Bodenständige Genießer

Geteilte Freude bei den Torschützen: Assani Lukimya und Theodor Gebre Selassie (Foto: nph).
Profis
Samstag, 14.02.2015 // 19:30 Uhr

Jubelstürme im Stadion, eine vielversprechende Tabellensituation und sogar der Gegner angetan von der eigenen Spielweise. Für die Werder-Profis hätte es nach dem 3:2-Sieg über den FC Augsburg, dem fünften Bundesliga-Erfolg in Folge, jede Menge Gründe gegeben, um euphorisch vom internationalen Geschäft zu träumen.

Doch Junuzovic, Bartels und Co. zeigten sich realistisch. „Wir wissen, wo wir herkommen", erklärte Fin Bartels. „Es warten schwere Aufgaben auf uns", fügte Junuzovic hinzu. Und auch Cheftrainer Viktor Skripnik resümierte nüchtern: „Wir dürfen stolz sein, aber müssen weiter unsere Hausaufgaben machen."

Einen Moment lang durften die Grün-Weißen aber dennoch genießen, was sie gegen das Überraschungsteam der Liga geleistet hatten. WERDER.DE hat reingehört und fasst die wichtigsten Stimmen aus der Mixed Zone zusammen.

Zum Spielverlauf:

Fin Bartels: „Das war ein richtig gutes Spiel von uns, vor allem von der Defensive. Normalerweise erledigen sie die Drecksarbeit und werden dafür kaum gelobt. Heute stehen sie im Mittelpunkt, das freut mich. Momentan klappen viele Dinge, da bügelt der eine für den anderen die Fehler aus. Aber am Ende machen wir es uns zu schwierig. Man kann sagen, da sind wir in Schönheit gestorben. Daran müssen wir arbeiten. Schön, dass es noch was zu verbessern gibt."

Viktor Skripnik: „Wir freuen uns über die Punkte. Das zählt am Ende. Wir haben den Tabellenvierten der Bundesliga dominiert und viele Chancen gehabt, das ist eine klasse Leistung. Klar müssen wir den Sack früher zu machen, aber wenn du solche Probleme hast, dann kannst du dir nur gratulieren. Wir haben so viele attraktive Sachen gezeigt, die Zuschauer sind nicht umsonst begeistert."

Assani Lukimya: „Wir haben ein ganz gutes Spiel gemacht. Die Standardsituationen haben uns geholfen. Ich denke, dass wir uns trotzdem auch aus dem Spiel so viele Chancen erarbeitet haben, wie schon lange nicht mehr. In der Rückwärtsbewegung hat dann jeder mitgearbeitet, aus dem Spiel heraus haben wir wenig zugelassen."

Zlatko Junuzovic: „Wir wollten unbedingt den fünften Sieg und haben ihn uns erarbeitet. Wir haben wieder mal die entscheidenden Tugenden - Kampfgeist und Zusammenhalt - auf den Platz gebracht, alles andere kommt dann von alleine. Aber vorne hätten wir viel kaltschnäuziger sein müssen. Da machen wir uns das Leben schwer."

Thomas Eichin: „Die Jungs haben das richtig gut gemacht, wir hatten eine gute Spielauffassung, schnelle Breaks und guten Ballbesitz. Wir dürfen dann aber nicht so fahrlässig mit unseren Chancen umgehen, die haben wir nicht konsequent genug ausgespielt. In der zweiten Halbzeit wollten wir Zirkus Sarrani spielen. Da musst du die Galligkeit haben, die nächsten Tore zu machen. Aber wenn du oben stehst, bist du klar im Kopf und gewinnst solche Spiele."

Levent Aycicek: „Wir haben uns viele Chancen erarbeitet, sie aber einfach nicht gut ausgespielt. Augsburg hat Qualität, das haben sie am Ende unter Beweis gestellt. Da mussten wir dann noch mal zittern."

