Saisonrückblick Teil II: Deprimierender Herbstanfang

Keeper Horn klärt vor Bartels: Auch gegen Köln gelang Werder kein Befreiungsschlag (Foto: nph.).
Profis
Freitag, 05.06.2015 // 11:07 Uhr

Wohl und Wehe liegen im Fußball allzu oft nur einen winzigen Spalt weit auseinander. Wie etwa bei Werders Auswärtsspiel in Augsburg am 20. September, wo Mitte der zweiten Hälfte einzig Marwin Hitz' Glanzparade mit den Fingerspitzen die womöglich vorentscheidende Bremer 3:2-Führung durch Izet Hajrovic verhinderte. Stattdessen nutze Augsburgs Werner später auf der Gegenseite die sich nächstbietende Gelegenheit (77.). Die Partie sollte noch 2:4 verloren gehen. Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen konnte: In den knapp fünf Wochen nach jener ersten Saisonniederlage glitt Werder in eine fatale Abwärtsspirale. Nach der deprimierenden Heimniederlage gegen Aufsteiger 1. FC Köln, entschlossen sich die Verantwortlichen zur Trennung von Cheftrainer Robin Dutt.

Dabei hatte gegen den FCA eingangs alles ziemlich vielversprechend begonnen. Voller Lust und Selbstvertrauen boten zwei leidenschaftlich offensiv agierende Kontrahenten eine durchweg gutklassige Begegnung. Ganz früh brachte Davie Selke die Seinen bestens in Position (3.). Baier und ein zweifelhafter Elfmeter von Verhaegh (14./45.+3) drehten die Partie, bis Franco Di Santo - ebenfalls vom Punkt - ausglich. „Nach dem 2:2 haben wir richtig gut gespielt und Druck aufgebaut", hob Robin Dutt hervor. Leider vergab Hajrovic die angesprochene Großchance, wohingegen Werner eine verhängnisvolle Unaufmerksamkeit im Bremer Sechszehner bestrafte.

Nach Englischer Woche in der Abwärtsspirale

Wie „gnadenlos nun mal die Bundesliga ist" (Geschäftsführer Thomas Eichin) spiegelte Part zwei dieser angebrochenen Englischen Woche wider. Binnen knapp 180 Sekunden verdarben sich die Grün-Weißen fahrlässig ihren zuvor in der ersten Halbzeit noch ansprechenden Heimauftritt, sodass die Schalker wohl heute noch rätseln dürften, wie sie nach dem Seitenwechsel urplötzlich zu zwei Toren Vorsprung gekommen waren (Meyer 48./Neustädter 51.). Barnetta erhöhte fünf Minuten vor Ultimo gar zum 0:3-Endstand. Zu allem Übel schloss die pechschwarze Woche mit einer 1:2-Niederlage beim ambitionierten VfL Wolfsburg.

Marnon Buschs erstes Bundesligator rief nur kurz Glückshormone hervor, da sich die Grün-Weißen ansonsten vergeblich an keineswegs furchteinflößenden, jedoch kühl routinierten Gastgebern abarbeiteten. „Das ist symptomatisch für den bisherigen Saisonverlauf, Wolfsburg weiß wahrscheinlich selber nicht, warum sie heute gewonnen haben. Für die Leistungen, die wir gezeigt haben, haben wir einfach viel zu wenige Punkte. Das tut weh", haderte Sebastian Prödl. Erst recht, weil der nicht nur erhoffte, sondern mehr denn je unerlässliche Befreiungsschlag auch daheim gegen Freiburg ausblieb. So zungeschnalzend sich die Koproduktion von Torschütze Di Santo und Vorbereiter Zlatko Junuzovic zum Ausgleich auch darbot, Werder kam einfach nicht über das 1:1 hinaus. Mit lediglich vier Punkten aus sieben Spielen „ist die Situation richtig am Dampfen", machte Junuzovic klar, „wir sind jetzt Tabellenletzter, hinter uns ist also nicht mehr viel los. Das ist eine Katastrophe."

Ujah bringt Köln drei Punkte - Werder trennt sich von Dutt

Rekordmeister FC Bayern, ohnehin gerade im Begriff, richtig ins Rollen zu kommen, nutzte die Verfassung augenscheinlich angeschlagener und verängstigter Bremer gnadenlos aus. In den Augenblicken nach dem chancenlosen 0:6 blieb auch Thomas Eichin bloß Ernüchterung: „Heute haben wir gespielt, wie es unser Tabellenplatz aussagt. Der Respekt war zu groß und so kannst du hier nicht spielen." Wille, Aufopferung, Geschlossenheit - nichts davon konnte den Grün-Weißen in dieser schweren Phase abgesprochen werden. Das galt ebenso für das richtungsweisende Gastspiel des 1. FC Köln im Weserstadion.

Aber wie fragil die Statik im Bremer Spiel geworden war, veranschaulichte jener schwarze Freitag im Oktober in aller Deutlichkeit. Vorn trotz allem redlichen Bemühen ausgesprochen glücklos und im eigenen Strafraum in der entscheidenden Szene unachtsam. Köln gewann 1:0. Nur wenige Stunden nach Abpfiff wurde Werders Cheftrainer freigestellt. „Wir möchten uns für die Arbeit von Robin Dutt und seinem Team bedanken, er hat den SV Werder in den vergangenen Monaten mit großer Leidenschaft durch eine schwierige Phase manövriert. Nach den letzten Ergebnissen sind wir jedoch der Überzeugung, dass die Mannschaft einen neuen Impuls braucht, um aus der gegenwärtigen Lage herauszukommen", begründete Thomas Eichin. Das entscheidende Gegentor der vorangegangenen Heimschlappe hatte ein gewisser Anthony Ujah erzielt.

von Maximilian Hendel


Teil drei des WERDER.DE-Saisonrückblicks folgt am Montag