1:1 gegen 1899: Werder belohnt sich einfach nicht!

Samstag, 30.08.2014 // 17:31 Uhr

Im ersten Heimspiel der Bundesligasaison vor gut 40.000 Zuschauern im Weserstadion fehlte Werder Bremen nur ein kleiner Zentimeter, die entscheidende Kaltschnäuzigkeit und irgendwie auch das letzte Quäntchen Glück, um drei Punkte einzufahren...

Im ersten Heimspiel der Bundesligasaison vor gut 40.000 Zuschauern im Weserstadion fehlte Werder Bremen nur ein kleiner Zentimeter, die entscheidende Kaltschnäuzigkeit und irgendwie auch das letzte Quäntchen Glück, um drei Punkte einzufahren. Nach ansehnlichen, tempo- und chancenreichen 90 Minuten trennten sich die Grün-Weißen jedoch nur 1:1 (0:1)-Unentschieden von 1899 Hoffenheim. Roberto Firmino hatte die im ersten Durchgang noch dominierenden Gäste früh in Führung gebracht (19.). Neuzugang Alejandro Gálvez egalisierte den Spielstand eine Viertelstunde nach Wiederanpfiff (59.). Es folgte bis zum Schlusspfiff eine Bremer Daueroffensive mit teils hundertprozentigen Torchancen, die allesamt ungenutzt bleiben sollten.

Aufstellung und Formation: Einige positive Impulse aus der guten zweiten Halbzeit im Berliner Olympiastadion wirkten auf Cheftrainer Robin Dutts Startaufstellung gegen Hoffenheim ein. Er setzte auf ein klassisches Sturmduo, das von Franco Di Santo und auch Davie Selke gebildet wurde. Im Mittelfeld sollten zwei zentrale Sechser den beiden offensiven Außenspielern Elia und Hajrovic den Rücken frei halten. Neben Zlatko Junuzovic kam auch Alejandro Gálvez bei seinem Bundesligadebüt dieser Part zu. Zudem kehrte Sebastian Prödl (für Caldirola) nach überstandenem Muskelfaserriss in die Innenverteidigung zurück.

Die Höhepunkte:


10. Min.: Erster Warnmoment für Werders Defensive - Lukimya klärt Rudys Heber zu kurz aus dem Strafraum heraus. Durch Vollands Nachsetzen fällt der Ball an der Strafraumgrenze etwas glücklich auf Szalais Füße, der flach aus der Drehung das Tor nicht allzu weit links verfehlt.

14. Min.: Schnelles, klares Umschaltspiel der Bremer nach Lukimyas Ballgewinn. Elia entsendet Di Santo schön in den freien Raum, doch dessen Gegenspieler Bicakcic verteidigt großartig, sonst hätte Werders Argentinier allein vor Baumann nur vollenden müssen.

Die Höhepunkte: Firmino trifft früh, Werder sündigt in der Schlussphase

Firmino traf früh zur Gästeführung. Am Ende nahm Hoffenheim einen glücklichen Punkt mit (Foto: nph).

19. Min.: 0:1, Tor von Roberto Firmino. Werder frisst das erste Gegentor. Sebastian Rudy darf sich das Leder ungestört im rechten Halbfeld für einen phantastischen Diagonalball in Richtung Roberto Firmino zurechtlegen. Der Brasilianer entwischt dem unachtsamen Hajrovic im Rücken, spielt noch Wolf aus, der sich beim Herauslaufen etwas verschätzt, und schiebt ins leere Tor.

40. Min.: Den Tooooorschrei der Grün-Weißen schon auf den Lippen kratzt 1899-Keeper Baumann Galvez' aufsetzenden Kopfball, vorbereitet von Hajrovic aus einem Freistoß, noch mit den Fingernägeln aus dem rechten Torwarteck. Bei der anschließenden Eckballvariante kommt Hajrovic plötzlich am Elfmeterpunkt in völlig freie Position, sein Schussversuch rutscht ihm jedoch über den linken Spann.

53. Min.: Sebastian Rudy, einer der auffälligsten Gästeakteure, schlägt einen Eckball an den langen Pfosten. Dorthin hatte sich Innenverteidiger Niklas Süle geschlichen, der Lukimya überspringt und per Kopf nur knapp den Ausbau der Gästeführung verpasst. Wolf wäre chancenlos gewesen.

59. Min.: Der AAAAAAAAUSGLEICH für Werder! Das 1:1 durch Alejandro Gálvez. Erst sichert Franco Di Santo auf der linken Seite energisch den Ball, flankt dann hoch in den Strafraum - und wer taucht da auf einmal in feinster Mittelstürmerposition auf, nimmt den Ball technisch perfekt mit der Brust an, um ihn aus 14 Metern volley aus der Drehung ins kurze Eck zu setzen? Neuzugang Alejandro Gálvez! Wunderbar!

