tag in Liberec laufen und im Kraftraum. Darüber hinaus habe ich Beachvolleyball und Basketball gespielt. Ich denke, ich bin optimal vorbereitet für den Auftakt und hoffe, dass ich gleich gut in Form bin", äußert sich Gebre Selassie zum Auftakt am kommenden Donnerstag. Dabei kann er seine Vorfreude nicht verhehlen, trotz der zu erwartenden Anstrengungen an der Weser. „Ich sehne dem Start schon herbei, da die Pause recht lang war. Es macht einfach weniger Spaß, alleine laufen zu müssen."

Auf alleiniges Laufen muss sich Theo auch mittelfristig noch einstellen, wenn er in der Heimat ist. Schließlich braucht Sohne Noe noch ein paar Jährchen, ehe er seinem Vater dabei Gesellschaft leisten kann.

von Timo Volkmann