Die ''Waffe'' für den ruhenden Ball

Abdrehen zum Jubeln! Ein häufiges Bild nach einem Junuzovic-Freistoß (Foto: nph).
Profis
Dienstag, 10.02.2015 // 13:06 Uhr

„Wenn der Ball ruht, ist die Wahrscheinlichkeit enorm hoch, dass das Ding rein geht", weiß der Geschäftsführer Sport, Thomas Eichin. In der 29. Minute des Leverkusen-Spiels gab es einen solchen ruhenden Ball. Die Vorfreude auf das, was wohl gleich passieren würde, war im Weser-Stadion bis in den hintersten Winkel zu spüren: „Ich habe mich gefreut, als der Schiedsrichter gepfiffen hat und einfach gedacht, es wäre der Wahnsinn, wenn er wieder reingeht. Ich wollte es versuchen, wie die letzten Male", beschreibt der 27-Jährige das Szenario, welches wie schon gegen Paderborn, Hannover und Mönchengladbach im Torjubel endete. „Es war ein geiles Gefühl, als der Ball dann tatsächlich eingeschlagen ist. Ich denke, meine Freude konnte man an meinem Jubel ablesen", erinnert sich der Freistoß-Experte an die Momente nach seinem Tor zum 2:0.

Der Fall war klar: Ruhender Ball, zwanzig Meter vor dem Tor. Auf dem halben Weg hatte sich eine zehnbeinige Mauer postiert um zu verhindern, was momentan nicht zu verhindern ist. Zumindest nicht, wenn ein Spezialist antritt. Beim SV Werder heißt dieser Zlatko Junuzovic. Vier Schritte Anlauf reichen ihm, um den Fall zu lösen. Bereits zum vierten Mal traf der Mittelfeld-Mann in dieser Saison nach einem Freistoß. Saisonrekord! Nun fehlen ihm noch weitere vier, um einen 19 Jahre alten Rekord eines ehemaligen Werderaners zu überbieten.

Erfolgsrezept: Kein Training

Geht es nach Werder-Coach Viktor Skripnik, soll das vierte Freistoßtor in dieser Saison nicht das letzte gewesen sein: „Ich hoffe, dass es so weiter geht mit ihm. Er ist eine echte Waffe. Seine Standardstärke hilft uns sehr." Das drückt sich auch in den Zahlen aus. Mit 13 Toren nach Standardsituationen ist Werder gemeinsam mit dem VfL Wolfsburg Liga-Spitzenreiter, in neun Fällen war Junuzovic direkt beteiligt (4 Tore, 5 Vorlagen).

Dabei ist das Erfolgsrezept des österreichischen Nationalspielers simpel. „Ich habe mir vorgenommen, die Freistöße nicht zu trainieren, sondern einfach zu schauen, was dabei raus kommt. Das hat im vergangenen Herbst schon gut geklappt. Und deshalb werde ich die Freistöße vermutlich auch weiterhin nicht trainieren", erklärt Junuzovic lachend. Kapitän Clemens Fritz hingegen weiß, dass sein Teamkollege „lange an dieser Technik gefeilt hat". Umso schöner sei es, dass „Juno" nun endlich zeige, was er drauf habe, so Fritz.

Seit Januar 2011 wirbelt der im früheren Jugoslawien geborene Junuzovic im Mittelfeld der Grün-Weißen. In seiner vierten Saison in der Bundesliga jagt er nun einen Rekord eines Ex-Werderaners. In der Saison 1995/1996 verwandelte Mario Basler sieben Freistöße direkt. Doch Junuzovic wiegelt ab und stellt sich und seine Freistöße in den Dienst der Mannschaft: „Im Grunde ist es völlig egal, wer die Tore macht und wie sie fallen. Wir wollen nur gewinnen."

Junuzovic: "Belohnen uns für die Leistung"

Mit seinen Toren und Vorlagen hat der Dauerläufer, der beim 2:1-Auswärtssieg in Hoffenheim wegen einer Gelbsperre erstmals in dieser Saison nicht in der Startelf stand, am Aufschwung der letzten Wochen großen Anteil. „Wir haben einen super Start hingelegt, den wir uns alle nicht erträumt haben. Ich denke, wir haben uns diese Siege verdient.  Wir belohnen uns für die Leistung - genau das, was wir zu Beginn der Saison nicht gemacht haben", resümiert Junuzovic die perfekte erste Bundesliga-Woche im neuen Jahr. Mit der maximalen Ausbeute von zwölf Punkten aus den letzten vier Spielen hat sich die Werder-Elf Luft im Kampf um den Klassenerhalt verschafft. Dennoch, so der Mittlefeld-Motor „wird jetzt nicht alles wie von alleine laufen. Wir müssen jedes Spiel an unser Maximum gehen. Wenn wir nur ein, zwei Prozentpunkte zurückfahren, werden wir die Spiele verlieren. Das muss uns allen bewusst sein." Den kommenden Gegner muss dagegen bewusst sein: Wenn der Ball ruht, dann steht die „Waffe" Junuzovic bereit für den nächsten Fall.

von Erik Scharf