69. Min.: Oh, diese Chance darf er sich eigentlich nicht entgehen lassen. Junuzovic bringt einen Eckball fein geschnitten an den kurzen Pfosten - Santi Garcia, der sich clever aus der Umklammerung gelöst hat, köpft aber freistehend aus fünf Metern an den Außenpfosten.

74. Min.: Die nächste große Bremer Chance nach einer Standardsituation. Ein Hoffenheimer bringt den Ball nicht weit genug aus dem Strafraum, Prödl zieht aus dem Rückraum ab, der Schuss entwickelt sich etwas zum Querschläger, der dem eingewechselten Nils Petersen zwei Meter vor dem Tor vor die Füße zischt - zu überrascht davon entgeht dem Angreifer jedoch der Abschluss. Schade!

79. Min.: Jetzt sündigen die Grün-Weißen fast schon. Di Santo bedient Werder-Debütant Bartels - der ist über die rechte Seite durch, will den Ball mit der Innenseite an Baumann vorbeilegen, der Keeper pariert wieder mit den Fingerspitzen und erneut entgeht Petersen am langen Pfosten der Abstauber.

81. Min.: Der nächste vergebene Hochkaräter! Werder muss mittlerweile eigentlich führen. Di Santo verzieht unbedrängt aus zehn Metern und halbrechter Position.

84. Min.: Fast bestrafen sich die Grün-Weißen auch noch selbst. Gálvez mit seinem ersten großen Fehler der Partie, ermöglicht Szalai den freien Weg zum Tor, aber Wolf hat die Situation reaktionsschnell erspäht und grätscht dem Ungar den Ball vom Fuß.

86. Min.: Belohn Dich doch endlich, Nils! Herrlicher Heberpass von Di Santo auf Petersen. Der macht doch eigentlich alles richtig, verwertet die Vorlage grandios, nimmt die Kugel volley, die jedoch noch leicht abgefälscht an den linken Pfosten klatscht.

90. Min + 3: Abpfiff im Weser-Stadion. Es hat nicht mehr gereicht für den KO-Treffer. Werder und Hoffenheim trennen sich 1:1-Unentschieden.

Die Analyse: Beeindruckende zweite Hälfte ohne Happy-End

Davie Selke warf sich in jeden Zweikampf, hier gegen Adam Szalai (Foto: nph).

Auffälligkeiten:

- Es gehört beinah zum guten Ton, dass Werders Bundesligaduelle gegen 1899 Hoffenheim vor allem von hohem Tempo geprägt sind. Diesmal zwar nicht auf allerhöchstem Niveau, da sich beiderseits auch immer wieder vereinzelte Unachtsamkeiten und Fehlerchen einschlichen. Aber dennoch wohnten die Fans im Weser-Stadion einer durchweg guten, streckenweise mitreißenden Bundesligapartie bei.

- Wieder zwei unterschiedliche Halbzeiten. Zwar war der Bremer Leistungsunterschied zwischen erstem und zweitem Durchgang heute bei weitem nicht so groß wie noch in Berlin. Dennoch agierte Hoffenheim vor dem Pausenpfiff offensiv wie defensiv konsequenter und durchschlagskräftiger. Das gegenteilige Bild dann nach Wiederanpfiff, insbesondere nach Süles vergebener Großchance zum möglichen 0:2 (53.): Werder mit deutlich erhöhter Power, weitaus mutiger und spielfreudig, was die Gäste sichtbar beeindruckte.

Szene des Spiels: Natürlich erzielte Alejandro Gálvez den so wichtigen und noch dazu wunderschönen Ausgleich. Aber nichtsdestotrotz steht Nils Petersens feine Ballannahme, -verarbeitung und Abschluss nach toller Vorarbeit des ebenso auffälligen Di Santo in der 86. Minute sinnbildlich für den bitteren Ausgang des Spiels. Dieser unglückliche Pfostenschuss war der Höhepunkt einer an liegen gelassener Bremer Chancen kaum mehr mitzuzählenden Schlussphase im Weserstadion.

Werder-Spieler des Spiels: Als hätte er in den Jahre zuvor nie etwas anderes gemacht, als auf zentraler Mittelfeldposition im grün-weißen Trikot defensiv wie offensiv Akzente zu setzen, spielte sich Alejandro Gálvez bei seinem Bundesliga-Startelfdebüt in den Vordergrund. Er krönte seinen Auftritt noch mit einem herrlichen Tor.

Fazit: Vor allem aufgrund der zahlreichen, hochkarätigen, aber teils fahrlässig ungenutzten Großchancen in der Schlussviertelstunde hat Werder hier unnötigerweise zwei zusätzliche Punkte verschwendet. Dennoch - wiederum ausdrücklich in der zweiten Halbzeit - boten die Grün-Weißen eine Klassepartie, zeigten zeitweilig tolle Angriffspassagen - nur leider ohne sich dafür vollkommen zu beschenken.

Stimmen und Highlights auf WERDER.TV und WERDER.DE folgen im Laufe des Abends


von Maximilian Hendel