"Gemischte Gefühle" nach Achterbahn-Spiel

Das erste Bundesliga-Tor von Melvyn Lorenzen reichte in einem intensiven Spiel letztlich nicht zum Sieg (Foto: nph).
Profis
Samstag, 13.12.2014 // 19:09 Uhr

Rückstand, Ausgleich, Führung, Ausgleich, Rückstand, Ausgleich. Die Zuschauer im Weser-Stadion erlebten beim 3:3-Unentschieden im „kleinen Nordderby" ein wahres Wechselbad der Gefühle. "Für die Zuschauer war es sicher nicht langweilig, für mich als Trainer eher weniger angenehm", fasste Werder-Coach die Partie zusammen.  Mit dem Last-Minute-Ausgleich belohnte Davie Selke sich, seine Kollegen und die Fans zwar für eine tolle Moral, der eine Punkt war allen am Ende aber zu wenig.

WERDER.DE hat sich nach dem Spiel in der Mixed-Zone umgehört und die Stimmen zusammengefasst:

Zum Spielverlauf:

Viktor Skripnik: "So ist Fußball. Das tut schon weh und ist ärgerlich. Hannover hat den Ball gut laufen lassen und gezeigt, dass sie eine gute Mannschaft sind. Aber wir haben Wille und Herz gezeigt und alles versucht. Jeder ist ans Limit gegangen, dafür ein großes Kompliment an meine Mannschaft. Aber mit einer Führung im Rücken müssen wir solider und ruhiger umgehen. Für die Zuschauer war es sicher nicht langweilig, für mich als Trainer eher weniger angenehm."

Clemens Fritz: "Das war ein sehr intensives Spiel, das wir unbedingt gewinnen wollten. Nach dem Doppelschlag war es dann schwer für uns, aber wir haben bis zum Schluss gekämpft und sind nochmal zurückgekommen. Bei den Gegentoren spielt die Verunsicherung sicher eine Rolle, aber daran arbeiten wir und ich hoffe, dass wir das schon in den letzten beiden Spielen besser machen."

Zlatko Junuzovic: "Es sind gemischte Gefühle. Wir waren natürlich froh über den Ausgleich und sind froh, noch den Punkt geholt zu haben. Aber wir müssen bei eigener Führung cleverer agieren. Bei den Gegentoren bestrafen wir uns selber, haben zwei Minuten geschlafen. In dieser Phase war der Schlendrian drin. So gesehen ist das Unentschieden bitter für uns."  

Davie Selke: "Wir sind unzufrieden, denn wir wollten unbedingt die drei Punkte. Wir dürfen die Führung nicht so einfach abgeben. Klar war es schön, den Treffer zum Punktgewinn zu erzielen, aber der Sieg wäre mir lieber gewesen."

Felix Kroos: „Es ging hin und her. Es ist gut, dass wir nicht verloren haben, aber es sind letztendlich auch zwei Punkte zu wenig. Der Ausgleich kurz vor der Pause hat uns einen Schub gegeben, auch noch nach der Pause. Die Gegentore sind zwar zu einfach, aber es war wichtig, dass wir uns nochmal zurückgekämpft haben."

Zur Aufstellung und den jungen Spielern:

Viktor Skripnik:„Ich freue mich natürlich für die Jungs. Melvyn zum Beispiel hat unter der Woche gut trainiert und sich gezeigt. Aber ihm fehlt noch der Rhythmus. Schön, dass er sich mit dem Tor und einer engagierten Leistung belohnt hat."

Thomas Eichin: „Ich war nicht überrascht über die Aufstellung, weil ich sehr nah dran bin an Viktor und der Mannschaft. Melvyn hat die ganze Woche sehr gut trainiert, wurde dafür gelobt. Der Trainer hat auch heute wieder Mut bewiesen und die jungen belohnen ihn und sich dafür. Zum Glück hat Melvyn noch rechtzeitig vor seiner Auswechslung getroffen. Das ist so eine Geschichte, die nur der Fußball schreibt."

Zlatko Junuzovic: „Man muss auch sehen, dass uns wichtige Spieler fehlen. Aber die Mannschaft hat es trotzdem gut gemacht, vor allem die jungen Spieler. Für sie sind das besondere Momente und sie machen ihre Sache richtig gut. Wenn wir mit so einer jungen Mannschaft spielen, haben wir die Aufgabe, die Jungs zu pushen, sie zu motivieren. Natürlich passieren auch Fehler, aber die macht jeder und man verzeiht sie ihnen."

Zur Tabellensituation und der kommenden englischen Woche:

Thomas Eichin: „Es sind bis Weihnachten noch sechs Punkte zu vergeben. Davon wollen wir möglichst viele holen, schön wären mindesten drei. Dann hätten wir eine Punktzahl, mit der wir uns in der Winterpause neu aufstellen und ordentlich in die Rückrunde starten könnten."

Viktor Skripnik: „Selbst mit einem Sieg heute hätte sich an unserer Situation nichts verändert. Wir wollen so viel wie möglich Punkte holen. Egal, wer als Gegner auf der anderen Seite steht. Im Fußball ist alles möglich."

Zlatko Junuzovic: „Wir müssen jetzt weiter arbeiten und bis zur Pause so viele Punkte wie möglich holen. Es sind noch zwei Spiele zu gehen. Es ist natürlich nicht einfach, weil auf Grund der Tabellensituation die Lockerheit fehlt. Spielerisch ist das schon in Ordnung, aber es zählen nur die Resultate. Darauf kommt es in den nächsten beiden Spielen an."

Clemens Fritz: „Die Situation ist nicht neu für uns, wir sollten das nicht schon wieder thematisieren. Wir wollen uns Stück für Stück Punkte erarbeiten, heute ist es leider nur einer geworden."

Aus dem Weser-Stadion berichten Dominik Kupilas und Erik Scharf