''Ich gehöre zu Werder'' - Skripniks erster Tag

Profis
Sonntag, 26.10.2014 // 18:40 Uhr

Als Viktor Skripnik gemeinsam mit seinem Trainerteam um kurz nach halb zwei am Sonntagmittag den Trainingsplatz betrat, brandete Applaus auf. Schon auf dem Weg von der Kabine zum Trainingsplatz standen knapp 1.000 Werder-Fans Spalier und klatschten. Der Andrang zur ersten Einheit unter dem neuen Cheftrainer des SV Werder war riesig. „So viele Fans haben vermutlich zuletzt beim Training nach dem Doublesieg 2004 zugeguckt", scherzte Skripnik auf der anschließenden Pressekonferenz und ergänzte: „Diese Unterstützung freut uns, es war ein angenehmes Gefühl, aber wir werden ruhig und fokussiert arbeiten. Wir kennen die Situation und die Erwartungen. Meine Konzentration gilt der Mannschaft", so Skripnik.

Mit der ersten Einheit endeten für den gebürtigen Ukrainer vorerst ereignisreiche Stunden. „In der Nacht von Freitag auf Samstag habe ich eine SMS bekommen, dass ich Samstagmorgen ins Büro von Herrn Eichin kommen solle", verriet der 44-Jährige, der bei der Anfrage der Geschäftsführung keinen Moment zögerte: „Ich habe nicht überlegt, sondern sofort zugesagt. Ich bin 18 Jahre hier und gebe alles für den Verein. Ich gehöre mit ganzem Herzen zu Werder Bremen. Es ist mehr als ein Traum für mich, bei meinem Verein die Bundesliga-Mannschaft trainieren zu dürfen."

Vier-Augen-Gespräche mit erfahrenen Spielern

So schnell der Wechsel vom Trainerstuhl der zweiten Mannschaft auf den Chefsessel der Profis vonstattenging, seine eigentliche Aufgabe beginnt jetzt erst. Bereits am Dienstag, 28.10.2014, um 19 Uhr, wartet der Chemnitzer FC in der zweiten Runde des DFB-Pokals. „Für uns ist es gut, dass direkt ein Spiel ansteht. Die Jungs haben keine Zeit, sich groß Gedanken über die Tabellensituation in der Liga zu machen." Gleich in den ersten Minuten mit Fritz, Di Santo und Co. machte er deutlich, worauf es ihm ankommt. „Ich wollte die Spieler kitzeln, sehen wie sie reagieren. Die Jungs müssen selbstkritisch sein und etwas mehr machen als zuletzt. Damit meine ich nicht läuferische Dinge, sondern das Selbstbewusstsein. Daraus wächst dann auch Kreativität."

In Vier-Augen-Gesprächen hatte Skripnik zuvor den erfahrenen Akteuren klargemacht, was er erwarte. „Wir stecken in einer schwierigen Situation, aber keiner ist alleine. Nur gemeinsam kommen wir da raus. Wenn es in der Kabine nicht zusammenpasst, funktioniert es auch auf dem Feld nicht. Deshalb soll keiner von 'ich' sprechen, sondern nur von 'wir'."

Skripnik: "Wir sind Männer, wir haben Testosteron."

Für Thomas Eichin war die Berufung Skripniks, der noch einen Vertrag beim SVW bis 2017 besitzt, zum Cheftrainer ein „konsequenter Schritt. Es war immer ein Ziel des Vereins, nicht nur Spieler, sondern auch Trainer zu entwickeln. Er kennt unseren Weg aus den vielen engen Gesprächen und er steht für den Werder-Weg", erläuterte der Geschäftsführer Sport.

Nach dem Ende seiner Profi-Karriere 2004 trainierte Skripnik zahlreichen Nachwuchsteams des SV Werder. Vom U 21-Coach arbeitete sich der ehemalige ukrainische Nationalspieler über die U 17 in die U 23 vor, die er im Sommer zur Vizemeisterschaft in der Regionalliga führte. „Jeder Soldat will General werden, jeder Trainer will weiterkommen und irgendwann Bundesliga-Trainer werden. Wir sind Männer, wir haben Testosteron. Wir wollen schneller fahren, weiter kommen und mehr erreichen. Genau so bin ich", erklärte er seine Motivation. Vor allem seine zwei Kinder habe er mit dem jüngsten Schritt zu den Profis glücklich gemacht. „Sie sind stolz. Das ist das Beste, was einem Vater passieren kann."

Von Yannik Cischinsky und Dominik Kupilas