Auf der Suche nach dem Erfolgsgeheimnis:

Levent Aycicek: „Wir haben einen Lauf, das geht vieles wie von allein. Wir wehren uns gut, zeigen eine super Körpersprache. Das ist der Weg zum Erfolg."

Zlatko Junuzovic: „Die Körpersprache ist phänomenal. Wenn man das mit vor einigen Monaten vergleicht, ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Wir haben eine junge Truppe, die lebt, die einfach Spaß macht. Der Zusammenhalt ist großartig. Einer zerreißt sich für den anderen. Das Trainerteam leitet uns und wir vertrauen ihnen."

Thomas Eichin: „Das komplette Trainerteam hat einen super Job gemacht und der Mannschaft Selbstbewusstsein eingeimpft. Das trägt Früchte und dann ist es auch keine Überraschung, dass wir mal ein Spiel gewinnen. Man sieht, dass wir uns entwickeln. Es war eine Frage der Zeit, bis wir uns stabilisieren."

Viktor Skripnik: „Zeitweise muss ich mich schon kneifen. Es ist klasse, was wir geleistet haben. Solche Siege bringen Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Wir zeigen den Fußball, den Werder-Fans von Werder Bremen sehen wollen. Das ist sehr gut für den Verein und zeigt, dass wir in die richtige Richtung gehen. Du kannst den Leuten was anbieten und stolz darauf sein, denn wir haben sehr akribisch gearbeitet."

Zur Tabellensituation:

Fin Bartels: „Ich kann mich nicht erinnern, mal fünf Spiele in Folge gewonnen zu haben. Das ist ein schönes Erlebnis, aber wir bleiben sehr vorsichtig und wissen, wo wir herkommen. Damit sind wir bisher gut gefahren. Vor fünf Spieltagen standen wir auf dem letzten Platz."

Zlatko Junuzovic: „Europa ist nicht wichtig. Was zählt, ist der Abstiegskampf. Dafür haben wir uns eine gute Ausgangsposition erarbeitet."

Thomas Eichin: „Wir genießen die Situation. Wir wussten, dass wir mit ein paar Siegen unten raus kommen, wissen aber auch, dass wir mit ein paar Niederlagen ganz schnell wieder unten reinrutschen."

Viktor Skripnik: „Mit 29 Punkten können wir nicht sicher sein. Letztes Jahr haben zwar 26 Punkte zur Relegation gereicht, aber dieses Jahr ist alles viel enger. Wir wollen schnell weitere Zähler sammeln, aber zurücklehnen kann sich keiner."

Ausblick auf die kommenden Spiele:

Thomas Eichin: „Die Jungs dürfen heute feiern und locker sein und sich morgen ausruhen. Ab Montag fokussieren wir uns dann auf die nächste Aufgabe. Wir wollen unseren Weg konsequent weitergehen. Das braucht Zeit. Wir lassen uns jetzt nicht verrückt machen. Die Mannschaft vertraut dem Trainer-Team, wir bleiben jeden Tag dran."

Viktor Skripnik: „Wir wollen weiter attraktiven Fußball spielen und begeistern. Wir sind gespannt was kommt. Natürlich dürfen die Fans phantasieren ohne Ende, aber wir müssen so schnell wie möglich unsere Hausaufgaben erledigen. Jetzt haben wir schwere Wochen vor uns mit den Spielen gegen Schalke, Wolfsburg und Bayern."

Zlatko Junuzovic: „Wir haben brutal schwere Gegner vor der Brust. Da stellt sich nicht die Frage, ob wir motiviert sind, da wird jeder brennen und alles geben. Natürlich werden wir Rückschläge erleiden, kleine Krisen durchleben, aber damit haben wir gelernt umzugehen. Das gehört zum Fußball, da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Aber ich spüre eine Entwicklung und die stimmt mich positiv. Wir wollen jetzt den nächsten Schritt machen. Der heißt für mich, auch auswärts stabil zu spielen und gute Ergebnisse zu erzielen."

Aus dem Weser-Stadion berichten Yannik Cischinsky und Erik Scharf